Pressespiegel

Kulturhaus noch im Dornröschenschlaf

Baubeginn für die Sanierung nun im Herbst 2016 geplant

Ein Stück Him­mel
Der Mai ist gekom­men, der Mai ist gegan­gen, aber getan hat sich bis­her nichts am Kul­tur­haus. Statt­des­sen ist durch ein geöff­ne­tes Fens­ter des Ober­ge­schos­ses im Innen­be­reich ein Stück Him­mel sicht­bar, wo eigent­li­ch kei­ner zu sehen sein soll­te. Das Dach scheint den Natur­mäch­ten zumin­dest par­ti­ell nach­zu­ge­ben. LiMa+ frag­te bei der Dong-Xuan GmbH nach. Pro­ku­rist Stef­fen Cwi­enk bestä­tig­te, dass es Ver­zö­ge­run­gen gibt. »Wir muss­ten den Brand­scha­den zunächst mit der Ver­si­che­rung abklä­ren«, sag­te er. Nun sei­en aber die Leis­tungs­be­schrei­bun­gen für die Sanie­rung des Gebäu­des erstellt, man befin­de sich im Abstim­mungs­pro­zess mit einem Gene­ral­un­ter­neh­men und der Bau­be­ginn sol­le aller­spä­tes­tens im September/Oktober 2016 erfol­gen. »Wir haben als Bau­zeit etwa ein Jahr ver­an­schlagt«, so der Pro­ku­rist. Vier bis fünf Mil­lio­nen Euro soll die Wie­der­her­stel­lung des Hau­ses kos­ten (Für den Lai­en schwer vor­stell­bar, dass die­se Sum­me aus­reicht).

Kein Denk­mal­schutz
Wie eine Anfra­ge des Abge­ord­ne­ten Wolf­gang Brau­er (Lin­ke) bei der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung kürz­li­ch ergab, steht das ehe­ma­li­ge Kul­tur­haus nicht unter Denk­mal­schutz. Das Gebäu­de sei zwar 1995 »gemein­sam mit wei­te­ren Werks­bau­ten der ehe­ma­li­gen Sie­mens-Pla­nia-Wer­ke in die Denk­mal­lis­te auf­ge­nom­men« wor­den, mus­s­te aber bereits zwei Jah­re spä­ter – wegen inzwi­schen durch­ge­führ­ter Umbau­maß­nah­men im Inne­ren – wie­der gestri­chen wer­den, heißt es in der Ant­wort der Senats­ver­wal­tung. »Es liegt eine Bau­ge­neh­mi­gung (2015) für eine Nut­zungs­än­de­rung vor«, so das Ant­wort­schrei­ben, das LiMa+ vor­liegt. Geplant sei­en dem­nach »Gäs­te­zim­mer, Restau­rant, Ver­an­stal­tungs­räu­me und Gewer­be­ein­hei­ten«. Die Unte­re Denk­mal­schutz­be­hör­de sei »im Rah­men des Umge­bungs­schut­zes an der Fas­sa­den­kon­zep­ti­on betei­ligt.«

Auch Fabi­an Peter, Refe­rent beim Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung, bestä­tigt, dass die Fas­sa­de »im Wesent­li­chen so erhal­ten« blei­ben soll. »Das Gebäu­de hat eine Grö­ße von ca. 25.000m³ umbau­tem Raum bei ca. 4000m² Brut­to­ge­schoss­nutz­flä­che«, war zu erfah­ren. Grund­ris­sän­de­run­gen für Kon­fe­renz- und Aus­stel­lungs­räu­me, für Gas­tro­no­mie, Büros und Gäs­te­zim­mer sei­en geplant. Der gro­ße Saal sol­le mit maxi­mal 500 Sitz­plät­zen als Mul­ti­funk­ti­ons­saal rekon­stru­iert wer­den.

»Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten«
Den Grund­stein für das zwei­stö­cki­ge Gebäu­de hat­te der dama­li­ge DDR-Minis­ter­prä­si­dent Otto Gro­te­wohl am 27. März 1950 gelegt. Nach der Fer­tig­stel­lung war in der oberen Eta­ge u.a. eine Berufs­schu­le unter­ge­bracht. Im gro­ßen Saal fan­den Ver­samm­lun­gen, Kon­fe­ren­zen, aber auch Tanz­ver­an­stal­tun­gen und Jugend­wei­hen statt. Nach dem Fall der Mau­er trat hier am 21. Dezem­ber 1989 die West-Ber­li­ner Expe­ri­men­tal-Band »Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten« auf. Es war ihr ers­tes Kon­zert im Ost­teil Ber­lins, das der Schrift­stel­ler Hei­ner Mül­ler mit­in­iti­iert hat­te. Auch der fran­zö­si­sche Kul­tur­mi­nis­ter Jack Lang war damals zu Gast.

Das Geschäft im Dong Xuan flo­riert
2003 hat­te die Dong Xuan GmbH das 164.000 Qua­drat­me­ter gro­ße Are­al an der Herz­berg­stra­ße 128–139 und mit ihm auch das geschichts­träch­ti­ge Kul­tur­haus erwor­ben. Über 30 Mil­lio­nen Euro hat­te Markt­grün­der Nguy­en van Hien in die Hand genom­men, um auf dem Grund­stück das mitt­ler­wei­le weit über Ber­lin hin­aus bekann­te Dong Xuan Cen­ter zu errich­ten. In dem Han­dels- und Dienst­leis­tungs­zen­trum flo­riert das Geschäft. Nicht nur vie­le Lich­ten­ber­ge­rin­nen und Lich­ten­ber­ger haben ent­deckt, dass man hier gleich in meh­re­ren Restau­rants gut essen kann und vie­ler­lei Waren wie Lebens­mit­tel, exo­ti­sche Gewür­ze, Elek­tro­nik, Tex­ti­li­en, Leder­wa­ren aus Fern­ost in so gro­ßer Aus­wahl ange­bo­ten wer­den wie nir­gends anders in Ber­lin. Groß­händ­ler »pil­gern« aus ganz Deutsch­land und aus den Nach­bar­län­dern hier­her, um sich für ihre Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te mit Waren ein­zu­de­cken. Auch zahl­rei­che Dienst­leis­ter wie Rei­se­bü­ros, Unter­neh­mens­be­ra­ter, Wer­be­agen­tu­ren, Fahr­schu­len, sogar Steu­er­be­ra­ter und Rechts­an­wäl­te und ein viet­na­me­si­scher Auto­händ­ler haben sich auf dem Gelän­de nie­der­ge­las­sen.

Kei­ne Umwid­mung zum Misch­ge­biet
Der Traum des Eigen­tü­mers vom Bau einer asia­ti­schen Wohn­an­la­ge in der Nähe, ist wohl erst ein­mal in wei­te Fer­ne gerückt. Denn weder der Senat noch der Bezirk zeigt sich gewillt, die dazu erfor­der­li­che Umwid­mung des Indus­trie- und Gewer­be­ge­bie­tes Herz­berg­stra­ße als Misch­ge­biet für Gewer­be und Woh­nen zu befür­wor­ten. Neue Woh­nun­gen zu errich­ten, sei des­halb unzu­läs­sig, sag­te Lich­ten­bergs Stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung, Wil­fried Nün­thel (CDU). Ein­zel­ne, noch bewohn­te Häu­ser zwi­schen den Gewer­be­ge­bäu­den an der Herz­berg­stra­ße, hät­ten Bestands­schutz, so der Stadt­rat. Das hin­dert den Investor jedoch nicht dar­an, kei­ne hun­dert Meter vom Kul­tur­haus ent­fernt, das eins­ti­ge Labor des EKL der­zeit zu einem Gäs­te­haus mit 166 Bet­ten umzu­bau­en. Die rekon­stru­ier­te Fas­sa­de ist hin­ter dem Bau­ge­rüst schon zu erah­nen.

Das ehe­ma­li­ge Kul­tur­haus schlum­mert indes hin­ter Absper­run­gen einen sich selbst ver­zeh­ren­den Dörn­rös­chen­schlaf. Am Haupt­ein­gang wer­ben noch alte Pla­ka­te für Kon­zer­te auf dem Alex­an­der­platz, die längst vor­bei sind. Viel­leicht gibt es ja an glei­cher Stel­le bald neue Aus­hän­ge – dann für die Wie­der­er­öff­nung des neu­en, alten Kul­tur­hau­ses.

Autor: Volkmar Eltzel
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/kulturhaus-noch-im-dornroeschenschlaf/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 31.05.2016

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