Pressespiegel

Lichtenberger Chaostage

Die Linke stellt nach dem Wahldesaster um Evrim Sommer neues Spitzenpersonal auf. Jetzt soll Michael Grunst Bürgermeister werden.

Er soll am 15. Dezem­ber von der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) auf den Chef­pos­ten gewählt wer­den. Grund­la­ge dafür ist eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Lin­ken und der SPD sowie der Lin­ken und den Grü­nen. Die­se war ursprüng­li­ch unter der Annah­me abge­schlos­sen wor­den, dass die lang­jäh­ri­ge Abge­ord­ne­te Evrim Som­mer Bezirks­bür­ger­meis­te­rin wird. Aller­dings schei­ter­te Som­mer in zwei Wahl­gän­gen.

Ärger mit Ansa­ge

Der Ärger um das Hick­hack hat­te sich bereits im Früh­jahr ange­deu­tet. Denn seit ihrer Nomi­nie­rung zur Spit­zen­kan­di­da­tin für die BVV-Wahlen hat­te Som­mer ein Pro­blem in der eige­nen Par­tei. Damals stimm­ten gera­de ein­mal 57,8 Pro­zent der Dele­gier­ten auf einer Haupt­ver­samm­lung der Lin­ken für Som­mer. Bei der Auf­stel­lung als Bezirks­bür­ger­meis­ter­kan­di­da­tin konn­te sie ledig­li­ch 74,2 Pro­zent ihrer Genos­sen über­zeu­gen. Als sie schließ­li­ch im Novem­ber mit den Stim­men von Lin­ken, SPD und Grü­ne zur neu­en Bezirks-Che­fin gekürt wer­den soll­te, kam es zum Eklat: Som­mer stell­te sich gera­de den Fra­gen der Bezirks­ver­ord­ne­ten, dar­un­ter der AfD und der CDU – unter ande­rem zu den von ihr in ihrer Vita angeb­li­ch ange­ge­be­nen aka­de­mi­schen Abschlüs­sen. Kaum hat­te sie ihren Platz in der Frak­ti­on der Links­par­tei wie­der ein­ge­nom­men, mach­te schnell eine Exklu­siv­mel­dung der RBB-Abend­schau die Run­de: Mit ver­stei­ner­ter Mie­ne schau­te Som­mer auf das Han­dy des SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Kevin Höni­cke, der ihr einen Face­book-Ein­trag mit der Über­schrift »Evrim Som­mer: Zu Unrecht als Hoch­schul­ab­sol­ven­tin aus­ge­ge­ben« zeig­te. Den­no­ch schick­te Die Lin­ke Som­mer ins Ren­nen – und steck­te glatt zwei Wahl­nie­der­la­gen ein. Auf einen drit­ten Anlauf hat­te man dann ver­zich­tet. Weni­ge Tage spä­ter erklär­te Som­mer ihren Rück­zug. Außer­dem trat sie mit sofor­ti­ger Wir­kung vom Vor­sitz des Bezirks­ver­ban­des der Lin­ken zurück. Nun also soll es Micha­el Grun­st rich­ten, von dem man sich in Par­tei­krei­sen erzählt, dass er kein Som­mer-Freund ist. Den­no­ch nomi­nier­te ihn Die Lin­ke. Grun­st ist ein Ver­wal­tungs­ur­ge­stein. Nach Abitur und Abschluss als Wirt­schafts­kauf­mann war er ab 1995 Beam­ter und qua­li­fi­zier­te sich par­al­lel zum Diplom­ver­wal­tungs­wirt. Der beken­nen­de Lich­ten­berg 47- sowie 1. FC Uni­on Ber­lin-Fan arbei­te­te für meh­re­re Senats­ver­wal­tun­gen. Kom­mu­nal­po­li­ti­sch gehört Grun­st mit kur­zer Unter­bre­chung seit vie­len Jah­ren der BVV an, war unter ande­rem Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Lin­ken. Im Janu­ar 2015 wech­sel­te er als Bezirks­stadt­rat für Jugend und öffent­li­che Ord­nung kurz­zei­tig nach Trep­tow­Kö­pe­nick. Grun­st gehört zu jenen, die ger­ne pola­ri­sie­ren, ist aber oft um sach­li­che Lösun­gen bemüht. Weil Grun­st an die Spit­ze des Rat­hau­ses rückt, mus­s­te auch der zwei­te Stadt­rats­pos­ten besetzt wer­den, den die Lin­ke bei den Ber­lin­wah­len am 18. Sep­tem­ber gewann. Neue Bezirks­stadt­rä­tin und Lei­te­rin der Abtei­lung Gesund­heit, Umwelt und öffent­li­che Ord­nung wird die par­tei­lo­se Kat­rin Fram­ke. Sie erhielt 85,2 Pro­zent der Stim­men. Die 57-Jäh­ri­ge war bereits bis 2011 Stadt­rä­tin für Kul­tur und Bür­ger­diens­te. Sie ist Diplom-Gesell­schafts­wis­sen­schaft­le­rin und ver­fügt über einen Mas­ter für Euro­päi­sches Ver­wal­tungs­ma­nage­ment.

AfD hält an Hebold fest

Ins Hin­ter­tref­fen hin­ge­gen ist eine ande­re Per­so­na­lie gera­ten – die von Wolf­gang Hebold. Der Hoch­schul­do­zent soll für die AfD ins Rat­haus zie­hen. Seit Wochen gibt es aber um Hebold immer wie­der Schlag­zei­len: Im Früh­jahr hat­te er unter ande­rem sei­ne Lehr­auf­trä­ge an Ber­li­ner Hoch­schu­len ver­lo­ren. Gleich­zei­tig lei­te­te die Ber­li­ner Staats­an­walt­schaft nach Anga­ben ihres Spre­chers Mar­tin Steltner ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Hebold ein. Hin­ter­grund sind Ver­öf­fent­li­chun­gen Hebolds, die »den Anfangs­ver­dacht einer Volks­ver­het­zung« begrün­den, wie Steltner auf Nach­fra­ge von Bezirks-Jour­nal und LiMa+ sag­te. »Im Rah­men einer Durch­su­chung wur­den Beweis­mit­tel sicher­ge­stellt, die nun aus­ge­wer­tet wer­den«, sag­te Steltner. Zu Details, wann die Durch­su­chung statt­fand oder wel­che Pas­sa­gen Hebolds den Anlass für das Ermitt­lungs­ver­fah­ren gaben, woll­te sich der Spre­cher nicht äußern. Der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der AfD, Diet­mar Dre­wes, sag­te, dass sei­ne Par­tei wei­ter an Hebold fest­hal­te. Ein Groß­teil der ande­ren Bezirks­ver­ord­ne­ten kün­dig­te jedoch an, Hebold nicht wäh­len zu wol­len.

Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/12/Bezirks-Journal-Lichtenberg-Dezember-2016.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal, Sei­te 2 | 08.12.2016

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