Pressespiegel

Vierbeinige Landschaftspfleger

Beweidungsprojekt auf dem Biesenhorster Sand gestartet

Mehr als 380 Blü­ten­pflan­zen, davon 21 aus der Roten Lis­te Ber­lins, 33 Vogel­ar­ten, also rund ein Vier­tel aller in Ber­lin brü­ten­den Arten, und mehr als 380 Schmet­ter­lin­ge und 22 Heu­schre­cken­ar­ten bewoh­nen die Tro­cken- und Halb­tro­cken­ra­sen. Neun­tö­ter, Hei­de­lerche, Damen­brett (Schmet­ter­ling), Blauflü­ge­li­ge Sand­schre­cke, Zaunei­dech­se, Gemei­ner Wund­klee und Sand­stroh­blu­me – die Arten­lis­te liest sich wie das Who-is-Who des Arten­schut­zes. Auf einem etwa 23 Hekt­ar gro­ßen Teil des Biesen­horster San­des sind seit gut andert­halb Wochen nun 40 Scha­fe und Zie­gen als vier­bei­ni­ge Land­schafts­pfle­ger im Ein­satz.

Bewei­dung dient dem Schutz des ein­zig­ar­ti­gen Natur­raums?

Das Bezirks­amt und der Natur­schutz­bund (NABU) Ber­lin ergän­zen damit die bis­her geleis­te­te Arbeit auf der Flä­che um eine Schaf- und Rin­der­be­wei­dung, um die ver­schie­dens­ten Lebens­räu­me wie Halb­tro­cken- und Tro­cken­ra­sen sowie aus­ge­dehn­te, offe­ne Sand­flä­chen zu erhal­ten. Zwar wird das Gebiet regel­mä­ßig unter ehren­amt­li­chem Ein­satz der NABU-Bezirks­grup­pe Lich­ten­berg und wei­te­rer frei­wil­li­ger Hel­fer von Gehöl­zen, Sträu­chern und Neo­phy­ten – wie Bir­ken­auf­wuchs, Spät­blü­hen­de Trau­ben­kir­sche und Robi­nie – befreit. Doch der Pfle­ge­auf­wand rein durch Hand­ar­beit ist sehr hoch. Durch zuneh­men­de Ver­buschung besteht die Gefahr, die wert­vol­len gefähr­de­ten und geschütz­ten Bio­tope zu ver­lie­ren. Um einen Groß­teil der auf­wen­di­gen Pfle­ge zu bewäl­ti­gen, wur­den am 26. Juni robus­te Scha­fe und Zie­gen auf die neu ein­ge­rich­te­ten fünf Kop­peln getrie­ben.

Wege­netz macht Nah­erho­lung und Natur­er­leb­nis mög­li­ch

Das Pro­jekt ist Bestand­teil von Ver­ein­ba­run­gen aus dem Städ­te­bau­li­chen Ver­trag zum Bebau­ungs­plan XVII-50aa »Gar­ten­stadt Karls­hor­st«, in dem eine Rei­he von Aus­gleichs­maß­nah­men für den Biesen­horster Sand fest­ge­legt wur­den, deren Umset­zung im März 2015 mit dem Bau der Kop­peln im Rah­men des Bewei­dungs­pro­jekts begann. Neben den Kop­peln wur­de auch ein umfang­rei­ches Wege­netz ange­legt, um Besucher/innen mit einem bes­se­rer Zugang zum Natur­raum zugleich die Mög­lich­keit zu eröff­nen, Natur und Wei­de­tie­re haut­nah beob­ach­ten und das Gebiet zur Nah­erho­lung nut­zen zu kön­nen. Ein paar Regeln für den unge­trüb­ten Natur­ge­nuss gibt es aller­dings: »Bit­te blei­ben Sie auf den Wegen und hal­ten Sie die Hun­de an der Lei­ne«, appel­liert NABU-Arten­schutz­re­fe­rent Jens Scha­ron an die Bürger/innen. »Wir haben hier die Gele­gen­heit, ein Natur­er­leb­nis direkt vor der Haus­tü­re der Anwoh­ner zu schaf­fen und das gelingt nur, wenn alle Rück­sicht auf­ein­an­der neh­men.« Neben der anspre­chen­den Wege­füh­rung wur­de auch für Sitz­ge­le­gen­hei­ten gesorgt. Auf Papier­kör­be wur­de hin­ge­gen, wie deutsch­land­weit in ande­ren Schutz­ge­bie­ten auch, bewusst ver­zich­tet. »Bit­te neh­men Sie anfal­len­den Müll wie­der mit nach Hau­se«, for­dert Scha­ron.

Öffent­li­che Sit­zung des Umweltau­schus­ses infor­miert

Über die Neue­run­gen sowie wei­te­re Pla­nun­gen für den Biesen­horster Sand wol­len das Bezirks­amt Lich­ten­berg und der NABU Ber­lin am 14. Juli um 19 Uhr im Rah­men einer öffent­li­chen Sit­zung des Umwelt­aus­schus­ses der BVV Lich­ten­berg im Deut­sch-Rus­si­schen Muse­um Karls­hor­st, Zwie­se­ler Stra­ße 4, 10318 Ber­lin, infor­mie­ren. Der NABU setzt sich seit Öff­nung des Gelän­des für eine per­ma­nen­te Unter­schutz­stel­lung als Natur- bzw. Land­schafts­schutz­ge­biet ein. »Vie­le der hier leben­den Tie­re und Pflan­zen gal­ten in Ber­lin lan­ge Zeit als aus­ge­stor­ben und sind daher beson­ders schüt­zens­wert. Auf der einen Sei­te wol­len wir der Natur einen Raum zur Ent­fal­tung geben, auf der ande­ren Sei­te aber die Natur für inter­es­sier­te Stadt­men­schen erleb­bar machen. Alle Bürger/innen sind daher ein­ge­la­den, sich über das span­nen­de Pro­jekt ›Biesen­horster Sand‹ infor­mie­ren zu las­sen«, sagt Wil­fried Nün­thel (CDU), Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung.

Autor: Pia Szecki
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/vierbeinige-landschaftspfleger/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 09.07.2015

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