Pressespiegel

Machtwechsel in Lichtenberg

Die Lin­ke war bei den BVV-Wahlen trotz Ver­lus­ten mit 29,8 Pro­zent als stärks­te Kraft her­vor­ge­gan­gen, die SPD erziel­te 21,7 Pro­zent – gefolgt von der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land, die auf 19,2 Pro­zent kam. Weil die Sozi­al­de­mo­kra­ten star­ke Ver­lus­te hin­neh­men muss­ten (-7,6 Pro­zent), ist eine Wie­der­wahl von Bezirks­bür­ger­meis­te­rin Bir­git Mon­tei­ro (SPD) mit den Stim­men von SPD, CDU und Grü­nen rech­ne­ri­sch nicht mög­li­ch. »Wir wer­den daher kei­nen Kan­di­da­ten ins Ren­nen schi­cken«, sagt SPD-Kreischef Ole Kreins.

Som­mers Wahl nur For­ma­lie?

Evrim Som­mer (Die Lin­ke) ist ihrem Ziel also ganz nah: Vor weni­gen Tagen wur­de sie von ihrer Par­tei mit 74,2 Pro­zent für das Amt der Bezirks­bür­ger­meis­te­rin nomi­niert. Kein Traum­er­geb­nis, aber deut­li­ch mehr Stim­men als bei ihrer Auf­stel­lung vor den Ber­lin-Wahlen im Früh­jahr. Damals konn­te die kur­disch­stäm­mi­ge His­to­ri­ke­rin und Über­set­ze­rin gera­de ein­mal rund 58 Pro­zent der Dele­gier­ten­stim­men auf sich ver­ei­nen. Im Novem­ber – der Ter­min steht noch nicht gen­au fest – ist es nun eher eine For­ma­lie, dass die 45-Jäh­ri­ge von der BVV zur neu­en Bür­ger­meis­te­rin von Lich­ten­berg gewählt wird und damit Bir­git Mon­tei­ro (SPD) ablöst.

Som­mer hat­te sich bereits Ende ver­gan­ge­nen Jah­res als poten­zi­el­le Rat­haus-Che­fin ins Spiel gebracht – über den Tages­spie­gel. Das fan­den nicht alle Genos­sen gut. Auch die eine oder ande­re Äuße­rung in den Medi­en wur­de der Hohen­schön­hau­se­ne­rin von der Basis mit­un­ter übel genom­men. Doch wie es scheint, hat man der lang­jäh­ri­gen Abge­ord­ne­ten ver­zie­hen. »Mei­ne Nomi­nie­rung als Kan­di­da­tin der Lin­ken für das Lich­ten­ber­ger Bür­ger­meis­ter­amt betrach­te ich als Ehre und Ver­trau­ens­vor­schuss«, sagt Som­mer.

Mon­tei­ro will Stadt­rä­tin wer­den

Noch vor weni­gen Tagen sah es so aus, als wür­de die deut­li­ch unter­le­ge­ne SPD mit aller Kraft ver­su­chen, Bir­git Mon­tei­ro erneut zur Bür­ger­meis­ter­wahl in der BVV auf­zu­stel­len. Geplant war, sie mit den Stim­men von CDU und Grü­ne zu wäh­len. Weil das aber nicht für eine erfor­der­li­che Mehr­heit reicht, schiel­te die SPD auf die Kri­ti­ker Som­mers in den Rei­hen der Lin­ken. Abtrün­ni­ge hät­ten bei der gehei­men Wahl für Mon­tei­ro stim­men kön­nen.

Sie wie­der auf­zu­stel­len, ist aber nach meh­re­ren Gesprä­chen inner­halb der SPD als Plan ver­wor­fen wor­den. »Dafür sind die Ver­lus­te unse­rer Par­tei zu deut­li­ch«, räumt der SPD-Kreis­vor­sit­zen­de Ole Kreins ein. Bir­git Mon­tei­ro kün­dig­te gegen­über dem Bezirks-Jour­nal an, ihre poli­ti­sche Arbeit im Bezirks­amt als Bezirks­stadt­rä­tin fort­set­zen zu wol­len. Wel­ches Res­sort sie über­neh­men kann, soll nun mit den Lin­ken geklärt wer­den. Ihr sei nach wie vor eine seriö­se Haus­halts­po­li­tik wich­tig. Auch möch­te sie sich wei­ter für das The­ma Fami­li­en­ge­rech­tig­keit und sozia­le Belan­ge enga­gie­ren.

Posi­ti­ve Kon­ti­nui­tät sichern

Evrim Som­mer sagt, sie sei vol­ler Taten­drang: »Ich möch­te eher heu­te als mor­gen, dass es los­geht«, sagt sie selbst­be­wusst und nennt auch gleich eini­ge The­men, die auf ihrer Agen­da ste­hen. »Gemein­sam müs­sen wir alles tun, um die sozia­le Schief­la­gen abzu­bau­en.« Die Arbeit einer Bezirks­bür­ger­meis­te­rin sei kei­ne »One-Woman-Show«. Es gehe dar­um, gemein­sam eine posi­ti­ve Kon­ti­nui­tät zu sichern, zugleich erfor­der­li­che neue Zie­le zu set­zen und neue Wege zu erschlie­ßen. »Dabei soll­ten wir an die guten Erfah­run­gen der letz­ten Jahr­zehn­te anknüp­fen und uns wie­der am Leit­bild der Bür­ger­kom­mu­ne ori­en­tie­ren.«

Einer ihrer Vor­schlä­ge ist die Ein­rich­tung soge­nann­ter Quar­tiers­fonds. »Wir haben das Ziel, aus Lich­ten­berg wie­der eine leben­di­ge und welt­of­fe­ne Bür­ger­kom­mu­ne zu machen, über deren Ent­wick­lung die Men­schen vor Ort mit­re­den und vor allem mit ent­schei­den kön­nen.«

AfD soll Ver­ant­wor­tung gerecht wer­den

Einig sind sich sowohl Som­mer als auch Mon­tei­ro, dass die kom­men­den fünf Jah­re nicht leicht wer­den – ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass die AfD wegen ihres guten Abschnei­dens einen Bezirks­stadt­rat ins Rat­haus ent­sen­det. »Wie die ande­ren auch, so muss auch die AfD vom ers­ten Tag an ihrer Ver­ant­wor­tung für das ihr über­tra­ge­ne Res­sort gerecht wer­den«, sagt Evrim Som­mer. Sie wer­de dar­auf pochen, dass auch alle AfD-Vor­schlä­ge einem Pra­xis-Taug­lich­keits-Test unter­zo­gen wer­den. »Aber wenn sie ver­su­chen soll­te, ihre ras­sis­ti­schen Paro­len und ihre dem­ago­gi­schen anti­de­mo­kra­ti­schen Atta­cken in kom­mu­nal­po­li­ti­sches Han­deln umzu­mün­zen, dann müs­sen wir klar und ein­deu­tig Hal­tel­i­ni­en set­zen.«

Noch ist unklar, wen die AfD für das Bezirks­amt nomi­niert. Die CDU wird erneut den bis­he­ri­gen Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat Wil­fried Nün­thel zur Wahl vor­schla­gen, die Lin­ke besetzt ihren zwei­ten Pos­ten mit Micha­el Grun­st, der­zeit Stadt­rat in Trep­tow-Köpe­nick.

Autor: Marcel Gäding
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/machtwechsel-in-lichtenberg/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 12.10.2016

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