Pressespiegel

Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Binnen einer Woche knapp 1.000 Flüchtlinge in Karlshorst

»Erst am Don­ners­tag vor einer Woche haben wir uns die Gebäu­de und das Are­al zum ers­ten Mal ange­se­hen«, sag­te Rüdi­ger Kunz, Pres­se­spre­cher vom Deut­schen Roten Kreuz (DRK), dem Betrei­ber der Unter­kunft. »Da war hier noch alles leer und still.« Sie haben sofort los­ge­legt, 128 Hel­fe­rin­nen und Hel­fer vom DRK. Die Zeit dräng­te. Vor der zen­tra­len Auf­nah­me­stel­le des Lan­des­am­tes für Gesund­heit und Sozia­les (Lage­so) an der Turm­stra­ße 21 in Moa­b­it, der ers­ten Anlauf­stel­le für Ange­kom­me­ne, herrsch­ten teil­wei­se chao­ti­sche Zustän­de. Täg­li­ch kom­men rund 400 neue Flücht­lin­ge nach Ber­lin.

Hilfs­netz­werk über Face­book-Grup­pe?

Die neue Unter­kunft in Karls­hor­st wur­de drin­gend gebraucht, um die Situa­ti­on wenigs­tens etwas zu ent­span­nen. Die Bele­gung ver­lief schnel­ler als geplant. Das Lich­ten­ber­ger Bau­amt und das Gesund­heits­amt wur­den ein­be­zo­gen, Poli­zei und die Feu­er­wehr hal­fen noch bis Frei­tag, 14. August, beim Auf­bau der Feld­bet­ten. Bin­nen weni­ger Tage hat­te sich über die sozia­len Medi­en ein Netz­werk frei­wil­li­ger Unter­stüt­zer für die Flücht­lin­ge und die Aus­stat­tung ihrer ers­ten Unter­kunft in Karls­hor­st gebil­det. Der Name der öffent­li­chen Grup­pe auf Face­book ist ihr Mot­to: »Karls­hor­st hilft«. Vie­le Karls­horste­rin­nen und Karls­horster, aber auch eine gro­ße Zahl Hel­fer aus ande­ren Stadt­tei­len und Bezir­ken Ber­lins sind dabei. Sie ver­stän­di­gen sich, was gebraucht wird, besor­gen es und brin­gen die Sachen – vom Spiel­zeug, Kuschel­tier über kur­ze Som­mer­ho­sen bis hin zu Klei­dern und T-Shirts kur­zer­hand vor­bei. »So etwas habe ich bis­her nur bei der Über­flu­tung in den Hoch­was­ser­ge­bie­ten erlebt«, sagt der Prä­si­dent des DRK-Kreis­ver­ban­des Müg­gel­spree, Jens Qua­de, begeis­tert. »Ich bin noch völ­lig baff über die Hilfs­be­reit­schaft und es wird wohl noch Wochen brau­chen, ehe ich die vie­len posi­ti­ven Ein­drü­cke hier ver­ar­bei­ten kann.« Anwoh­ner spen­de­ten nicht nur eige­ne Klei­dung und Gebrauchs­ge­gen­stän­de. »Da waren Leu­te, die haben für 200 Euro Beklei­dung und Lebens­mit­tel gekauft und sind damit sofort hier­her gekom­men«, so Qua­de. »Wir haben hier bis zu 60 Hel­fe­rin­nen und Hel­fer, die uns dau­er­haft zur Hand gehen.«

Vie­le Frei­will­li­ge packen mit an?

Caro­lin Knei­sel, Team­lei­te­rin beim DRK, ist in einem gro­ßen Raum mit rund 20 Hel­fern dabei, gespen­de­te Klei­dungs­stü­cke ent­ge­gen­zu­neh­men und grob zu sor­tie­ren. »Ein Groß­teil der Sachen haben wir schon an die Bedürf­ti­gen aus­ge­ge­ben, aber es kom­men stän­dig neue Spen­den rein«, sagt sie. Noch fehlt es an geeig­ne­ten Rega­len. In einem Nach­bar­raum sitzt Kirs­ten Genen­ger auf einem pro­vi­so­ri­schen Hocker, Note­book auf dem Schoß. »Web-Redak­ti­on« ist auf dem klei­nen Schild­chen zu lesen, das sie an ihrem Shirt befes­tigt hat. »Ich kom­mu­ni­zie­re den Bedarf auf Face­book und ver­su­che, Hilfs­an­ge­bo­te dafür zu orga­ni­sie­ren«, sagt sie. »Heu­te früh zum Bei­spiel habe ich gepos­tet, dass drin­gend und sofort acht Per­so­nen vor Ort zum Hel­fen benö­tigt wer­den. Nach nur einer Stun­de waren 25 Frei­wil­li­ge hier.« »Wir star­ten drau­ßen gleich mit dem Malen und Kne­ten«, ruft ihr eine Hel­fe­rin über die Schul­ter, wäh­rend sie mit den Uten­si­li­en vor­bei­eilt. Es soll ein Spie­le­nach­mit­tag für die Kin­der wer­den.

Spen­den­auf­ruf für kon­kre­tes Vor­ha­ben?

