Pressespiegel

Vignette, oder bessere Vorschläge?

Es schon erstaun­li­ch, dass man in einem Wohn­ge­biet am Tage kaum einen Park­platz fin­det, wo doch die meis­ten Leu­te unter­wegs oder auf Arbeit sind… Tags­über ste­hen Pend­ler rum, nachts vie­le aus Fr’hain bzw. ´Gäs­te´… Zum Teil kur­ve ich abends ´ne hal­be Stun­de durchs Wohn­ge­biet und muss dann bis zu 1 km ent­fernt par­ken«, schreibt dann auch Nico Stran­ga­lies, ein Anwoh­ner aus dem Wohn­ge­biet Frank­fur­ter Allee Süd, auf der Web­site von Hen­drik­je Klein, der Frak­ti­ons­che­fin der Lin­ken im Bezirk. Eines der aktu­el­len The­men ihres Blogs zur Bür­ger­be­tei­li­gung ist die Fra­ge einer künf­ti­gen Park­raum­be­wirt­schaf­tung in den betrof­fe­nen Kie­zen Frank­fur­ter Allee Nord (FAN), ins­be­son­de­re auch Frank­fur­ter Allee Süd (FAS) sowie in der Vic­to­ria­stadt. In den benach­bar­ten Fried­richs­hai­ner Quar­tie­ren wur­den vor einem Jahr zum 1. Juni 2014 die Park­zo­nen 49 und 50 süd­li­ch der Frank­fur­ter Allee ein­ge­führt, um vor Ort den »hohen Park­druck zu mini­mie­ren«, der ins­be­son­de­re in der grö­ße­ren Park­zo­ne 50 zwi­schen War­schau­er und Neue Bahn­hof­stra­ße – dem viel fre­quen­tier­ten Sze­ne­kiez – in den letz­ten Jah­ren für die Anwoh­ner ent­stan­den ist. Der Besu­cher­ver­kehr aus Fried­richs­hain weicht nun gen Osten aus; die moto­ri­sier­ten Gäs­te suchen sich ihren Stell­platz auch häu­fi­ger in den Lich­ten­ber­ger Nach­bar­kie­zen, wo sich die Situa­ti­on seit August 2014 zuge­spitzt hat. Zur die­ser Zeit ent­brann­te im Stadt­teil die Dis­kus­si­on um eine mög­li­che Park­raum­be­wirt­schaf­tung.

CDU lehnt »Abzo­ck­idee« ab

Um dem »mas­si­ven Ver­drän­gungs­ef­fekt« und der dar­aus resul­tie­ren­den Park­platz­not in Lich­ten­berg zu begeg­nen, woll­te das Bezirks­amt in Per­son des zustän­di­gen Stadt­rats, Dr. Andre­as Prü­fer (Die Lin­ke), bereits Ende April von den Bezirks­ver­ord­ne­ten (BVV) grü­nes Licht, um die Ein­füh­rung einer Park­raum­be­wirt­schaf­tung »in den Kie­zen nörd­li­ch und süd­li­ch der Frank­fur­ter Allee sowie in der Vik­to­ria­stadt, zwi­schen Gürtelstraße/Möllendorffstraße im Wes­ten, Gudrunstraße/Buchbergerstraße, Nöld­ner­platz im Osten, Markt­stra­ße im Süd­en und Got­lin­de­stra­ße im Nor­den« zu prü­fen. Dazu soll­te ein ca. 80.000 Euro teu­res Gut­ach­ten ange­fer­tigt und – im Vor­feld einer Bür­ger­be­tei­li­gung – soge­nann­te Wirt­schaft­lich­keits­be­trach­tun­gen in Auf­trag gege­ben wer­den, um zu klä­ren, ob die Ein­rich­tung von Park­zo­nen über­haupt sinn­voll und wel­che Vari­an­ten dafür denk­bar sind. Die Frak­tio­nen der SPD, CDU und der Grü­nen wie­sen den Vor­schlag des Bezirks­am­tes aller­dings mehr­heit­li­ch zurück und folg­ten der Emp­feh­lung des Haupt­aus­schus­ses, die ´Park­mög­lich­kei­ten zu ver­bes­sern´. »Dabei soll zunächst mit ansäs­si­gen Ver­mie­tern, Behör­den und Unter­neh­men sowie sons­ti­gen Insti­tu­tio­nen über die Schaf­fung zusätz­li­cher Park­mög­lich­kei­ten gespro­chen wer­den«, erklär­te Gre­gor Hoff­mann, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der CDU Lich­ten­berg, die die »Abzo­ck­idee Park­raum­be­wirt­schaf­tung« ablehnt. »Bei neu­en Woh­nungs­bau­pro­jek­ten ist das Bezirks­amt auf­ge­for­dert, auf die Inves­to­ren dahin­ge­hend ein­zu­wir­ken, dass die­se durch die Schaf­fung von Stell­plät­zen den Park­druck in den jewei­li­gen Regio­nen nicht wei­ter erhö­hen.« Hoff­mann sieht die Not­wen­dig­keit wei­te­rer Anstren­gun­gen für mehr Park­raum: »Ob Ide­en für Car­sha­ring, eMo­bi­li­ty oder Aus­wei­tung von ÖPNV, all dies kann mög­li­cher­wei­se zur Ver­bes­se­rung bei­tra­gen.«

