Pressespiegel

Spaziergang mit Politikern

Schließ­li­ch war das kürz­li­ch began­ge­ne 750. Jubi­lä­um Fried­richs­fel­des Anlass für einen gemein­sa­men Spa­zier­gang durch das Vier­tel. Wobei dann aller­dings doch mehr die jün­ge­re Geschich­te und zukünf­ti­ge Ent­wick­lun­gen im Fokus stan­den. Bür­ger konn­ten bei dem rund zwei­stün­di­gen Rund­gang mit etli­chen Zwi­schen­sta­tio­nen fra­gen, die Poli­ti­ker ant­wor­te­ten. Etwa 50 Anwoh­ner, vor allem älte­re Men­schen, waren gekom­men. Auch Ole Kreins, Mit­glied des Abge­ord­ne­ten­hau­ses und SPD-Kreis­vor­sit­zen­der, nahm an der Tour teil.

Lehr­bei­spiel für Hohen­schön­hau­sen

Gleich zu Beginn stand ein sicht­ba­res Pro­blem. Aus einer vor eini­gen Jah­ren nicht mehr gebrauch­ten Kin­der­ta­ges­stät­te und einer Schu­le an der Franz-Mett-Stra­ße sind nun schmu­cke Eigen­tums­woh­nun­gen gewor­den, mit klei­nen Gärt­chen vor den Häu­sern. Inzwi­schen aber wer­den Schu­len und Kitas auch in Fried­richs­fel­de wie­der gebraucht, denn in den Kiez zie­hen immer mehr Fami­li­en. Nun muss der Bezirk dort müh­sam Flä­chen suchen, um neue Ein­rich­tun­gen für Kin­der zu bau­en. Nün­thel sag­te: »Die Groß­sied­lung Fried­richs­fel­de ist ein Lehr­bei­spiel dafür, was uns in den nächs­ten Jah­ren in Hohen­schön­hau­sen erwar­tet.« Die Plat­ten­bau­ten zwi­schen der Stra­ße Am Tier­park, Dol­gen­see und Sewan­stra­ße ent­stan­den in den 1960er und 1970er-Jah­ren, etwa 15 bis 20 Jah­re frü­her als die Groß­sied­lung Neu-Hohen­schön­hau­sen, deren Grund­stein­le­gung sich im ver­gan­ge­nen Jahr zum 30. Mal jähr­te. Ein Pro­zess wie in Fried­richs­fel­de, wo inzwi­schen vie­le Erst­be­woh­ner in die Jah­re gekom­men sind und auch schon wie­der Jün­ge­re nach­zie­hen, steht Hohen­schön­hau­sen noch bevor. Mon­tei­ro erzähl­te: »Auf uns kom­men jetzt auch Trä­ger zu, die gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­de Ein­rich­tun­gen bau­en wol­len.« Das sei zu begrü­ßen, denn dann kön­ne man auf die Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung fle­xi­bel reagie­ren. »Das ist ein Lern­pro­zess, den wir jetzt durch­ma­chen«, sag­te sie.

Han­del und Woh­nen kom­bi­niert

Um ganz ande­re Pro­ble­me geht es gegen­über dem Ein­gang Bären­schau­fens­ter des Tier­parks. Dort mus­s­te eine Grün­flä­che Park­plät­zen wei­chen. Das Gegen­bei­spiel fin­det sich ganz in der Nähe hin­ter dem Tier­park­cen­ter: Dort will die Woh­nungs­ge­nos­sen­schaft Vor­wärts bau­en, auf einem bis­her als Abstell­platz für Autos genutz­tem Are­al, teil­te Nün­thel mit. Die Mei­nun­gen in der Grup­pe zu bei­den Pro­jek­ten waren geteilt. Ein­hel­lig begrüßt wur­de dage­gen das Vor­ha­ben, den Aldi-Markt an der Sewan­stra­ße, der sich weit hin­ten auf dem Grund­stück befin­det (davor lie­gen nie voll besetz­te Park­flä­chen) abzu­rei­ßen und näher an der Stra­ße zu bau­en. Ange­dacht sei eine Kom­bi­na­ti­on Han­del und Woh­nen, infor­mier­te der Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat. »Das ist ein The­ma, das wir jetzt auch mit ande­ren Han­dels­ein­rich­tun­gen bespre­chen, bei­spiels­wei­se mit Rewe am Roedern­platz.«

