Pressespiegel

Perspektiven für die Laubenpieper

Lichtenberger Kleingärten sollen langfristig gesichert werden

Schutz durch Bebau­ungs­plä­ne
Der Weg ins Ver­eins­haus führt über klei­ne, mit Rasen bewach­se­ne Wege: Links und rechts blüht und grünt es. Ver­mut­lich wür­den an der Stel­le der 331 Klein­gär­ten längst Ein­fa­mi­li­en­häu­ser ste­hen, wäre der idyl­li­sche Fle­cken in der Ber­li­ner Innen­stadt zu fin­den. Doch die Klein­gar­ten­an­la­ge Fal­ken­hö­he Nord befin­det sich am nord­öst­li­chen Rand von Lich­ten­berg, genau­er gesagt im Orts­teil War­ten­berg. Plä­ne, die Lau­ben abzu­rei­ßen, gibt es kei­ne. Und das soll auch in Zukunft so blei­ben – in Fal­ken­hö­he Nord eben­so wie in den übri­gen 43 Klein­gar­ten­an­la­gen im Bezirk. »Unser Ziel ist es, die Klein­gar­ten­an­la­gen über Bebau­ungs­plä­ne recht­lich abzu­si­chern«, sagt Lich­ten­bergs Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat.

6.000 Par­zel­len im Bezirk
Der Stadt­rat ist beim Orts­ter­min in Fal­ken­hö­he Nord dem Wet­ter ent­spre­chend locker geklei­det. Gut eine Stun­de nimmt sich Nün­t­hel an die­sem Mon­tag Zeit, um mit dem Vor­stand des Klein­gar­ten­ver­eins am Birk­hol­zer Weg ins Gespräch zu kom­men. Bei Kaf­fee und Kek­sen geht es um ein The­ma, das in ande­ren Bezir­ken weni­ger unauf­ge­regt dis­ku­tiert wird: um die Zukunft der Klein­gär­ten. Und da hat Nün­t­hel ganz kon­kre­te Vor­stel­lun­gen. Bis zum Jahr 2020 will er über das Pla­nungs­recht die Exis­tenz der fast 6.000 Par­zel­len im Bezirk fest­schrei­ben. »Der Bebau­ungs­plan ist das schärfs­te Instru­ment, das wir haben«, sagt er den Män­nern und Frau­en. Und fügt hin­zu: »Nur zu sagen, dass man die Bebau­ung der Klein­gär­ten ver­hin­dern will, ist kein gel­ten­des Recht.«

Mit eige­nen Hän­den auf­ge­baut
Obwohl es zwar der­zeit kei­nen Grund zur Sor­ge gibt, sieht Nün­t­hel Hand­lungs­be­darf – vor allem bei den inner­städ­ti­schen Klein­gar­ten­an­la­gen. Die­se in teu­res Bau­land umzu­wan­deln, wäre für Immo­bi­li­en­ver­käu­fer und Pro­jekt­ent­wick­ler ein lukra­ti­ves Geschäft – und für so man­che an die 100 Jah­re alte Klein­gar­ten­an­la­ge das siche­re Ende. Dass sich nun ein Kom­mu­nal­po­li­ti­ker qua­si für sie stark macht, ist Was­ser auf die Müh­len von Roland Kne­bel, dem Chef des Klein­gar­ten­ver­eins Fal­ken­hö­he Nord. Es wäre ein Jam­mer, wenn irgend­wann die Par­zel­len Ein­fa­mi­li­en­häu­sern wei­chen wür­den. »Das alles haben wir mit eige­nen Hän­den auf­ge­baut«, sagt Kne­bel und erin­nert sich, wie sei­ne Gar­ten­nach­barn und er vor 27 Jah­ren mit Hacke und Spa­ten im Tra­bi raus nach War­ten­berg fuh­ren, um ein frü­he­res LPG-Feld urbar zu machen. Unter ande­rem wur­den Lei­tun­gen instal­liert, Drai­na­gen ange­legt und Wege befes­tigt. Stolz zeigt er auf eine Urkun­de an der Wand im Ver­eins­haus: 2004 wur­de das mehr als 40 Hekt­ar gro­ße Are­al zur schöns­ten Klein­gar­ten­an­la­ge Ber­lins gekürt. Auf Bun­des­ebe­ne hol­ten sich Kne­bel und sei­ne Gar­ten­freun­de bereits eine Bron­ze­me­dail­le.

Gro­ße Nach­fra­ge nach Par­zel­len
Bei einem Spa­zier­gang durch die Fal­ter­zei­le, ent­lang des Eidech­sen­wegs und über die Amsel­gas­se offen­bart sich die gan­ze Schön­heit der Anla­ge: Hin­ter den akku­rat geschnit­te­nen Hecken blü­hen Blu­men, ste­hen klei­ne Obst­bäu­me und wach­sen Toma­ten. Vie­le haben es sich für das Wochen­en­de und die Feri­en hübsch gemacht, eini­ge haben einen Teich oder einen Swim­ming­pool. Da sich ein Teil der Par­zel­len auf öffent­li­chem Land befin­det, ist Fal­ken­hö­he Nord als Grün­an­la­ge auch öffent­lich zugäng­lich. Vor allem an Wochen­en­den durch­que­ren Rad­fah­rer und Spa­zier­gän­ger die Idyl­le, die von den Päch­tern in ihrer Frei­zeit in Schuss gehal­ten wird. »Wir sind eine offe­ne Anla­ge«, sagt Roland Kne­bel. Wäh­rend in ent­le­ge­nen Land­krei­sen Bran­den­burgs Anla­gen man­gels Nut­zern dem Erd­bo­den gleich­ge­macht wer­den, kann man sich in Fal­ken­hö­he Nord nicht über Nach­fra­ge bekla­gen. Der­zeit ste­hen vier Par­zel­len leer, erzählt die Schatz­meis­te­rin des Ver­eins – aktu­ell gibt es dafür 16 Bewer­ber, dar­un­ter auch aus dem West­teil der Stadt. Im Schnitt um die 5.000 bis 10.000 Euro muss man für Lau­be und Anpflan­zun­gen bezah­len. Wer Mit­glied im Klein­gar­ten­ver­ein wird, ver­pflich­tet sich zudem, Obst und Gemü­se anzu­bau­en und an Arbeits­ein­sät­zen teil­zu­neh­men.

»Bei­trag zum gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt«
Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat Wil­fried Nün­t­hel sieht genau hier die Exis­tenz­be­rech­ti­gung für die Klein­gär­ten im Bezirk. »Sie leis­ten in mei­nen Augen einen wich­ti­gen Bei­trag zum gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt«, sagt er. Es loh­ne sich in jedem Fall, sich für die Siche­rung der Klein­gär­ten stark zu machen. Um sich ein mög­lichst run­des Bild zu machen, will Nün­t­hel im Lau­fe des Som­mers alle Klein­gar­ten­an­la­gen Lich­ten­bergs besu­chen: »Damit ich weiß, wofür ich mich ein­set­ze.«

Autor: Marcel Gäding
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/perspektiven-fuer-die-laubenpieper/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 21.06.2016

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