Ver­sach­li­chung der Debat­te gefor­dert

Hen­drik­je Klein, die auch Mit­glied des bezirk­li­chen Haupt­aus­schus­ses ist, kri­ti­siert die »aus­schließ­li­ch emo­tio­nal« geführ­te Debat­te: »Die Frak­tio­nen der SPD, CDU und Grü­nen wol­len erst­mal kein Gut­ach­ten. Sie wol­len Gesprä­che füh­ren. Wor­über? Über die Situa­ti­on. In dem Beschluss der BVV kom­men nun die Wör­ter Bür­ger­be­tei­li­gung, Gut­ach­ten und Park­raum­be­wirt­schaf­tung gar nicht mehr vor. ´Bür­ger­be­tei­li­gung´ wird hier zur Wort­hül­se degra­diert. Eine zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für Bür­ger­be­tei­li­gung sind aus­ge­wo­ge­ne und objek­ti­ve Infor­ma­tio­nen, um die Öffent­lich­keit zu unter­stüt­zen im Ver­ständ­nis der Pro­ble­me, Alter­na­ti­ven, Mög­lich­kei­ten und Lösun­gen. Gen­au das soll das Gut­ach­ten brin­gen, das die drei Frak­tio­nen vor­er­st ableh­nen.« Klein for­dert eine Ver­sach­li­chung der Dis­kus­si­on. Das anvi­sier­te Gut­ach­ten kön­ne auch eine Unter­su­chung nach mehr Park­platz­mög­lich­kei­ten außer­halb einer Park­raum­be­wirt­schaf­tung beinhal­ten.

Online-Befra­gung des Bezirks­am­tes läuft

Das Bezirks­amt hat inzwi­schen eine Online-Abstim­mung gestar­tet, in der die Bürger/innen noch bis zum 30. Juni nach ihrer Mei­nung zur Ein­füh­rung einer Park­raum­be­wirt­schaf­tung befragt wer­den. Die kri­ti­schen Stim­men über­wie­gen bis­lang die zustim­men­den Äuße­run­gen. Dane­ben wur­den drei Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen zu dem umstrit­te­nen The­ma in den betrof­fe­nen Kie­zen durch­ge­führt. Sobald das Bezirks­amt die BVV über die Ergeb­nis­se sei­ner Gesprä­che zum The­ma Park­raum­be­wirt­schaf­tung infor­miert hat, will die­se über die Prü­fung und Ein­lei­tung geeig­ne­ter Maß­nah­men ent­schei­den.

Autor: Andrea Scheuring
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/vignette-oder-bessere-vorschlaege/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 04.06.2015

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