Pressespiegel

Gegen den Zahn der Zeit

WARTENBERG: Anwohner wollen das »Japanische Tor« am Hagenower Ring retten.

Gäbe es da nur eine Garan­tie für die­se Über­lie­fe­rung, dann hät­te das kürz­li­ch statt­ge­fun­de­ne Tref­fen der Kiez­be­woh­ner an ihrem japa­ni­schen Tor, in der Nach­bar­schaft des Hage­nower Rings, sicher in aller Frü­he statt­ge­fun­den. Denn sie alle eint der Wunsch, das Holz-Tor möge erhal­ten blei­ben. 21 Jah­re lang trotz­te es Wind und Wet­ter, aber schließ­li­ch hat­te das Mate­ri­al den Natur­kräf­ten doch sei­nen Tri­but zol­len müs­sen. 2009 hat­ten enga­gier­te Anwoh­ner in Eigen­in­itia­ti­ve das Holz noch ein­mal geölt. Doch nun sind an den mas­si­ven Sitz­bän­ken, die zugleich die bei­den Tor­pfei­ler umfas­sen und ihnen Halt geben, deut­li­che Zer­falls­er­schei­nun­gen zu erken­nen. Beson­ders die Bank auf der Nord­sei­te hat es erwischt. Der wei­che­re Holz­kern ist stark aus­ge­höhlt.
Der Alt­lands­ber­ger Bild­hau­er Wolf­gang Stüb­ner hat­te das gut drei Meter hohe Tor ent­wor­fen und unter Paten­schaft der japa­ni­schen Bot­schaft 1995 aus mas­si­ver Eiche erschaf­fen. Hin­ter­grund war, dass japa­ni­sche Bür­ge­rin­nen und Bür­ger seit 1990 in einer groß ange­leg­ten Akti­on Geld für die Pflan­zung Japa­ni­scher Kirsch­bäu­me (Saku­ra) in Deutsch­land gesam­melt hat­ten. Es war ihr Aus­druck der Freu­de über die deut­sch-deut­sche Wie­der­ver­ei­ni­gung und ein Zei­chen der freund­schaft­li­chen Ver­bun­den­heit. Über 140 Mil­lio­nen Yen (ca. 1 Mil­lion Euro) kamen damals zusam­men, für die rund 9.000 japa­ni­sche Zier­kirsch­bäu­me, über­wie­gend in Ber­lin und Bran­den­burg gepflanzt wur­den. Rund 70 davon brach­te man in die War­ten­ber­ger Erde, am heu­ti­gen Ein­gang des 210 Hekt­ar gro­ßen Land­schafts­parks »War­ten­ber­ger Feld­mark«, ein Bestand­teil des Ber­li­ner Bar­nim. Der Gar­ten aus Kirsch­bäu­men wur­de strah­len­för­mig ange­legt, als Sym­bol für die Son­ne und den Frie­den. »Das Tor war unser ›Dan­ke­schön‹ an Japan«, sagt Wolf­gang Stüb­ner. »Unter den Zwei­gen der Kirsch­bäu­me in Blü­te ist kei­ner ein Frem­der hier«, ist auf der Erin­ne­rungs­ta­fel vom Mai 1995 zu lesen. »Das Tor ist noch für die nächs­ten zwei Jah­re sicher und stand­fest«, so der Bild­hau­er. Aber spä­tes­tens dann müs­se gehan­delt wer­den. Die Repa­ra­tur sei lei­der nicht »für einen Apfel und ein Ei« zu bewerk­stel­li­gen. Um die Bän­ke auf bei­den Sei­ten durch neue zu erset­zen, rech­net der Künst­ler mit Kos­ten von 12.000 bis 15.000 Euro. Das Tor­dach sei nur leicht ver­zo­gen. Hier könn­ten eini­ge Schrau­ben schon Abhil­fe schaf­fen. Stüb­ner erklär­te sich bereit, die teil­wei­se Erneue­rung zu über­neh­men und zunächst ein­mal ein Ange­bot zu erstel­len. »Die Fra­ge ist: Wo neh­men wir das Geld her?«, sagt Elke Schus­ter von der Anwoh­ner­initia­ti­ve. Denk­bar sei es, so die Initia­to­rin, sich um finan­zi­el­le Mit­tel aus dem Lich­ten­ber­ger Fonds für Erin­ne­rungs­kul­tur oder aus dem Stadt­um­bau Ost oder aus dem För­der­pro­gramm zur Ent­wick­lung der Feld­mark zu bemü­hen. Letz­te­res hat sogar gute Chan­cen auf Erfolg. Denn: In naher Zukunft soll der Land­schafts­park als Land­schafts­schutz­ge­biet aus­ge­wie­sen wer­den. »Für die Ent­wick­lung des Land­schafts­parks War­ten­berg stell­te die Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt dem Bezirk Lich­ten­berg Aus­gleichs- und Ersatz­mit­tel aus gesamt­städ­ti­schen Vor­ha­ben in Höhe von etwa 4 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü- gung«, infor­mier­te Wil­fried Nün­thel, der Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung (CDU), kürz­li­ch. Eine Bewer­bung für Geld­er aus dem Bür­ger­haus­halt, hält Elke Schus­ter indes »für sinn­los«. »Der Bür­ger­haus­halt ist eher für klei­ne­re Akti­vi­tä­ten geeig­net«, sagt sie. Hier wer­de mehr Geld benö­tigt. Eine Anwoh­ne­rin regt an, finan­zi­el­le Mit­tel aus dem Pro­gramm »Kunst im Stadt­raum« oder »Kunst am Bau« für die Rekon­struk­ti­on ein­zu­set­zen. Hen­ning Fah­ren­berg, Bezirks­ver­ord­ne­ter der SPD, sagt zu, das Anlie­gen im Aus­schuss für Öko­lo­gi­sche Stadt­ent­wick­lung zur Bera­tung vor­zu­tra­gen.

Autor: Volkmar Eltzel
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/08/Bezirks-Journal_Lichtenberg_August_2016.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal, Sei­te 6 | 11.08.2016

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