Pressespiegel

Wels aus Lichtenberg

Biotech: Die In-vitro-tec GmbH züchtet in Herzberge Fische. Die Abwässer dienen als Dünger für den Anbau von Pflanzen.

Mit der soge­nann­ten Aqua­Ter­ra­Po­nik­Tech­no­lo­gie wer­den Obst und Gemü­se auf rela­tiv klei­nem Raum ange­baut – in Ver­bin­dung mit der Zucht von Spei­se­fi­schen. Die nähr­stoff­rei­chen Abwäs­ser der Fisch­zucht die­nen den Pflan­zen als natür­li­cher Dün­ger. Die Pflan­zen wie­der­um rei­ni­gen das Was­ser.

Jetzt war­te man auf die Umbau­ge­neh­mi­gung vom Bezirks­amt für eine zwei­te Hal­le. »Dann wer­den auf zwei­ein­halb­tau­send Qua­drat­me­tern jähr­li­ch 50 Ton­nen Fisch und 35 Ton­nen Gemü­se pro­du­ziert«, erklärt der Geschäfts­füh­rer. Eine Men­ge, die für die Ver­sor­gung von 30.000 Men­schen aus­rei­che. Der Bezirk unter­stüt­ze das Vor­ha­ben. Aber In-vitro-tec befin­det sich am Ran­de des Land­schafts­schutz­ge­bie­tes Herz­ber­ge. Vor­schrif­ten und Bestands­schutz müs­sen ein­ge­hal­ten wer­den. Es dür­fe weder einen Hof­la­den, noch schäd­li­che Aus­wir­kun­gen auf den Land­schafts­park geben. Die Ware wer­de direkt an Hotels und Gast­stät­ten oder an den Groß­han­del gelie­fert. Der Bau­an­trag lie­ge schon seit Mai beim Amt. »Wir ste­hen in den Start­lö­chern«, denn bis zum Beginn der Inter­na­tio­na­len Gar­ten­aus­stel­lung IGA 2017, die im April in Mar­zahn-Hel­lers­dorf eröff­net wird, soll schon alles fer­tig sein. Schließ­li­ch ist In-vitro-tec mit sei­nen Part­nern dort auch mit einem Stand ver­tre­ten. Man hofft, dass Neu­gie­ri­ge das Unter­neh­men besu­chen, denn der Land­schafts­park ist Außen­stand­ort der IGA.

Für das neue Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren wer­den ent­spre­chen­de Fach­leu­te gebraucht. »Wir bil­den sel­ber aus«, infor­miert Frank Lewitz. Viel­leicht gebe es bald den neu­en Beruf eines Stadt­Far­mers. Für ihr zukunfts­wei­sen­des Pro­jekt sind die In-vitro-tec GmbH und die TopF­ar­mers GmbH aus Karls­hor­st für den »eco­de­si­gn 2016« nomi­niert, ein Preis des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reak­tor­si­cher­heit sowie des Umwelt Bun­des­am­tes, der am 28. Novem­ber ver­lie­hen wird. Frank Lewitz und Mar­kus Haas­tert von der Blue Eco­no­my Solu­ti­ons GmbH, eben­falls aus Karls­hor­st, haben noch mehr erstaun­li­che wie krea­ti­ve Pro­jek­te vor­zu­wei­sen: Zusam­men mit dem Bau­phy­si­ker Prof. Dr. Hans-Vol­ker Huth von der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft ent­wi­ckel­ten sie eine umwelt­freund­li­che, kli­ma­neu­tra­le Dämm­plat­te aus dem nach­wach­sen­den Roh­stoff Mis­can­thus, einer Art Schilf, das sie auf dem Gelän­de anbau­en. Das Pro­dukt, getrock­net, geschnit­ten, mit bio­lo­gi­sch abbau­ba­rem Brand­hem­mer und Kleb­stoff zusam­men­ge­pres­st, hängt in ver­schie­de­nen Far­ben am Ein­gang des Unter­neh­mens. »Ein Patent für das Nischen­pro­dukt haben wir schon«, erklärt Frank Lewitz. »Nun sind wir im Bau­stoff-Zulas­sungs­ver­fah­ren, das kann bis zu zwei Jah­re dau­ern.« Die Howo­ge Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft mbH ver­wen­det die neu­en Dämm­plat­ten bereits in einem Pilot­pro­jekt und tes­tet dabei deren Eigen­schaf­ten.

»Neben­bei« wer­den bei In-vitro-tec aber auch Bana­nen ange­baut und zu übli­chen Bio-Pro­dukt-Prei­sen ver­trie­ben. Das Abfall­pro­dukt einer Ber­li­ner Kaf­fee­rös­te­rei und die Kaf­fee­res­te des in der Nähe befind­li­chen Evan­ge­li­schen Kran­ken­hau­ses Köni­gin Eli­sa­be­th Herz­ber­ge wer­den erhitzt und dann als Nähr­bo­den auf­be­rei­tet, um fri­sche Aus­tern­pil­ze zu pro­du­zie­ren. Die Pil­ze und das Pilz­my­zel zum Sel­ber­züch­ten wer­den dann ver­kauft. In-vitro-tec pro­du­ziert aber auch pfle­ge­ar­me und robus­te Pflan­zen für Dach­be­grü­nun­gen und zur Was­ser­rei­ni­gung durch Pflan­zen, bei­spiels­wei­se für natür­li­che Was­ser­fil­ter in Klär­an­la­gen. Neben dem streng nach betriebs­wirt­schaft­li­chen Kri­te­ri­en arbei­ten­den Unter­neh­mens­teil gibt es noch einen wei­te­ren. In-vitro-tec arbei­tet im Rah­men von MAE-Maß­nah­men (Arbeits­ge­le­gen­heit mit Mehr­auf­wands­ent­schä­di­gung) mit dem Job­cen­ter Lich­ten­berg zusam­men, um 35 jun­gen arbeits­lo­sen Men­schen die Chan­ce zu geben, wie­der in den Arbeits­markt zurück zu fin­den. Sie arbei­ten in einem Schau­gar­ten, in dem Schnitt­blu­men gesät, gepflegt und geern­tet wer­den. »Eini­ge Jugend­li­che haben wir schon in unser Team mit Fest­an­stel­lung über­nom­men«, sagt Frank Lewitz.

Lich­ten­bergs Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter, Dr. Mar­tin Pät­zold (CDU), der regel­mä­ßig auf Wahl­kreis­tour durch sei­nen Bezirk ist, war kürz­li­ch auch bei In-vitro-tec zu Besu­ch und zeig­te sich von den Pro­jek­ten schwer beein­druckt: »Die Sache mit dem Fisch und dem Gemü­se muss ich unbe­dingt mei­ner Part­ne­rin erzäh­len, die immer sehr auf gesun­de Ernäh­rung und nach­hal­tig pro­du­zier­te Kost ach­tet«, sagt er.

Autor: Volkmar Eltzel
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/11/BZJ_11_2016_Lichtenberg.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal, Sei­te 6 | 10.11.2016

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