Pressespiegel

Initiatoren „Nein zum Heim“-Kampagne

Wahlen in Berlin (4): NPD und Pro Deutschland

Seit 2006 in Bezirks­par­la­men­ten
Bereits seit 2006 ist die rechts­ex­tre­mis­ti­sche NPD sowohl in Lich­ten­berg als auch in Mar­zahn-Hel­lers­dorf in den Bezirks­par­la­men­ten ver­tre­ten. Schaff­te sie vor zehn Jah­ren den Ein­zug in Frak­ti­ons­stär­ke in die BVV, war sie in der zurück­lie­gen­den Legis­la­tur in bei­den Bezir­ken nur noch mit zwei Ver­ord­ne­ten prä­sent. Denn 2011 zer­split­ter­ten sich die Stim­men für die extre­me Rech­te, schließ­li­ch hat­te sich auch die Bür­ger­be­we­gung pro Deutsch­land sich zur Wahl gestellt. Die­se tritt auch dies­mal wie­der an, doch nen­nens­wer­te Ergeb­nis­se dürf­te die Split­ter­par­tei nicht ein­fah­ren, auch wenn in Mar­zahn-Hel­lers­dorf mit Man­fred Rouhs ihr Bun­des­vor­sit­zen­der kan­di­diert (2011 Lich­ten­berg: Zweit­stim­me 1,8, BVV 2,2; Mar­zahn-Hel­lers­dorf: Zweit­stim­me 2,4, BVV 2,6).

AfD könn­te Stim­men abzie­hen
Das grö­ße­re Unge­mach könn­te der NPD, die durch ein dro­hen­des Ver­bots­ver­fah­ren sowie­so geschwächt ist, durch die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) berei­tet wer­den. Denn wie gera­de erst in Meck­len­burg-Vor­pom­mern erlebt, machen Pro­test­wäh­ler auf dem Wahl­zet­tel eher bei die­ser ihr Kreuz. Die äußers­ten Rech­ten dürf­ten somit im Wesent­li­chen nur für ihre treue Anhän­ger attrak­tiv erschei­nen. Den größ­ten Wahl­er­fol­ge gab es 2011 im Wahl­kreis 3 Mar­zahn-Hel­lers­dorf – 12,0 Pro­zent im sozi­al schwa­chen Stimm­be­zirk 303 (Alte Hel­lers­dor­fer Stra­ße). Bei den BVV-Wahlen 2011 erziel­te die NPD in Lich­ten­berg 3,7 Pro­zent der Wäh­ler­stim­men, in Mar­zahn-Hel­lers­dorf 4,1. Nur in Trep­tow-Köpe­nick fiel mit 4,5 Pro­zent das NPD-Ergeb­nis noch höher aus (Gesamt-Ber­lin 2,1 Pro­zent). Ledig­li­ch in die­sen drei Bezir­ken gelang erneut der Ein­zug der Rechts­ex­tre­men in die Bezirks­par­la­men­te.

Mehr Rechts­ex­tre­mis­ten im Osten
Im Ost­teil Ber­lins, vor allem in den Plat­ten­bau­ge­bie­ten von Mar­zahn, Hel­lers­dorf und Neu-Hohen­schön­hau­sen, gibt es mehr Rechts­ex­tre­mis­ten als in ande­ren Gebie­ten der Haupt­stadt. Nach einer Ant­wort von Innen-Staats­se­kre­tär Bernd Krö­mer (CDU) auf eine Schrift­li­che Anfra­ge der bünd­nis­grü­nen Abge­ord­ne­ten Cla­ra Herr­mann und Ste­fan Zil­ler woh­nen etwa 20 Pro­zent der bekann­ten rechts­ex­tre­mis­ti­schen Per­so­nen allein in Mar­zahn-Hel­lers­dorf. In Lich­ten­berg galt der Weit­ling­kiez lan­ge als Refu­gi­um der Rechts­ex­tre­mis­ten. Die Sze­ne dort ist weit­ge­hend zer­schla­gen, nach­dem 2014 der Neo­na­zi-Treff­punkt in der Lück­stra­ße 58 dicht­ma­chen mus­s­te. »Das Vier­tel ist kei­ne Hoch­burg der Rech­ten mehr«, sagt Mar­tin Schae­fer, der dort für die CDU als Direkt­kan­di­dat antritt. Laut Schae­fer woh­nen von den ein­st 30 bis 40 Neo­na­zis im Kiez nur noch drei bekann­te NPD-Leu­te. Übrig geblie­ben ist die bei Rech­ten belieb­te Knei­pe Stur­gis, die sich selbst als »deut­sche Kiez­knei­pe« bezeich­net. »Aber da hat es auch deut­li­che Gefähr­der-Anspra­chen der Poli­zei gege­ben«, sagt Schae­fer, »so dass wei­test­ge­hend Ruhe ein­ge­kehrt ist.«

