Pressespiegel

Viele Möbelhäuser, wenig Supermärkte

EINZELHANDEL: Das Zentren- und Einzelhandelskonzept für Lichtenberg steht auf dem Prüfstand. Bedarf gibt es im Bezirk vor allem an Lebensmittelläden.

Nur 0,94 Qua­drat­me­ter Ver­kaufs­flä­che ste­hen pro Ein­woh­ner zur Ver­fü­gung. Zum Ver­gleich: In Char­lot­ten­burg-Wil­mers­dorf liegt die­ser Wert bei 1,5. Im Ber­li­ner Durch­schnitt beträgt er 1,2. Auch das Niveau der Kauf­kraft ist in Lich­ten­berg nicht so hoch wie anders­wo. Es liegt bei 94,0. Der Bun­des­durch­schnitt wird mit 100 ange­setzt, die durch­schnitt­li­che Ber­li­ner Kauf­kraft beträgt 95,1. Zah­len wie die­se sind im Zen­tren- und Ein­zel­han­dels­kon­zept 2016 für Lich­ten­berg zu fin­den. Die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung hat es im Juli beschlos­sen. Es ist eine Aktua­li­sie­rung des Kon­zep­tes von 2011. Im 200 Sei­ten star­ken Papier sind die Stär­ken und Schwä­chen der Ver­sor­gung ana­ly­siert. Auch die gro­ßen Poten­zia­le des Bezirks wer­den beschrie­ben. Sie erge­ben sich vor allem des­halb, weil die Zahl der Lich­ten­ber­ger in den kom­men­den Jah­ren stark zuneh­men wird. Rund 268.500 Men­schen leben im Bezirk (Ende 2014). Pro­gno­sen zufol­ge steigt die Ein­woh­ner­zahl in Lich­ten­berg bis 2030 um 9,6 Pro­zent. Das Kon­zept dient vor allem den Stadt­pla­nern als Ori­en­tie­rung. Das Wesent­li­che »ist die Defi­ni­ti­on, wo sich Ein­zel­han­del wei­ter­ent­wi­ckeln kann, wel­che Stand­or­te gesi­chert wer­den sol­len und wel­che Mög­lich­kei­ten für die Eta­blie­rung von Ein­zel­han­dels­stand­or­ten bestehen«, sagt der Stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung, Wil­fried Nün­thel (CDU).

Wich­ti­ges The­ma sei die Nah­ver­sor­gung im Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del. »Da erle­ben wir zur­zeit eine eher nega­ti­ve Ten­denz. Näm­li­ch dass sich Anbie­ter aus eini­gen Regio­nen des Bezirks zurück­zie­hen.« Das sei etwa in Fried­richs­fel­de Ost der Fall und im Gebiet zwi­schen Lands­ber­ger Allee und Hohen­schön­hau­ser Stra­ße, sagt der Stadt­rat. »Da gibt es kei­nen Nah­ver­sor­ger mehr.« Das sei schlecht für die Bewoh­ner. »Wir haben ver­sucht, mit dem Zen­tren- und Ein­zel­han­dels­kon­zept deut­li­ch zu machen, dass das eigent­li­ch trag­fä­hi­ge Stand­or­te sind«, so der Stadt­rat. Im Gen­sin­ger Vier­tel sind zwei Super­märk­te aus­ge­zo­gen. Betrei­ber haben der­zeit kein Inter­es­se. Laut Ein­zel­han­dels­kon­zept kön­nen rund 270 neue Woh­nun­gen in die­sem Bereich gebaut wer­den. Wenn die Kauf­kraft steigt, könn­te die­ser Stand­ort wie­der attrak­tiv für Inves­ti­tio­nen wer­den. Das Kon­zept beschreibt 20 Nah­ver­sor­gungs­zen­tren im Bezirk. Eini­ge die­ser Zen­tren müss­ten gestärkt wer­den, sagt Stadt­rat Nün­thel. Ein »schwä­cheln­der Stand­ort« sei das Hohen­schön­hau­ser Tor. »Von sei­nem Poten­zi­al her müss­te es eigent­li­ch eine ganz ande­re Zug­kraft ent­wi­ckeln.« Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten feh­len im Umfeld des Land­schafts­parks Herz­ber­ge. Dort soll­te sich ein wei­te­rer Nah­ver­sor­ger eta­blie­ren, emp­fiehlt das Kon­zept. Zwei neue Lebens­mit­tel­märk­te mit bis zu 1.300 Qua­drat­me­tern Ver­kaufs­flä­che sind im Süd­en von Lich­ten­berg mög­li­ch. Das Kauf­kraft­po­ten­zi­al ist vor­han­den.
Ent­wick­lungs­chan­cen gibt es auch am Pre­ro­wer Platz. »Zuwachs an Ein­zel­han­del bis zu 9.000 Qua­drat­me­tern ist dort mög­li­ch«, sagt Stadt­rat Nün­thel. »Aber nicht im Lebens­mit­tel­be­reich.« Sehr gut auf­ge­stellt sei das Allee-Cen­ter in der Lands­ber­ger Allee, heißt es im Ein­zel­han­dels­kon­zept. Die Ver­kehrs­er­schlie­ßung soll­te jedoch ver­bes­sert wer­den. Dem Tier­park-Cen­ter wer­den deut­li­che Defi­zi­te beschei­nigt, eine Revi­ta­li­sie­rung des Ein­kaufs­zen­trums soll­te im Fokus ste­hen. Auch der Aus­bau von Lebens­mit­tel­märk­ten ist The­ma im Bezirk. Aldi und Lidl möch­ten eini­ge Stand­or­te von 800 auf 1.200 Qua­drat­me­ter ver­grö­ßern. »Wo das trag­fä­hig ist und wo das Kon­zept es zulässt und Ent­wick­lungs­po­ten­zia­le sieht, da wer­den wir mit­ge­hen«, sagt Stadt­rat Nün­thel. Zu den Stand­or­ten gebe es Ver­hand­lun­gen, die jedoch noch nicht abge­schlos­sen sei­en. »Das betrifft zum Bei­spiel Aldi in der Sewan­stra­ße, nahe dem Tier­park-Cen­ter und Lidl in der Frei­en­wal­der Stra­ße.« Ver­fas­ser des Zen­tren- und Ein­zel­han­dels­kon­zep­tes ist die »Stadt + Han­del Beck­mann und Föh­rer Stadt­pla­ner PartGmbB«. »Die Lebens­mit­tel­dis­coun­ter und SB-Märk­te wer­den die­ses Kon­zept zur Kennt­nis neh­men«, sagt Gün­ter Päts, stell­ver­tre­ten­der Haupt­ge­schäfts­füh­rer vom Han­dels­ver­band Ber­lin Bran­den­burg. »Wo Bedarf ist und die Chan­ce gege­ben wird, da fin­den sich Inves­to­ren.« Inves­ti­tio­nen sind der­zeit an der Lands­ber­ger Allee im Gan­ge, wo neben Ikea und dem Glo­bus-Bau­markt zwei wei­te­re Möbel­märk­te, Höff­ner und Scon­to, geplant sind. »Unwahr­schein­li­che Zug­kraft« wer­de die­se Ansied­lung haben, meint Gün­ter Päts. »Da haben wir alle Typen des Fach­han­dels kon­zen­triert auf einer Flä­che. Das ist eine gute Sache für Ver­brau­cher und wird eine hohe Besu­cher­fre­quenz brin­gen.«

Autor: Sabine Flatau
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/10/BZJ_10_2016_Lichtenberg.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal, Sei­te 3 | 13.10.2016

Print Friendly, PDF & Email
Zurück zu allen Beiträgen