Pressespiegel

Kulturhaus im Dornröschenschlaf

Lichtenberg: Gebäude auf dem Areal des früheren VEB Elektrokohle verfällt weiter. Jetzt rückt seine Sanierung einen Schritt näher.

Der Eigen­tü­mer, seit 2003 die Dong-Xuan GmbH, hat­te sich selbst die­se Frist gesetzt, nach­dem im Mai 2015 die Bau­ge­neh­mi­gung durch den Bezirk erteilt wor­den war. Ein Brand hat­te den Bau­start 2015 jedoch ver­hin­dert. Statt­des­sen ist durch ein geöff­ne­tes Fens­ter des Ober­ge­schos­ses im Innen­be­reich ein Stück Him­mel sicht­bar, wo eigent­lich kei­ner zu sehen sein soll­te. Das Dach scheint den Natur­mäch­ten zumin­dest par­ti­ell nach­zu­ge­ben. »Wir muss­ten den Brand­scha­den zunächst mit der Ver­si­che­rung abklä­ren«, sagt Pro­ku­rist Stef­fen Cwi­enk von der Dong-Xuan GmbH. Nun sei­en aber die Leis­tungs­be­schrei­bun­gen für die Sanie­rung des Gebäu­des erstellt, man befin­de sich im Abstim­mungs­pro­zess mit einem Gene­ral­un­ter­neh­men und der Bau­be­ginn sol­le aller­spä­tes­tens im September/Oktober 2016 erfol­gen. »Wir haben als Bau­zeit etwa ein Jahr ver­an­schlagt«, so der Pro­ku­rist. Vier bis fünf Mil­lio­nen Euro soll die Wie­der­her­stel­lung des Hau­ses kos­ten (Für den Lai­en schwer vor­stell­bar, dass die­se Sum­me aus­reicht).

Wie eine Anfra­ge des Abge­ord­ne­ten Wolf­gang Brau­er (Lin­ke) bei der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung kürz­lich ergab, steht das ehe­ma­li­ge Kul­tur­haus nicht unter Denk­mal­schutz. Das Gebäu­de sei zwar 1995 »gemein­sam mit wei­te­ren Werks­bau­ten der ehe­ma­li­gen Sie­mens-Pla­nia-Wer­ke in die Denk­mal­lis­te auf­ge­nom­men« wor­den, muss­te aber bereits zwei Jah­re spä­ter – wegen inzwi­schen durch­ge­führ­ter Umbau­maß­nah­men im Inne­ren – wie­der gestri­chen wer­den, heißt es in der Ant­wort der Senats­ver­wal­tung. »Es liegt eine Bau­ge­neh­mi­gung (2015) für eine Nut­zungs­än­de­rung vor«, heißt es in dem Ant­wort­schrei­ben. Geplant sei­en dem­nach »Gäs­te­zim­mer, Restau­rant, Ver­an­stal­tungs­räu­me und Gewer­be­ein­hei­ten. Die Unte­re Denk­mal­schutz­be­hör­de sei »im Rah­men des Umge­bungs­schut­zes an der Fas­sa­den­kon­zep­ti­on betei­ligt«.

Auch Fabi­an Peter, Refe­rent beim Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung, bestä­tigt, dass die Fas­sa­de »im Wesent­li­chen so erhal­ten« blei­ben soll. »Das Gebäu­de hat eine Grö­ße von ca. 25.000 Kubik­me­tern umbau­tem Raum bei ca. 4.000 Qua­drat­me­tern Brut­to­ge­schoss­nutz­flä­che.« Grund­riss­än­de­run­gen für Kon­fe­renz- und Aus­stel­lungs­räu­me, für Gas­tro­no­mie, Büros und Gäs­te­zim­mer sei­en geplant. Der gro­ße Saal sol­le mit maxi­mal 500 Sitz­plät­zen als Mul­ti­funk­ti­ons­saal rekon­stru­iert wer­den. Den Grund­stein für das zwei­stö­cki­ge Gebäu­de hat­te der dama­li­ge DDR-Minis­ter­prä­si­dent Otto Gro­te­wohl am 27. März 1950 gelegt. Nach der Fer­tig­stel­lung war in der obe­ren Eta­ge u.a. eine Berufs­schu­le unter­ge­bracht. Im gro­ßen Saal fan­den Ver­samm­lun­gen, Kon­fe­ren­zen, aber auch Tanz­ver­an­stal­tun­gen und Jugend­wei­hen statt. Nach dem Fall der Mau­er trat hier am 21. Dezem­ber 1989 die West-Ber­li­ner Expe­ri­men­tal-Band »Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten« auf. Es war ihr ers­tes Kon­zert im Ost­teil Ber­lins, das der Schrift­stel­ler Hei­ner Mül­ler mit­in­iti­iert hat­te. Auch der fran­zö­si­sche Kul­tur­mi­nis­ter Jack Lang war damals zu Gast.

2003 hat­te die Dong Xuan GmbH das 164.000 Qua­drat­me­ter gro­ße Are­al an der Herz­berg­stra­ße 128–139 und mit ihm auch das geschichts­träch­ti­ge Kul­tur­haus erwor­ben. Über 30 Mil­lio­nen Euro hat­te Markt­grün­der Nguy­en van Hien in die Hand genom­men, um auf dem Grund­stück das mitt­ler­wei­le weit über Ber­lin hin­aus bekann­te Dong Xuan Cen­ter zu errich­ten. In dem Han­dels- und Dienst­leis­tungs­zen­trum flo­riert das Geschäft.

Kei­ne asia­ti­sche Wohn­an­la­ge

Der Traum des Eigen­tü­mers vom Bau einer asia­ti­schen Wohn­an­la­ge in der Nähe, ist wohl erst ein­mal in wei­te Fer­ne gerückt. Denn weder der Senat noch der Bezirk zei­gen sich gewillt, die dazu erfor­der­li­che Umwid­mung des Indus­trie- und Gewer­be­ge­bie­tes Herz­berg­stra­ße als Misch­ge­biet für Gewer­be und Woh­nen zu befür­wor­ten. Neue Woh­nun­gen zu errich­ten, sei des­halb unzu­läs­sig, sagt Lich­ten­bergs Stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung, Wil­fried Nün­t­hel (CDU). Ein­zel­ne, noch bewohn­te Häu­ser zwi­schen den Gewer­be­ge­bäu­den an der Herz­berg­stra­ße, hät­ten Bestands­schutz. Das hin­dert den Inves­tor jedoch nicht dar­an, kei­ne hun­dert Meter vom Kul­tur­haus ent­fernt, das eins­ti­ge Labor des EKL der­zeit zu einem Gäs­te­haus mit 166 Bet­ten umzu­bau­en.

Autor: Volkmar Eltzel
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/06/BZJ_06_2016_Lichtenberg.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal | 09.06.2016

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