Auf­mär­sche gegen Flücht­lings­hei­me
In den drei Ost­be­zir­ken gab es auch die meis­ten Demos gegen die Errich­tung von Flücht­lings­hei­men – sowohl in Hohen­schön­hau­sen als auch im Allen­de-Vier­tel von Trep­tow-Köpe­nick und in Mar­zahn-Hel­lers­dorf. Unter dem Mot­to »Nein zum Heim«, das spä­ter für ähn­li­che Auf­mär­sche in ganz Deutsch­land qua­si als Blau­pau­se dien­te, hat­ten die Auf­zü­ge im Som­mer 2013 in Hel­lers­dorf begon­nen. Damals wur­de ein seit Jah­ren leer­ste­hen­des frü­he­res Gym­na­si­um an der Maxie-Wander-/Carola-Neher-Straße als Unter­kunft für Asyl­be­wer­ber her­ge­rich­tet. Die Heim­geg­ner, die unter einer schein­ba­ren »Bür­ger­be­we­gung« Hel­lers­dorf, spä­ter Mar­zahn-Hel­lers­dorf, fir­mier­ten, wur­den laut Ver­fas­sungs­schutz von der NPD und ande­ren Rechts­ex­tre­mis­ten gesteu­ert. Die­se waren auch Initia­to­ren der soge­nann­ten Mon­tags­de­mos 2014/2015, die sich gegen ein Flücht­lings­heim am Blum­ber­ger Damm in Mar­zahn wen­de­ten und teil­wei­se mehr als 1.000 Men­schen mobi­li­sie­ren konn­ten. Auch Demons­tra­tio­nen gegen die Flücht­lings­hei­me in Fal­ken­berg und im Allen­de­vier­tel wur­den von Rechts­ex­tre­mis­ten orga­ni­siert und ange­mel­det.

Gut ver­netzt in der Sze­ne
Etli­che die­ser Per­so­nen wol­len jetzt in die Bezirks­par­la­men­te. In Mar­zahn-Hel­lers­dorf, wo die bei­den bis­he­ri­gen NPD-Ver­ord­ne­ten zu vie­len Sit­zun­gen gar nicht mehr erschie­nen oder dort nur teil­nahms­los her­um­sa­ßen, lau­ten die ers­ten drei Namen auf dem Wahl­vor­schlag zur BVV: Andre­as Käfer, Nadi­ne Leon­hardt und Mar­cel Rockel. Käfer hat als Bezirks­vor­sit­zen­der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren den fast nicht mehr exis­ten­ten NPD-Bezirks­ver­band Mar­zahn-Hel­lers­dorf wie­der auf­ge­baut und gilt als gut ver­netzt in der rechts­ex­tre­men Sze­ne. Sei­ne Lebens­ge­fähr­tin Leon­hardt war laut dem anti­fa­schis­ti­schen Infor­ma­ti­ons­dienst Indy­me­dia u.a. Anmel­de­rin und Orga­ni­sa­to­rin von Demons­tra­tio­nen gegen das Flücht­lings­heim im Allen­de­vier­tel. Mar­cel Rockel, der an etli­chen »Nein zum Heim«-Aufmärschen in Hel­lers­dorf und Mar­zahn teil­nahm, gilt als einer der Initia­to­ren der Heim­geg­ner-Kam­pa­gne und als Haupt­ver­ant­wort­li­cher für die aggres­si­ve Soci­al-Media-Pro­pa­gan­da der Bür­ger­be­we­gung Hel­lers­dorf bzw. Mar­zahn-Hel­lers­dorf.

Altes Pla­kat mit deut­schem Schä­fer­hund
In Lich­ten­berg tre­ten für die BVV u.a. Manue­la Tön­hardt (Lis­ten­platz 1), auch bis­her schon in der BVV, und Dan­ny Matsch­ke (Platz 2) an. Bei­de gehö­ren zu den Stamm­red­nern bzw. –besu­chern von Anti-Flücht­lings­de­mos. Tön­hardt, frü­her DVU, die laut Indy­me­dia 2010 mit ihrem Ehe­mann, dem jet­zi­gen NPD-Kreis­vor­sit­zen­den Diet­mar Tön­hardt, in die NPD über­trat, steht auf Platz 3 der Lan­des­lis­te – gleich nach dem Ber­li­ner NPD-Chef Sebas­ti­an Schmidtke und dem NPD-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Udo Voigt. In den letz­ten Mona­ten fiel aller­dings Tön­hardt auch dadurch auf, dass sie die Sit­zun­gen der BVV über­haupt nicht mehr besuch­te. Für die Wahl 2016 – das Geld ist knapp bei der NPD– hat sie auch alte, im Bezirk schon bekann­te Wahl­pla­ka­te her­aus­ge­sucht. Die zei­gen eine blon­de Frau mit Deut­schem Schä­fer­hund.

Autor: Birgitt Eltzel
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/initiatoren-der-nein-zum-heim-kampagne/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 07.09.2016

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