Pressespiegel

Hier wurde Baugeschichte geschrieben

Der Wahlkreis 3 machte einst in Sachen DDR-Wohnungsbau Schlagzeilen.

Die Kon­zep­te für die Wohn­häu­ser gal­ten für dama­li­ge Ver­hält­nis­se als zeit­ge­mäß und fort­schritt­li­ch: Woh­nun­gen wur­den funk­tio­nal geschnit­ten, jeder Zen­ti­me­ter opti­mal aus­ge­nutzt. In kur­zer Zeit präg­te die ers­te Groß­sied­lung des kom­ple­xen Woh­nungs­baus das Gesicht des Fenn­pfuhls. Das Grund­kon­zept wur­de spä­ter für den Woh­nungs­bau in der DDR wei­ter­ent­wi­ckelt. Man kann behaup­ten, dass die Wie­ge des Woh­nungs­bau­pro­gramms im Fenn­pfuhl liegt.

Gemein­sam mit Tei­len von Alt-Hohen­schön­hau­sen – dar­un­ter der Wei­ßen­seer Weg, die »Wei­ße Tau­be und das weit­läu­fi­ge Gelän­de des Evan­ge­li­schen Kran­ken­hau­ses Köni­gin Eli­sa­be­th Herz­ber­ge« – bil­det der Fenn­pfuhl den Wahl­kreis 3. Links und rechts der Lands­ber­ger Allee leben rund 40.000 Men­schen. Mit 9.400 Bewoh­nern über 65 Jah­re ist der Wahl­kreis ein demo­gra­fi­sch betrach­tet eher altes Vier­tel. Gekenn­zeich­net ist der Kiez von Men­schen, die ihrer Wohn­ge­gend seit Gene­ra­tio­nen die Treue hal­ten. Einer der Plat­ten­bau­pio­nie­re, der Archi­tekt Wil­fried Stall­knecht, lebt heu­te noch im Fenn­pfuhl. Auf­fäl­lig sind vor allem die begrün­ten, weit­läu­fi­gen Innen­hö­fe.

Ein­st der gan­ze Stolz der DDR-Woh­nungs­bau­pla­ner kämpf­te der Fenn­pfuhl seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung mit vie­len Pro­ble­men: Vie­le klei­ne Geschäf­te gaben auf, das Waren­haus auf dem Anton-Saef­kow-Platz schloss bereits vor Jah­ren. Die See­ter­ras­sen – ein zu DDR Zei­ten belieb­tes und nah an der City Ost gele­ge­nes Aus­flugs­lo­kal – muss­ten vor eini­gen Jah­ren abge­ris­sen wer­den. Aber es ent­stand auch Neu­es: Das alte Kauf­haus wur­de zu Wohn­zwe­cken umge­baut. Die dort ange­bo­te­nen Woh­nun­gen waren inner­halb kur­zer Zeit ver­grif­fen. Mit dem Cas­tel­lo-Cen­ter an der Lands­ber­ger Allee schuf sich zudem der umstrit­te­ne Archi­tekt Hin­rich Bal­ler ein Denk­mal. Auf ein Auto kön­nen die Men­schen im Fenn­pfuhl getrost ver­zich­ten: Wie eine Schlin­ge zie­hen sich die wich­tigs­ten Ost­ber­li­ner Stra­ßen­bahn­li­ni­en um das klei­ne Vier­tel.

Wohn­ort­na­he Infra­struk­tur war und ist das zen­tra­le kiez­po­li­ti­sche The­ma im Fenn­pfuhl. Auch die Stadt­ent­wick­lung wird die Agen­da bestim­men. Bis heu­te haben Land und Bezirk kei­ne schlüs­si­gen Ide­en prä­sen­tiert, die Gegend links und rechts der Lands­ber­ger Allee städ­te­bau­li­ch zu ent­wi­ckeln. Zwar wird das Wohn­ge­biet »Wei­ße Tau­be« – der Name erin­nert an eine eins­ti­ge gärt­ne­ri­sche Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaft an sel­ber Stel­le – in abseh­ba­rer Zeit kom­plet­tiert. 2.000 Wohn­ein­hei­ten sind geplant. Doch mit der Rui­ne einer eins­ti­gen Lager­hal­le neben dem Glo­bus-Bau­markt und den dane­ben lie­gen­den Res­ten eines Ein­kaufs­zen­trums aus der neue­ren Zeit bil­det die­ser Teil der Lands­ber­ger Allee ein unschö­nes Ein­gangs­tor nach Lich­ten­berg.

