Pressespiegel

Vorsicht Altglas!

Modellversuch brachte nicht für alle die erhofften Ergebnisse

Sie setz­te damit ein Vor­ha­ben um, das auf der Abstim­mung zwi­schen dem Dua­len Sys­tem Deutsch­land (DSD) und der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt beruh­te. Letz­te­re ist die Auf­sichts­be­hör­de für die Abfall­wirt­schaft Ber­lins (sie­he dazu: DSD Dua­les Sys­tem Hol­ding GmbH & Co. KG).

Hat sich der Pilot ver­flo­gen?

Der ursprüng­lich nur für ein Jahr ange­kün­dig­te Pilot­ver­such hält jedoch bis dato an. Betrof­fe­ne Bewoh­ner sind seit­dem auf­ge­for­dert, die Sam­mel-Iglus für Weiß-, Braun- und Grüng­las zu nut­zen, die in maxi­mal 300 Metern Ent­fer­nung von der Woh­nung ste­hen sol­len. Vie­le hal­ten sich dar­an – ande­re sche­ren sich nicht um Nach­hal­tig­keit und wer­fen das Glas in den Haus­müll. Das pri­mär for­mu­lier­te Ziel, mit den Maß­nah­men die Rein­heit und Qua­li­tät des gesam­mel­ten Alt­gla­ses zu erhö­hen, wur­de damit begrün­det, dass vor­her nicht immer sau­ber getrennt wur­de. Vor den Haus­tü­ren gab es nur Weiß- und Grüng­las-Sam­mel­ton­nen (kei­ne für Braun­glas), in denen lei­der nicht nur Fla­schen und Glä­ser, son­dern auch Flach­glas und ande­re Sachen lan­de­ten, die dort nicht hin­ein­ge­hör­ten. Von den 6.300 vor den Wohn­häu­sern ver­blie­be­nen Sam­mel­ton­nen wur­den des­halb 5.500 mit einer Ein­wurf­öff­nung ver­se­hen. Spä­ter stell­te sich in einer Exper­ten­an­hö­rung jedoch her­aus, dass der größ­te Teil der min­de­ren Alt­glas-Qua­li­tät durch den Trans­port und mehr­fa­ches Umla­den ver­ur­sacht wor­den war. Das Sam­mel­gut wur­de mit Press­müll­fahr­zeu­gen abge­holt, wobei ein hoher Anteil an Glas­bruch ent­stand, der dann kaum noch sor­tier­bar war.

Modell­ver­such-Lan­dung Ende 2016

»Die Ver­trä­ge mit den Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men wer­den immer für drei Jah­re abge­schlos­sen«, sagt der aus Lich­ten­berg stam­men­de umwelt­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Frak­ti­on im Abge­ord­ne­ten­haus, Dan­ny Frey­mark. Dann wird die Leis­tungs­er­brin­gung neu aus­ge­schrie­ben. »Der aktu­el­le Ver­trag über die Alt­glas-Ent­sor­gung und Zufüh­rung zur Wie­der­ver­wer­tung endet 2016 und mit ihm auch der Modell­ver­such.« Frey­mark, der im Juni 2014 einen run­den Tisch mit dem Dua­len Sys­tem, Ver­tre­tern aus Koali­ti­on und Oppo­si­ti­on des Abge­ord­ne­ten­hau­ses sowie Mit­glie­dern des Senats initi­iert hat­te, hofft, dass sich der Senat an den Beschluss des Abge­ord­ne­ten­hau­ses hält und gegen­über dem Dua­len Sys­tem Deutsch­land (DSD) dar­auf drängt, dass man ber­lin­weit zum bewähr­ten haus­na­hen Sam­mel­sys­tem zurück­kehrt.

Schrump­fung um rund 20 Pro­zent

»Denn das ist nicht hun­dert­pro­zen­tig sicher«, so der CDU-Abge­ord­ne­te. »Das Dua­le Sys­tem Deutsch­land tut momen­tan alles, um es zu ver­hin­dern.« Unter­neh­mens­ver­tre­ter hät­ten gro­ßes Unver­ständ­nis für eine Umkehr geäu­ßert und dräng­ten viel­mehr dar­auf, in der gan­zen Stadt das kos­ten­güns­ti­ge­re Brin­ge-Sys­tem ein­zu­füh­ren.

Zwar habe das den Modell­ver­such beglei­ten­de Gut­ach­ten für 2014 erge­ben, dass die Sor­ten­rein­heit des Gla­ses gestie­gen sei. »Aber es ist völ­lig inak­zep­ta­bel«, so Frey­mark, »dass die erfass­te Alt­glas­men­ge in den drei Bezir­ken 2014 um rund 20 Pro­zent zurück­ge­gan­gen ist.« Und das bei einem Abzug von nur etwa der Hälf­te der woh­nungs­na­hen Sam­mel­ton­nen.

