Pressespiegel

Friedliche Koexistenz

Die ver­schie­de­nen Anfor­de­run­gen der Nut­zer stel­len sich häu­fig als Kon­flik­te dar. Seit 2014 gibt es des­halb einen Run­den Tisch Rum­mels­bur­ger See, wo sich Anwoh­ner und ande­re Inter­es­sen­ten tref­fen. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat das Bezirks­amt zudem eine Stu­die in Auf­trag gege­ben, ein Ent­wick­lungs­kon­zept für die Lich­ten­ber­ger Land­sei­te zu erar­bei­ten. Dar­an kön­nen sich die Bür­ger in öffent­li­chen Ver­samm­lun­gen und Work­shops betei­li­gen. Noch vor der Som­mer­pau­se, so der zustän­di­ge Stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung, Wil­fried Nün­thel (CDU), soll das Kon­zept fer­tig sein und von der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) beschlos­sen wer­den. Als Leit­bild für den Rum­mels­bur­ger See gibt es dann den Rah­men für künf­ti­ge Pla­nun­gen am Lich­ten­ber­ger Ufer.

Bür­ger wol­len mit­ent­schei­den

Dass die Bür­ger dabei ein kräf­ti­ges Wort mit­re­den wol­len, wur­de am Frei­tag, 12. Febru­ar, deut­li­ch. Denn trotz des bevor­ste­hen­den Wochen­en­des war am Abend die Aula der Schu­le an der Vic­to­ria­stadt in der Nöld­ner­stra­ße gut gefüllt. Bis nach 21 Uhr wur­de hef­tig dis­ku­tiert und in drei Arbeits­grup­pen über Zie­le des Kon­zepts und bestehen­de Nut­zungs­kon­flik­te bera­ten. Wolf­ram Sie­wert von der Pla­nungs­grup­pe Cas­sens und Sie­wert, eines von drei Büros, die mit der Stu­die zum Ent­wick­lungs­kon­zept beauf­tragt sind, fass­te Kon­flikt­punk­te zusam­men: Sie exis­tie­ren zwi­schen den Nut­zun­gen Ver­kehr und Arbei­ten, Kul­tur und Gas­tro­no­mie, Frei­zeit und Sport sowie Natur­schutz und Öko­lo­gie. Nicht alle Anfor­de­run­gen aus jedem Bereich wer­den wohl künf­tig erfüllt wer­den kön­nen – denk­bar ist wohl allen­falls eine Art fried­li­cher Koexis­tenz. »Emp­find­li­che Nut­zun­gen und Struk­tu­ren«, so der Land­schafts­pla­ner, »soll­ten dabei Vor­rang haben.« Das heißt bei­spiels­wei­se auch, die Ent­wick­lung des Was­ser­sports und –tou­ris­mus (bemän­gelt wer­den viel­fach als stö­rend emp­fun­de­ne Motor­schif­fe und –boo­te, ins­be­son­de­re soge­nann­te Par­ty­boo­te) soll begrenzt wer­den. Das geht aller­dings nicht so ein­fach, denn der eigent­li­che See gehört dem Bund und dem Land. Der Bezirk ist nur für die Land­flä­chen zustän­dig und kann die Ent­wick­lung nur dort regle­men­tie­ren, durch die Ver­sa­gung von neu­en Steg­an­la­gen bei­spiels­wei­se. »Wir wol­len kei­nen grö­ße­ren Fahr­gast­schiffs­ver­kehr«, ver­deut­licht Nün­thel die Posi­ti­on des Bezirks hier­zu.

Nach­bar­be­zirk erstellt eben­falls Kon­zept

Der Stadt­rat hat­te vor Erar­bei­tung der Stu­die den Nach­bar­be­zirk Fried­richs­hain-Kreuz­berg um Mit­wir­kung ersucht, schließ­li­ch begrenzt die Halb­in­sel Stral­au den Rum­mels­bur­ger See auf der ande­ren Sei­te. Zunächst kam eine abschlä­gi­ge Ant­wort, doch im Janu­ar 2016 hat Fried­richs­hain-Kreuz­berg selbst ein Büro mit der Erar­bei­tung eines ähn­li­chen Ent­wick­lungs­kon­zep­tes beauf­tragt, die Dr. Sza­ma­tols­ki + Part­ner GbR aus Mit­te. Deren Mit­ar­bei­ter ver­si­cher­ten bei der Dis­kus­si­ons­ver­stal­tung, »im Wesent­li­chen« metho­di­sch am Ent­wick­lungs­kon­zept aus Lich­ten­berg anzu­knüp­fen und eben­falls Hin­wei­se vom Run­den Tisch Rum­mels­bur­ger See auf­zu­neh­men.

