Pressespiegel

Pilotprojekt im Kiez

Gut­ach­ten als Grund­la­ge für Vor­schlä­ge?

Schind­ler lei­tet ein öko­lo­gi­sches Pilot­pro­jekt im Stadt­um­bau­ge­biet Frank­fur­ter Allee Nord auf Grund­la­ge des bezirk­li­chen Kli­ma­schutz­kon­zep­tes, das bis 2020 in Lich­ten­berg eine erheb­li­che Ver­rin­ge­rung der CO2 Emis­sio­nen vor­sieht. Für das Vor­ha­ben wur­den zwei Gebäu­de­kom­ple­xe mit rund 40 Gebäu­den, ver­schie­de­nen Eigen­tü­mern und etwa 900 Mie­tern zwi­schen Sieg­fried­stra­ße, Hagen-, Gun­ther-, Fan­nin­ger- und Gud­run­stra­ße sowie der Frank­fur­ter Allee aus­ge­wählt. Typi­sche Alt­bau­quar­tie­re, die noch einen gerin­gen ener­ge­ti­schen Sanie­rungs­stand auf­wei­sen. Bis Mit­te 2015 soll hier modell­haft gezeigt wer­den, wel­che sozi­al ver­träg­li­chen Mög­lich­kei­ten der Ener­gie­ein­spa­rung und Emis­si­ons­min­de­rung es gibt. Für etwa die Hälf­te des Woh­nungs­be­stan­des sind schon ener­ge­ti­sche Gut­ach­ten in Arbeit. Sie sol­len die Grund­la­ge für Vor­schlä­ge bil­den, die Eigen­tü­mern und Mie­tern zur Ener­gie- und CO2-Ein­spa­rung gemacht wer­den.

Kom­pe­ten­te Part­ner?

Die Gasag unter­stützt das ber­lin­weit ein­ma­li­ge Pro­jekt fach­li­ch und finan­zi­ell. Ein­ge­bun­den sind der Ber­li­ner Mie­ter­ver­ein eben­so wie die Stadt­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft Statt­bau, die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ber­lin sowie die Inves­ti­ti­ons­bank Ber­lin. Hubert Geppert, Eigen­tü­mer eines Miets­hau­ses an der Sieg­fried­stra­ße, will zunächst nur die Brand­mau­er sei­nes Hau­ses däm­men. Zwar ist er schon mit­ten in der Sanie­rung, will aber trotz­dem bei dem Modell­pro­jekt teil­neh­men. Der ver­ei­dig­te Sach­ver­stän­di­ge für die Bewer­tung von bebau­ten und unbe­bau­ten Grund­stü­cken moder­ni­siert kom­plett: Fas­sa­de, Auf­bau eines Dach­ge­schos­ses, Hei­zung, Elek­trik, Sani­tär­be­rei­che – alles neu. »Die Woh­nun­gen waren mit Ofen­hei­zung und Podest-Toi­let­ten ein­fach nicht mehr ver­miet­bar«, sag­te er. Auch wenn sich die Net­to­kalt­mie­te von drei auf sechs Euro ver­dop­peln wird, rech­net der Inha­ber eines Unter­neh­mens für Immo­bi­li­en­be­wer­tung damit, dass er die Woh­nun­gen ver­mie­tet bekommt. Mit den Haus­nach­barn will er sich zusam­men­tun, um im Kel­ler von einem der Wohn­häu­ser ein Block­heiz­kraft­werk ein­zu­bau­en. »Das rech­net sich nur, wenn damit min­des­tens 50 Woh­nun­gen ver­sorgt wer­den«, meint Geppert. »In mei­nem Haus gibt es aber nur zehn Woh­nungs­ein­hei­ten.

Eige­nes Mini­k­raft­werk?

