Pressespiegel

Kiezgespräch

Rand­be­zirk statt Rad­be­zirk? Das Fahr­rad­netz­werk kri­ti­siert vor allem den Ver­kehrs­stadt­rat Wil­fried Nün­thel (CDU), der für Gesprä­che über Ände­run­gen der Ver­kehrs­si­tua­ti­on für Rad­fah­ren­de kaum Inter­es­se zei­ge. Es habe Gesprä­che gege­ben – jedoch ohne Erfolg. Phil­ipp Ahrens, Vor­sit­zen­der der Grü­nen, meint, auch BM Micha­el Grun­st wür­de nicht gera­de in die Peda­len tre­ten, um neue Rad­we­ge zu schaf­fen.

Lich­ten­berg ist viel­leicht wie ein Kind, das man erst lang­sam von den Vor­tei­len der Fort­be­we­gung auf zwei Rei­fen über­zeu­gen muss. Anschie­ben und Stütz­rä­der sind not­wen­dig. Und dann muss es sich von selbst trau­en. Man kann nur gut zure­den und anschie­ben. Ver­kehrs­se­na­to­rin Regi­ne Gün­ther (Grü­ne) sag­te letz­te Woche immer­hin: »Wir neh­men die Metro­pol­re­gi­on Ber­lin-Bran­den­burg als Gan­zes in den Bli­ck. Es geht nicht nur um die Innen­be­zir­ke.« Na, dann mal los.

Grun­st hat einen Antrag in den Rat der Bürger*innenmeister*innen ein­ge­bracht und will ber­lin­weit ver­bind­li­che Regeln durch­set­zen, berich­tet Lima+, das sich hier auf ein Pres­se­ge­spräch im Mai bezieht. »Das Abstel­len von Leih­fahr­rä­dern bedeu­tet eine Son­der­nut­zung von öffent­li­chem Stra­ßen­land«, meint Grun­st. Gast­wir­te, die Tische oder Stüh­le auf die Bür­ger­stei­ge stel­len, müs­sen dafür Geld an den jewei­li­gen Bezirk zah­len. Die­se Rege­lung soll nun auch auf die Anbie­ter von Leih­fahr­rä­dern aus­dehnt wer­den. Nün­thel unter­stützt den Rat­haus-Chef: »Ich hal­te es für drin­gend erfor­der­li­ch, dass pro­fes­sio­nel­le Anbie­ter die Nut­zung auch bezah­len.« Außer­dem lei­de das Stadt­bild unter den ein­fach irgend­wo abge­stell­ten Rädern.

Und das, obwohl Lich­ten­berg als Vor­rei­ter-Bezirk für Leih­rä­der gilt. So stell­te sich der Bezirk als Test­stre­cke für einen Leih­r­ad­an­bie­ter zur Ver­fü­gung. Mona­te­lang konn­te man kos­ten­frei Leih­rä­der aus­lei­hen und das Sys­tem tes­ten. Wenig spä­ter gab es in ganz Ber­lin Leih­rä­der. Immer wie­der beschwe­ren sich Men­schen über die Abstell­or­te. Auch ich hab letz­te Woche ein beson­ders inter­es­sant gepark­tes Exem­plar ent­deckt. In Lich­ten­berg kann man der­zeit kos­ten­frei an zehn Stand­or­ten Las­ten­rä­der aus­lei­hen. Auch das ist ein Pilot­pro­jekt.

Grun­st betont jedoch zugleich, mit sei­ner Initia­ti­ve nicht das Sys­tem der Leih­rä­der infra­ge stel­len zu wol­len. Doch die Räder wür­den den Fußgänger*innen den Platz weg­neh­men. Gemein­sam mit den ande­ren elf Ber­li­ner Bezir­ken soll der Druck auf die Senats­ver­kehrs­ver­wal­tung erhöht wer­den. Erwar­tet wird unter ande­rem, dass auf öffent­li­chen Plät­zen aus­rei­chend »ver­kehrs­si­che­re und öffent­li­ch nutz­ba­re Fahr­ra­dab­stell­mög­lich­kei­ten« geschaf­fen wer­den.

Autor: Robert Klages
Verweis: leute.tagesspiegel.de/lichtenberg/talk-of-the-kiez/2018/07/02/49144/?utm_source=TS-Leute&utm_medium=link&utm_campaign=leute_newsletter

Quelle: Der Tagesspiegel | 02.07.2018

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