Der Rum­mels­bur­ger See und sein Ufer

Der See: Der Rum­mels­bur­ger See, auch Rum­mels­bur­ger Bucht genannt, ist ein Alt­arm der Spree. Er befin­det sich zwi­schen den Bezir­ken Lich­ten­berg und Fried­richs­hain-Kreuz­berg (Halb­in­sel Stral­au). An der süd­li­chen Ver­bin­dung der Rum­mels­bur­ger Bucht gibt es zwei klei­ne Inseln, den Kratz­bruch und die Lie­bes­in­sel. Bei­de ste­hen unter Natur­schutz. Der See und sei­ne Ufer­re­gio­nen wer­den ins­be­son­de­re an den Wochen­en­den von vie­len Ber­li­nern als Nah­erho­lungs­ge­biet genutzt. Der Rum­mels­bur­ger See ist der city­na­he­s­te See Ber­lins.

Die Eigen­tums­ver­hält­nis­se: Die Land­sei­te ist über­wie­gend Bezirks- und Pri­vat­ei­gen­tum, zustän­dig für Pla­nun­gen und Geneh­mi­gun­gen sind die Bezir­ke. Für den See selbst sind Bund und Land zustän­dig – der Bund für den gewerb­li­chen Schiffs­ver­kehr, das Land für die Was­ser­wirt­schaft, den Gewässerschutz/Gewässerökologie und die See­sa­nie­rung.

Die See­qua­li­tät: Durch mehr als hun­dert­jäh­ri­ge gewerb­li­che Nut­zung ist der See stark belas­tet, obwohl um das Jahr 2000 her­um bereits Maß­nah­men zu einer öko­lo­gi­schen Sanie­rung mit dem Absau­gen von Faul­schlamm und einer Spunt­wand, die die Strö­mung am Grund ver­min­dern soll, began­nen. Doch auf dem Boden gibt es noch eine meh­re­re Meter dicke, mit Schwer­me­tal­len und Schad­stof­fen ver­seuch­te Schlamm­schicht. Die Sedi­men­te wer­den durch den Schiffs­ver­kehr immer wie­der auf­ge­wir­belt. Seit Jah­ren ist des­halb Baden im See ver­bo­ten. Kos­ten für eine Total­rei­ni­gung wer­den auf ca. 250 Mil­lio­nen Euro geschätzt. Nun wird über die Ver­sieg­lung von Sedi­men­ten nach­ge­dacht, dazu sol­len noch 2016 drei Test­fel­der ange­legt wer­den.

Die Lich­ten­ber­ger Ufer­sei­te: Wäh­rend auf dem Gebiet der ehe­ma­li­gen Städ­te­bau­li­chen Ent­wick­lungs­maß­nah­me Rum­mels­bur­ger Bucht der Woh­nungs­bau weit­ge­hend abge­schlos­sen ist, wird nahe Ost­kreuz das neue Quar­tier An der Mole geplant. Was­ser­be­zo­ge­ne Gewer­be­trie­be wol­len sich am Stand­ort ent­wi­ckeln. Unklar sind noch die Ent­wick­lun­gen auf dem Gebiet des Heiz­kraft­werks Klin­gen­berg und sei­nes Umfel­des, wo Vat­ten­fall ursprüng­li­ch ein neu­es Kraft­werk bau­en woll­te (Bebau­ungs­pla­nung aus­ge­setzt). Mit den benach­bar­ten Spree-Stu­di­os ent­steht ein neu­er Stand­ort für Kul­tur­schaf­fen­de und die Krea­tiv­wirt­schaft, süd­li­ch des Block­damm­wegs ist ein neu­es Wohn­ge­biet geplant.

Autor: Linna Schererz
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/friedliche-koexistenz/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 16.02.2016

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