Pressespiegel

Malchow bekommt seine Kirche zurück

DORFGESCHICHTE: Sakralbau soll als Grundriss wieder entstehen – als neuerliche Ruine.

Der his­to­ri­sche Grund­riss des Gebäu­des soll durch eine »Nach­zeich­nung« der alten Mau­ern wie­der sicht­bar wer­den. Das in der zwei­ten Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts errich­te­te Got­tes­haus an der Dorf­stra­ße, umge­ben vom Fried­hof des Dor­fes, war von der Wehr­macht gesprengt wor­den, um den her­an­rü­cken­den Sowjet­trup­pen kei­nen erhöh­ten Ori­en­tie­rungs­punkt zu geben. Wie­der­auf­ge­baut wur­de die Kir­che nicht, ledig­li­ch ein Mau­er­rest wur­de als Mahn­mal gegen den Krieg gestal­tet. Ein gro­ßer Hau­fen Feld­stei­ne, die aus dem zer­stör­ten Gebäu­de stam­men, liegt noch auf dem Fried­hof, ein ande­rer Teil wur­de in den 1980er-Jah­ren für die Restau­rie­rung der Niko­lai­kir­che in Mit­te genutzt. Die Idee für die neue, alte Dorf­kir­che stammt vom Bür­ger­ver­ein »Wir für Mal­chow« und der Evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de, die Pla­nun­gen dafür vom Land­schafts­ar­chi­tek­ten Mar­tin Ern­er­th, der sich seit Jah­ren um den Erhalt der Ber­li­ner Fried­hofs­land­schaft als kul­tu­rel­len Schatz küm­mert.
Nach Ern­erths Plä­nen soll kein Kir­chen-Nach­bau ent­ste­hen, son­dern der his­to­ri­sche Grund­riss von Kapel­le und Glo­cken­turm mit der Errich­tung der alten Mau­ern durch Gabi­o­nen bis auf ein­fa­che Sitz­hö­he (etwa 80 Zen­ti­me­ter) wie­der sicht­bar gemacht wer­den. Bernd Tan­ne­ber­ger, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Ver­eins »Wir für Mal­chow«, erläu­ter­te kürz­li­ch bei einem Kiez­spa­zier­gang der CDU-Kan­di­da­ten zur Ber­lin-Wahl 2016, Stadt­ent­wick­lungs Stadt­rat Wil­fried Nün­thel (bezirk­li­cher Spit­zen­kan­di­dat) und Gre­gor Hoff­mann (Direkt­kan­di­dat Wahl­kreis 2), das Vor­ha­ben: »Aus den alten Feld­stei­nen, die hier auf dem Fried­hof lie­gen, wird das Kir­chen­schiff nach­ge­zeich­net. Der Turm des Got­tes­hau­ses soll durch ein etwa vier Meter hohes Baum­spa­lier sym­bo­li­siert wer­den.« Der ehe­ma­li­ge Altar­raum sol­le als ganz beson­de­re Grün­flä­che gestal­tet wer­den – grö­ße­re Gehöl­ze bil­den einen grü­nen Hin­ter­grund für den davor auf­ge­stell­ten Gar­ten­al­tar und tren­nen ihn gleich­zei­tig von der in der Mau­er­öff­nung Rich­tung Stra­ße auf­ge­stell­ten Chris­tus­fi­gur des Mahn­mals für die Opfer des Zwei­ten Welt­krie­ges. Vor dem Altar wird eine Boden­be­fes­ti­gung aus alten Feld­stei­nen bezie­hungs­wei­se Grab­stei­nen geschaf­fen, die von Boden­de­ckern und Ran­kern umrahmt wird. Tan­ne­ber­ger sagt, man wol­le den Fried­hof damit wie­der mehr in das dörf­li­che Leben zurück­ho­len. Die neue Kir­chen­rui­ne, deren Inne­res mit einer Wege­de­cke aus Pro­me­na­den­grand (was­ser­ge­bun­de­ne Decke) und Rasen ver­se­hen wird, sol­le nicht nur Raum zur stil­len Ein­kehr oder für Got­tes­diens­te bie­ten, son­dern auch für Lesun­gen oder pas­sen­de ande­re kul­tu­rel­le oder musi­ka­li­sche Ver­an­stal­tun­gen. Für die Aus­ar­bei­tung der Pro­jekt­idee gab es im ver­gan­ge­nen Jahr ers­te Mit­tel aus dem Kiez­fonds des Bür­ger­haus­hal­tes Lich­ten­berg. Die ver­an­schlag­ten Kos­ten für die Rea­li­sie­rung betra­gen mehr als 50.000 Euro. »Wir wer­den um Spen­der und Spon­so­ren wer­ben«, sagt der Bür­ger­ver­eins-Vize. Bei vie­len Arbei­ten woll­ten aber die Mit­glie­der des Bür­ger­ver­eins auch selbst anpa­cken.

Autor: Birgitt Eltzel
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/07/Bezirks-Journal_Lichtenberg_Juli_2016.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal, Sei­te 4 | 14.07.2016

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