Ste­fan Grütz­ma­cher, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Gasag, an der Erstel­lung ener­ge­ti­scher Kon­zep­te betei­ligt, erläu­tert die Vor­tei­le des Mini­k­raft­wer­kes. »Durch Kraft-Wär­me-Kopp­lung ist damit neben der Behei­zung auch eine Strom­ver­sor­gung mög­li­ch«, sagt er. Erfah­run­gen in Wohn­häu­sern der Dege­wo in Mari­en­fel­de wür­den bele­gen, dass die klei­nen Kraft­wer­ke den CO2-Aus­stoß enorm sen­ken und der Nut­zungs­grad bei 90 Pro­zent lie­ge.

So unter­schied­li­ch die Eigen­tü­mer, so ver­schie­den ist auch der Sanie­rungs­stand der Gebäu­de und der dar­in befind­li­chen Miet­woh­nun­gen. Allen soll im Rah­men des Pro­jek­tes eine indi­vi­du­el­le ener­ge­ti­sche Bera­tung ermög­licht wer­den. Unver­bind­li­ch vor­ge­schla­ge­ne Maß­nah­men sol­len durch ent­spre­chen­de Effi­zi­enz­wer­te in eine Prio­ri­tä­ten­lis­te der Pri­vat­ei­gen­tü­mer von Miets­häu­sern und deren Mie­tern mün­den.

Kein Null-Sum­men-Spiel?

»Wir wol­len die Bera­tungs­an­ge­bo­te ver­ste­ti­gen, damit eine dau­er­haf­te, wirt­schaft­li­che und sozi­al­ver­träg­li­che Wir­kung erzielt wird«, sag­te Wil­fried Nün­thel, (CDU) Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung. Er stellt klar: »Wir hän­gen nicht der Illu­si­on an, dass ein ›Null-Sum­men-Spiel‹ erreicht wer­den kann.« Die Kos­ten von ener­ge­ti­schen Gebäu­de- und Woh­nungs­sa­nie­run­gen kön­ne man nicht »weg­be­ra­ten«. Aber die Fra­ge sei, wie­viel die Mie­ter anschlie­ßend mehr berap­pen müss­ten. Der Stadt­rat rech­net unter ande­rem auch mit Lösun­gen vom Land Ber­lin für ein­kom­mens­schwä­che­re Mie­ter. »Auch sie müs­sen es sich leis­ten kön­nen, in einer moder­ni­sier­ten und ener­ge­ti­sch sanier­ten Woh­nung zu leben«, so Nün­thel. Rei­ner Wild, Geschäfts­füh­rer des Ber­li­ner Mie­ter­ver­eins, appel­lier­te an die Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung, wei­te­re finan­zi­el­le Mit­tel bereit­zu­stel­len, um die Vor­ha­ben im Rah­men des Stadt­um­bau Ost vor­an­zu­trei­ben.

Bera­tun­gen im Rat­haus und im Kiez?

Die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ber­lin berät Mie­ter und Haus­ei­gen­tü­mer im Lich­ten­ber­ger Rat­haus, Möl­len­dorff­stra­ße 6, mitt­wochs von 13 bis 18 Uhr für einen Obo­lus von 5 Euro zu Ener­gie­spar­maß­nah­men. Bezie­her von Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen zah­len nichts. Ter­mi­ne gibt es unter der Ruf­num­mer 25 80 01 50. Im Stadt­teil­zen­trum Lich­ten­berg Nord, Fan­nin­ger­stra­ße 33, 10365 Ber­lin, fin­det die nächs­te monat­li­che Kli­ma- und Umwelt­be­ra­tung am Diens­tag, 3. Febru­ar, von 15 bis 16:30 Uhr statt, bei der man übri­gens auch eine Woh­nungs­be­ge­hung ver­ein­ba­ren kann. Bis Mit­te des Jah­res wol­len die Pro­jekt­be­tei­lig­ten ein lie­gen­schafts­über­grei­fen­des Kon­zept erar­bei­ten, dem ein Pro­jekt­ma­nage­ment für ener­ge­ti­sche Spar­maß­nah­men fol­gen soll.

Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/pilotprojekt-im-kiez/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 30.01.2015

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