Abhol-Sys­tem ist öko­lo­gi­scher und nach­hal­ti­ger

Einen Zuschuss sei­tens des Lan­des an das DSD für den erhöh­ten Auf­wand eines Hol-Sys­tems, wie er von der Spre­che­rin der Links­frak­ti­on für Umwelt, Mari­on Plat­ta, ins Spiel gebracht wur­de, lehnt der CDU-Poli­ti­ker strikt ab. »Die Ver­brau­cher haben an den Kas­sen der Super­märk­te dafür bereits bezahlt«, sag­te er. Das Hol-Sys­tem sei öko­lo­gi­scher und daher auch für eine nach­hal­ti­ge Stadt­ent­wick­lung Ber­lins bes­ser. Plat­ta ist sich im Ziel einer Rück­kehr zu dem Zustand vor dem Modell­ver­such mit Frey­mark einig. »Dort, wo es die Haus­ei­gen­tü­mer auch wol­len«, schränkt sie jedoch ein. Denn eini­ge hät­ten sich auch dahin­ge­hend geäu­ßert, dass sie mit der Iglu-Sam­mel­wei­se leben könn­ten. Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger müss­ten ihren Wil­len noch­mals zum Aus­druck brin­gen, so die umwelt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Lin­ken. Ihre Frak­ti­on sei für eine fach­ge­rech­te Alt­glas­samm­lung und Wie­der­ver­wer­tung sowie für kur­ze Wege. Die Ver­trä­ge für die Jah­re 2017 bis 2019 müss­ten in die­sem Jahr beschlos­sen wer­den. Sie hof­fe auf ent­spre­chen­de Ver­hand­lun­gen noch vor dem Som­mer.

Ein­fluss von Poli­tik und Ver­wal­tung

Auf eine schrift­li­che Anfra­ge der Abge­ord­ne­ten Sil­ke Gebel (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) vom Dezem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res, wel­che Schrit­te der Senat pla­ne, um den Beschluss des Par­la­ments umzu­set­zen, dass die Ton­nen in den drei Ost­be­zir­ken wie­der auf­ge­stellt wer­den, ant­wor­te­te der Staats­se­kre­tär für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt, Chris­ti­an Gaeb­ler (SPD):

»Die Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt hat gegen­über dem der­zeit zustän­di­gen Sys­tem­be­trei­ber, Der Grü­ne Punkt – Dua­les Sys­tem Deutsch­land GmbH, in den letz­ten bei­den Jah­ren wie­der­holt auf die sofor­ti­ge Rück­stel­lung der abge­zo­ge­nen Behäl­ter gedrängt. Die Ein­fluss­mög­lich­kei­ten von Poli­tik und Ver­wal­tung auf die durch Bun­des­recht pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­te Alt­glas­samm­lung sind jedoch unver­än­dert eng begrenzt. Ins­be­son­de­re gibt es für die Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt nach wie vor kei­ne Rechts­grund­la­ge, die Sys­tem­be­trei­ber ver­bind­lich anzu­wei­sen, die Alt­glas­samm­lung in einer bestimm­ten Wei­se zu orga­ni­sie­ren…« Vor­aus­sicht­lich wür­den die Abstim­mungs­ver­hand­lun­gen der Senats­ver­wal­tung mit der aus­schrei­bungs­füh­ren­den RKD Recy­cling Kon­tor Dual GmbH & Co. KG Ende des ers­ten Quar­tals 2016 auf­ge­nom­men wer­den. Ihnen wür­de der Beschluss des Abge­ord­ne­ten­hau­ses zugrun­de gelegt wer­den.

Unse­re Mei­nung:

Seit Men­schen­ge­den­ken expe­ri­men­tiert der Homo sapi­ens (latei­nisch »der wei­se Mensch«), um so einen höhe­ren Erkennt­nis­grad zu sei­nem Nut­zen zu erlan­gen. Das Grund­prin­zip ist eigent­lich sim­pel: 1. The­se, 2. expe­ri­men­tel­le Über­prü­fung in der Pra­xis, 3. Ergeb­nis­ver­gleich zur The­se. Und gege­be­nen­falls 4. Kor­rek­tur etc. Das läuft in der Regel auch heu­te noch so ab. Die vor­aus­schau­en­de The­se und die kogni­ti­ve Fähig­keit, das Ver­hal­ten ziel­ge­rich­tet zu kor­ri­gie­ren, heben uns dabei aus dem Tier­reich her­aus und ermög­li­chen Fort­schritt. Na ja, also meis­tens. Manch­mal ste­hen mensch­li­che Eitel­kei­ten dem Ein­ge­ständ­nis im Weg, dass dem Expe­ri­ment ein Irr­tum zugrun­de lag.

Viel­leicht ging und geht es ja bei dem gan­zen Modell­ver­such des DSD auch gar nicht um das Glas, son­dern »nur« um die Koh­le. Und um einen Test, was sich die Lich­ten­ber­ger, Mar­zahn-Hel­lers­dor­fer und Trep­tow-Köpe­ni­cker als Pilot­sub­jek­te, stell­ver­tre­tend für alle Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­ner, gefal­len las­sen.

Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/vorsicht-altglas/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 18.01.2016

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