Pressespiegel

Unterstützung für die Kreativen

Mitt­ler­wei­le sind neue Nut­zer in die Fabri­ken gezo­gen, man­che Gebäu­de sind ver­fal­len, ande­re wur­den abge­ris­sen, Flä­chen neu bebaut. Groß­be­trie­be gibt es inzwi­schen kaum noch, sieht man ein­mal vom Dong Xuan Cen­ter ab, der Lich­ten­ber­ger Asia Town. Doch die­se ist eher eine Ansamm­lung von Im- und Export-Fir­men zuzüg­li­ch Gas­tro­no­mie ver­schie­de­ner Art. Im Gewer­be­ge­biet Herz­berg­stra­ße domi­nie­ren klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men. Zuneh­mend sie­delt sich aber auch die Krea­tiv­wirt­schaft dort an.

Grü­ne stel­len heu­te Antrag in BVV

Mit der »HB55 Räu­me der Kunst« und der »Hau­bro­ck-Kunst­samm­lung« in der ehe­ma­li­gen Fahr­be­reit­schaft des Minis­ter­ra­tes der DDR (Herz­berg­stra­ße 40–43) gibt es bereits Ein­rich­tun­gen, die weit über Lich­ten­berg hin­aus von Bedeu­tung sind. Aller­dings: Recht­li­ch sind die Künst­ler und ande­re Krea­ti­ve am Stand­ort nur gedul­det. Das Gewer­be­ge­biet Herz­berg­stra­ße unter­liegt dem soge­nann­ten Stadt­ent­wick­lungs­plan (Step) Indus­trie und Gewer­be. Dana­ch ist das Are­al pla­nungs­recht­li­ch nach wie vor Unter­neh­men aus dem pro­du­zie­ren­den Bereich vor­be­hal­ten. Die Lich­ten­ber­ger Bünd­nis­grü­nen wol­len, dass künf­tig dort auch nicht-pro­du­zie­ren­de Gewer­be erlaubt wer­den. Für die Sit­zung des Bezirks­par­la­ments am heu­ti­gen Don­ners­tag, 15. Okto­ber, haben sie des­halb einen Antrag ein­ge­bracht, wonach recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen wer­den sol­len, dass auch Künst­ler und Krea­tiv­wirt­schaft rund um die Herz­berg­stra­ße pro­du­zie­ren kön­nen. »Dadurch wird nicht nur der hohe Leer­stand in den dor­ti­gen Gebäu­den ver­rin­gert, son­dern es ent­steht eine span­nen­de Mischung aus Indus­trie, Gewer­be, Krea­tiv­wirt­schaft und Künst­ler_in­nen unter­schied­li­cher Art, die sich durch ihre unter­schied­li­chen Tätig­kei­ten gegen­sei­tig befruch­ten und ergän­zen«, heißt es im Antrag. Durch die star­ken Ver­drän­gungs­ten­den­zen in ande­ren Ber­li­ner Stadt­tei­len zie­he es immer mehr Künst­le­rin­nen und Künst­ler in das Gebiet Herz­berg­stra­ße. Es soll­ten daher »die ver­füg­ba­ren Mög­lich­kei­ten ergrif­fen wer­den, um die­se Sze­ne zu stär­ken und lang­fris­tig am Stand­ort zu erhal­ten«.

Nut­zungs­kon­zept für frü­he­res Kon­sum-Are­al

Bereits in den Stadt­pla­nungs­aus­schuss ver­wie­sen wor­den war im Sep­tem­ber ein ähn­li­cher Antrag der CDU-Frak­ti­on. Dar­in geht es um ein Nut­zungs­kon­zept für die denk­mal­ge­schütz­te Kon­sum­bä­cke­rei in der Josef-Orlopp-Stra­ße, das sowohl den wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Eigen­tü­mer als auch dem Inter­es­se der Erhal­tung des Bau­denk­mals Rech­nung tra­gen soll. Vor­ge­schla­gen wur­de von den Christ­de­mo­kra­ten, das Gebiet, wenigs­tens teil­wei­se, als soge­nann­tes Misch­ge­biet aus­zu­wei­sen. Damit wäre nicht nur eine gewerb­li­che Nut­zung, son­dern gleich­zei­tig Woh­nen mög­li­ch. Unter dem Mot­to »Woh­nen und Arbei­ten an einem Ort« will seit meh­re­ren Jah­ren die Pro­jekt­ge­sell­schaft Josef-Orlopp-Stra­ße GmbH die rund 40.000 Qua­drat­me­ter gro­ße Flä­che zu einem Platz für die Krea­tiv­wirt­schaft ent­wi­ckeln. Selbst der Lan­des­denk­mal­rat emp­fahl im April ver­gan­ge­nen Jah­res, für die Sanie­rung und Ent­wick­lung des Gelän­des eine Wohn­nut­zung mit in die Über­le­gun­gen ein­zu­be­zie­hen.

