Pressespiegel

Prächtiger Holzstuck im Foyer

DENKMALSCHUTZ: Überraschende Funde verzögern die Sanierung von Schloss Hohenschönhausen. Allerdings konnte im Haus bereits das Daimon-Museum eröffnet werden.

Und der ursprüng­li­ch ange­dach­te Zeit­plan kommt mäch­tig durch­ein­an­der. Genauso ist die Situa­ti­on im Schloss Hohen­schön­hau­sen. Eigent­li­ch soll­te bereits im ver­gan­ge­nen Jahr die soge­nann­te bau­tech­ni­sche Sanie­rung des Guts­hau­ses aus dem 17. Jahr­hun­dert abge­schlos­sen sein. »Doch durch meh­re­re Ent­de­ckun­gen kommt es zur Ver­zö­ge­rung«, sagt Rüdi­ger Schwarz, Vor­sit­zen­der des För­der­ver­eins Schloss Hohen­schön­hau­sen. So wur­den unter dem Fuß­bo­den im gro­ßen Saal bei­spiels­wei­se his­to­ri­sche Kachel­re­s­te und Figu­ren gefun­den. Um das denk­mal­ge­recht zu sor­tie­ren und aus­zu­wer­ten, mus­s­te der För­der­ver­ein zunächst eine geeig­ne­te Fir­ma fin­den. »Allein das dau­er­te sechs Mona­te«, macht Schwarz deut­li­ch. Außer­dem stell­te sich her­aus, dass eines der Kreuz­grad­ge­wöl­be, wel­ches prak­ti­sch die Decke zwi­schen Erd­ge­schoss und ers­ter Eta­ge bil­det, ein­sturz­ge­fähr­det ist. Exper­ten muss­ten es abtra­gen und neu hoch­mau­ern. Der Ver­ein­s­chef nennt noch einen Ver­zö­ge­rungs-Grund, der wie­der­um mit einer über­ra­schen­den Ent­de­ckung zusam­men­hängt. Unter den Boden­be­lä­gen in einem Teil des Erd­ge­schos­ses tauch­te his­to­ri­sches Kai­ser­par­kett aus der Zeit zwi­schen 1880 und 1890 auf. Auch hier muss­ten zunächst »spe­zi­el­le Sach­ver­stän­di­ge ran«. Die Gru­be für den geplan­ten Auf­zug wur­den indes aus­ge­ho­ben sowie die Boden-Decke auf der Ter­ras­se geschlos­sen. 2017 sol­len der Fahr­stuhl inte­griert, die his­to­ri­sche Fas­sa­de ver­putzt und der Zaun zur Haupt­stra­ße erneu­ert wer­den. »Ziel ist es, im Som­mer nächs­ten Jah­res die bau­tech­ni­sche Sanie­rung abzu­schlie- ßen«, betont der Ver­eins­vor­sit­zen­de. Das Gebäu­de sei dann »voll funk­ti­ons­fä­hig«. Dana­ch könn­te die umfang­rei­che Restau­ra­ti­on begin­nen. Wie berich­tet, hat ein Restau­ra­tor bereits in vie­len Stun­den ehren­amt­li­cher Arbeit an den Wän­den im Foy­er his­to­ri­sche Wand­ma­le­rei­en aus dem 19. Jahr­hun­dert frei­ge­legt: Unter teil­wei­se zehn Ölschich­ten ent­deck­te er die »Dame mit Hund« und »einen Offi­zier«. Zu wel­cher Geschich­te sich letzt­end­li­ch alle Sze­nen fügen, kann nur eine kom­plet­te Frei­le­gung zei­gen. Auch die Decken die­ses Rau­mes sind mit auf­wen­dig deko­ra­tiv ver­ar­bei­te­ten Holz-Stuck-Bor­dü­ren ver­ziert. Fest steht zumin­dest: Das Foy­er wird wohl der präch­tigs­te Schloss-Raum. Ursprüng­li­ch soll­te dort eine Gar­de­r­obe ein­ge­rich­tet wer­den. Damals ahn­te aller­dings nie­mand, was sich hin­ter den Farb­schich­ten ver­birgt. Bevor aber mit der umfas­sen­den Rekon­struk­ti­on im Innern des Guts­hau­ses ange­fan­gen wird, ist ein soge­nann­tes denk­mal­pfle­ge­ri­sches Gesamt­kon­zept not­wen­dig. Das soll­te, nach Aus­sa­ge von Rüdi­ger Schwarz, längst vor­lie­gen. 50000 Euro stellt der Bezirk Lich­ten­berg für die Anfer­ti­gung bereit. »Für uns sind die­se Unter­la­gen eben­so eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung, um För­der­gel­der für vie­le Teil­be­rei­che zu bean­tra­gen«, erklärt Schwarz. Jetzt scheint Bewe­gung in die Sache zu kom­men. Wie Marc Kamin, Mit­ar­bei­ter von Bau­stadt­rat Wil­fried Nün­thel, auf Anfra­ge mit­teilt, »wer­den in die­sen Tagen aus­ge­wähl­te Büros ange­schrie­ben«. Ziel sei es, dass noch 2016 das denk­mal­pfle­ge­ri­sche Gut­ach­ten vor­liegt. Das beinhal­tet unter ande­rem die Farb­kon­zep­te für die ein­zel­nen Räu­me und zeigt, wie Stuck- und Wand­ma­le­rei­en instand zu set­zen sind. Für den ers­ten Schloss-Sanie­rungs­ab­schnitt stan­den 2003/2004 rund 965000 Euro zur Ver­fü­gung. Der größ­te Teil des Gel­d­es kam von der Stif­tung Deut­sche Klas­sen­lot­te­rie. 2013 gab eben die­se Stif­tung noch ein­mal 1,7 Mil­lio­nen Euro für den zwei­ten gro­ßen Abschnitt frei. Der Ver­ein ist seit 2008 Eigen­tü­mer des Hau­ses und öff­net es als »Bür­ger­schloss« für Kon­zer­te, Lesun­gen und Aus­stel­lun­gen. Neu­es­tes Pro­jekt ist die Eröff­nung des Dai­mon-Muse­ums. Mit die­ser deutsch­land­weit ein­ma­li­gen Schau wird an Paul Schmidt, den letz­ten pri­va­ten Eigen­tü­mer des Guts­hau­ses, erin­nert. Der genia­le Unter­neh­mer erfand die Tro­cken­bat­te­rie und die Taschen­lam­pe.

Autor: Steffi Bey
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/08/Bezirks-Journal_Lichtenberg_August_2016.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal | 11.08.2016

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