Das Direkt­man­dat hol­te sich 2011 Mari­on Plat­ta (Die Lin­ke), die sich mit 36 Pro­zent ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen mit ihrem Kon­tra­hen­ten Rei­mund Peter von der SPD lie­fer­te. Er bekam 35,8 Pro­zent der Erst­stim­men und ver­pass­te nur haar­scharf den Ein­zug ins Abge­ord­ne­ten­haus. Wegen einer Zähl­pan­ne sah sich Peter 2011 bereits im Abge­ord­ne­ten­haus, nahm sogar schon an einer ers­ten Sit­zung der neu­en SPD-Frak­ti­on teil. Kur­ze Zeit spä­ter wur­de das Ergeb­nis kor­ri­giert – zu Guns­ten von Mari­on Plat­ta. Mit Span­nung wird daher die Wahl im Sep­tem­ber erwar­tet. Ob und wel­che Chan­cen der CDU-Her­aus­for­de­rer Pas­cal Ribble hat, bleibt abzu­war­ten.

Der Wahl­kreis 3: Die Gren­ze ver­läuft ab Indira-Ghandi-Straße/Weißenseer Weg ent­lang der Bezirks­gren­ze zu Pan­kow bis Karl-Lade-Stra­ße – Karl-Lade-Stra­ße, Paul-Juni­us-Stra­ße, Herz­berg­stra­ße bis Sieg­fried­stra­ße – Sieg­fried­stra­ße bis Got­lin­de­stra­ße – Got­lin­de­stra­ße bis Fried­hofs­gren­ze, die­se ent­lang bis zum Park­platz Gedenk­stät­te der Sozia­lis­ten – Gud­run­stra­ße bis S-/U-Bahnhof Lich­ten­berg – Frank­fur­ter Allee, Alt-Fried­richs­fel­de bis Rhin­stra­ße – Rhin­stra­ße bis S-Bahn­hof Fried­richs­fel­deO­st – ab S-Bahn­hof Fried­richs­fel­de Ost ent­lang der Bezirks­gren­ze zu Mar­zahn-Hel­lers­dorf bis zur alten Indus­trie­bahn­stre­cke – alte Indus­trie­bahn­stre­cke west­li­ch ent­lang bis Fer­di­nand-Schult­ze-Stra­ße – Fer­di­nand-Schult­ze-Stra­ße bis Schlei­zer Stra­ße – Schlei­zer Stra­ße bis Arends­weg – Arends­weg bis Plau­en­er Stra­ße – Plau­en­er Stra­ße bis Gens­ler­stra­ße – Gens­ler­stra­ße bis Wer­neu­che­ner Stra­ße – ab Kreu­zungs­be­reich hin­ter der Häu­ser­front nord­west­li­ch par­al­lel zur Wer­neu­che­ner Stra­ße bis Goe­cke­stra­ße – Goe­cke­stra­ße bis Straus­ber­ger Stra­ße, Straus­ber­ger Stra­ße (ein­schließ­li­ch Straus­ber­ger Platz) bis Kon­rad-Wolf­Stra­ße, Kon­rad-Wolf-Stra­ße bis Wei­ßen­seer Weg – Wei­ßen­seer Weg bis Anfang Indi­ra-Gan­d­hi-Stra­ße.

Autor: Marcel Gäding
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/05/BZJ_05_2016_Lichtenberg.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal | 12.05.2016

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