Getan hat sich aller­dings auf dem denk­mal­ge­schütz­ten Are­al noch nichts, wie LiMa+ berich­te­te. Im Gegen­teil. Nach einer Stu­die zum Gewer­be­ge­biet Herz­berg­stra­ße, die der Bezirk im ver­gan­ge­nen Jahr in Auf­trag gege­ben hat­te, scheint bis­her der Still­stand zemen­tiert. Die­se geht davon aus, dass das Are­al rund um die Herz­berg­stra­ße, zu dem auch die frü­he­ren Kon­sum­ge­bäu­de und –flä­chen zäh­len, wei­ter­hin dem pro­du­zie­ren­den Gewer­be vor­be­hal­ten blei­ben soll. Damit wäre eine kom­bi­nier­te Wohn- und Gewer­be­nut­zung pas­sé – obwohl nur weni­ge Meter ent­fernt bereits seit den 1920er-Jah­ren Wohn­häu­ser ste­hen und auch Ein­fa­mi­li­en­häu­ser auf angren­zen­den Flä­chen errich­tet wur­den.

Am Pla­nungs­ziel wird fest­ge­hal­ten

Die drei Inves­to­ren aus Ber­lin und dem Bun­des­ge­biet für das Kon­sumare­al haben jetzt reagiert – sie wol­len nicht mehr län­ger war­ten und haben die Josef-Orlopp-Stra­ßen GmbH samt Immo­bi­lie ver­äu­ßert. Das bestä­tig­te Pro­jekt­ent­wick­le­rin Ste­fa­nie Bung. Genaue­res woll­te sie aller­dings nicht dazu sagen, nur: »Es hat ein Gesell­schaf­ter­wech­sel statt­ge­fun­den.« Laut Bung sol­le wei­ter­hin am Pla­nungs­ziel Woh­nen und Arbei­ten für Krea­ti­ve fest­ge­hal­ten wer­den. Seit den 1990er-Jah­ren hat­ten sich meh­re­re Inves­to­ren an dem Kon­sum-Are­al ver­sucht, alle waren geschei­tert. Denn eine blo­ße Ansied­lung von Hand­werks und Klein­un­ter­neh­men, wie bis­her von Bezirks­amt und Wirt­schafts­ver­wal­tung vor­ge­se­hen, ist für Inves­to­ren nicht lukra­tiv, zieht man die hohen Sanie­rungs­kos­ten für die denk­mal­ge­schüt­zen, aber brach­fäl­li­gen Gebäu­de in Betracht.

Neue Ent­wick­lun­gen den­ken – und wagen

Für Lai­en ist das bis­lang strik­te Behar­ren der Lich­ten­ber­ger Behör­den auf einem rei­nen Sta­tus für die Herz­berg­stra­ße als Gebiet des pro­du­zie­ren­den Gewer­bes wenig nach­voll­zieh­bar. In der wach­sen­den Stadt Ber­lin liegt die­se näm­li­ch inzwi­schen ziem­li­ch zen­tral. Nach­dem Wohn- und ande­re neue Nut­zun­gen recht nahe an das Are­al her­an­ge­rückt sind, scheint es kaum vor­stell­bar, dass sich dort wei­te­re Indus­trie­be­trie­be in Grö­ßen­ord­nun­gen ansie­deln. Neue Ent­wick­lun­gen zu den­ken – und auch zu wagen, in der Herz­berg­stra­ße selbst als auch am Rand des Gebiets wie auf dem Kon­sum-Are­al – könn­te daher zukunfts­träch­ti­ger sein.

Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/unterstuetzung-fuer-die-kreativen/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 15.10.2015

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