Noch kein Investor für Dol­gen­see-Cen­ter

Am Dol­gen­see-Cen­ter konn­ten die Poli­ti­ker nicht viel Neu­es ver­mel­den. Noch gibt es für das aus DDR-Jah­ren stam­men­den Cen­ter mit Kauf­hal­le (Kaiser’s), Gast­stät­te, wei­te­ren Han­dels- und Dienst­leis­tungs­ein­rich­tun­gen sowie Jugend­club kei­nen Investor. Die bei­den Eigen­tü­mer, laut Nün­thel »zwei älte­re Her­ren«, hät­ten ursprüng­li­ch einen Han­dels­kom­plex mit viel zu viel Flä­che geplant und jah­re­lang dar­an fest­ge­hal­ten. Das sei nun vom Tisch. Inzwi­schen gebe es zwei Inter­es­sen­ten, die bei­de Ein­zel­han­del und Woh­nen plan­ten, even­tu­ell kom­bi­niert mit einer Kita. Die Anwoh­ner wün­schen sich seit Jah­ren eine Ent­wick­lung am Stand­ort. »Wann ist es denn end­li­ch so weit?«, frag­te denn auch eine Frau. Nün­thel mus­s­te pas­sen – erst wenn die Eigen­tü­mer ver­kau­fen, wird sich etwas tun. »Ich kann sie nicht dazu zwin­gen«, sag­te der Stadt­rat. Ein wenig klang das so, als bedau­e­re er das. »Und was wird mit dem Jugend­club?«, frag­te eine der Kiez-Spa­zier­gän­ge­rin­nen. Die­ser hat nur noch einen Miet­ver­trag bis Sep­tem­ber, für eine Ver­län­ge­rung wird mehr Mie­te gefor­dert. Mon­tei­ro erklär­te: »Wir prü­fen gegen­wär­tig Alter­na­ti­ven. Die Fra­ge ist: Zah­len wir wei­ter eine über­teu­er­te Mie­te oder fin­den wir einen ande­ren geeig­ne­ten Stand­ort im Kiez?«

Ver­hand­lun­gen mit der GSE

Letz­te Sta­ti­on war die soge­nann­te KULT­schu­le an der Sewan­stra­ße 43. Das sozio­kul­tu­rel­le Zen­trum, in dem etli­che Ver­ei­ne ihren Sitz haben, hat nicht nur Pro­ble­me mit der maro­den Bau­sub­stanz. Aus Geld­nö­ten hat­te auch der frü­he­re Ver­wal­ter, der Lich­ten­ber­ger Kul­tur­ver­ein, auf­ge­ge­ben – ihm waren unter ande­rem vom Job­cen­ter geför­der­te Stel­len weg­ge­bro­chen. Das Nach­bar­schafts­zen­trum stand vor dem Aus. Im Rah­men des Bür­ger­haus­hal­tes hat­ten im ver­gan­ge­nen Jahr mehr als 2.000 Men­schen für die Siche­rung der KULT­schu­le votiert. Inzwi­schen hat der Lyra e.V. den Betrieb des Hau­ses über­nom­men. Ver­ein­s­chef Wal­ter Gauks: »Die KULT­schu­le lebt wei­ter.« Es sei­en neue Ange­bo­te instal­liert wor­den, alte wie bei­spiels­wei­se die Kiez­kü­che wür­den wie­der­be­lebt. Bür­ger­meis­te­rin Mon­tei­ro, die selbst zehn Jah­re lang Geschäfts­füh­re­rin des Nach­bar­schafts­hau­ses »Kiez­spin­ne« in der Frank­fur­ter Allee Süd war, hör­te das gern. »Wir wol­len aber eine lang­fris­ti­ge Lösung für das Haus fin­den«, erklär­te sie. Des­halb wer­de jetzt mit der gemein­nüt­zi­gen Gesell­schaft für Stadt­ent­wick­lung (GSE) ver­han­delt. Die GSE, die unter ande­rem in Mar­zahn das Frei­zeit­fo­rum betreibt und bei der Ent­wick­lung des Orwo­hau­ses mit­wirk­te, soll sich um den Betrieb und die Sanie­rung des Gebäu­des küm­mern. »Wann wird das sein?«, kam eine Fra­ge aus der Run­de. »Wir haben die Hoff­nung, das im nächs­ten Dop­pel­haus­halt 2016/17 umset­zen zu kön­nen«, sag­te Mon­tei­ro. Sie füg­te hin­zu, dass durch modu­la­re Schuler­gän­zungs­bau­ten der Aus­bau des Gelän­des denk­bar wäre: »Dann hät­ten wir dort einen Bil­dungs- und Kul­tur­stand­ort.«

Autor: Birgitt Eltzel
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/spaziergang-mit-politikern/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 18.04.2015

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