»Wir sind mit den vie­len Unter­stüt­zern schnell ins Gespräch gekom­men und haben ihnen Räu­me auch zur Web-Admi­nis­tra­ti­on zur Ver­fü­gung gestellt«, sagt Rüdi­ger Kunz. »Es besteht eine enge Koope­ra­ti­on, für die wir sehr dank­bar sind.« Die Grö­ße des Objek­tes und die Zahl der ange­kom­me­nen Flücht­lin­ge sei schon eine Her­aus­for­de­rung, sagt Jens Qua­de und erzählt, dass die Feld­bet­ten lang­sam knapp wer­den – ber­lin­weit. »Vie­le Flücht­lin­ge wer­den für meh­re­re Wochen hier sein. Des­halb haben wir von vorn­her­ein auch an die Schaf­fung einer gewis­sen Sozi­al­struk­tur gedacht.« So wer­den bei­spiels­wei­se auf jeder Eta­ge der Unter­kunfts­ge­bäu­de freie Räu­me vor­ge­hal­ten, die spä­ter für Spie­le, Begeg­nun­gen oder Gesprä­che mit Sozi­al­ar­bei­tern genutzt wer­den kön­nen. Außer­dem star­te man am kom­men­den Mon­tag, 17. August, über Lich­ten­bergs Stell­ver­tre­ten­den Bür­ger­meis­ter und Stadt­rat für Bür­ger­diens­te, Ord­nungs­an­ge­le­gen­hei­ten und Immo­bi­li­en, Dr. Andre­as Prü­fer (Lin­ke), einen gro­ßen Spen­den­auf­ruf an alle Lich­ten­ber­ge­rin­nen und Lich­ten­ber­ger für ein ganz kon­kre­tes Vor­ha­ben: »Wir wol­len hier auf den Frei­flä­chen einen Spiel­park ein­rich­ten«, infor­miert der DRK-Prä­si­dent. »Schau­en sie sich die Kin­der an. Die haben gleich nach­dem sie hier anka­men mit Krei­de den Asphalt bemalt. Egal wo sie her­kom­men, egal, was sie erlebt haben – es sind immer noch Kin­der und sie brau­chen einen Spiel­platz!« Wich­tig sei­en aber auch ein Vol­ley- und Bas­ket­ball­platz für jun­ge Leu­te und eini­ge Park­bän­ke, an denen Men­schen aus ver­schie­de­nen Kul­tu­ren zuein­an­der fin­den könn­ten, so Qua­de. Die Klein­gärt­ner der benach­bar­ten Anla­ge hät­ten schon ihre Hil­fe beim Auf­bau zuge­sagt. Aber es wür­de schlicht und ein­fach Geld benö­tigt, um ent­spre­chen­de Spiel­ge­rä­te zu kau­fen. Wäh­rend täg­li­ch neue Flücht­lin­ge ein­trä­fen, arbei­te man noch immer am Aus­bau der Infra­struk­tur. Zwar sei­en alle Gebäu­de saniert, aber es fehl­ten wei­te­re Dusch-Con­tai­ner. Und auch die Reak­ti­vie­rung der Tele­fon­an­la­ge in dem Objekt stel­le für die Tele­kom, die hier vor­her ihr Domi­zil hat­te, offen­bar ein Pro­blem dar.

30 neue Arbeits­plät­ze?

Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter Mar­tin Pät­zold bedank­te sich ins­be­son­de­re bei allen DRK-Ange­hö­ri­gen für die schnel­le Hil­fe. Das Deut­sche Rote Kreuz sei ein idea­ler Part­ner, um haupt- und ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment zu ver­bin­den. »Ich lade die Hel­fe­rin­nen und Hel­fer ger­ne im Sep­tem­ber zu einer Tages-Bus­tour zum Bun­des­tag und dem Aus­wär­ti­gen Amt sowie zu einem gemein­sa­men Essen ein«, sag­te er. Pät­zold war dem DRK auch kurz­fris­tig behilf­li­ch, einen Kon­takt zum hie­si­gen Job­cen­ter her­zu­stel­len. Es sol­len 30 sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeits­plät­ze geschaf­fen wer­den, um die Arbeit in der Flücht­lings­un­ter­kunft dau­er­haft zu bewäl­ti­gen. »40 Bewer­bungs­ge­sprä­che haben wir hier vor Ort schon geführt. In Kür­ze geht es in die zwei­te Vor­stel­lungs­run­de«, sagt Jens Qua­de.

Bezirk erwar­tet Ende von Ad-Hoc-Bele­gun­gen?

In einer am Frei­tag, 14. August, ver­brei­te­ten Pres­se­mel­dung des stell­ver­tre­ten­den Bezirks­bür­ger­meis­ters, Dr. Andre­as Prü­fer (Lin­ke), in Abstim­mung mit der im Urlaub befind­li­chen Bür­ger­meis­te­rin Bir­git Mon­tei­ro (SPD), heißt es: »Die ehren­amt­li­chen Hel­fe­rin­nen und Hel­fer aus Karls­hor­st und vom Deut­schen Roten Kreuz haben in den letz­ten Tagen schier Unglaub­li­ches geleis­tet.« Ohne ihr Enga­ge­ment wäre die Auf­nah­me der vie­len Flücht­lin­ge in so kur­zer Zeit nicht gelun­gen. »Dafür gebührt Ihnen nicht nur der Dank der Flücht­lin­ge, son­dern der Dank aller Men­schen in Karls­hor­st, Lich­ten­berg und Ber­lin«. Damit sich die Koor­di­nie­rung der Spen­den­be­reit­schaft und auch die Orga­ni­sa­ti­on der Unter­kunft eta­blie­ren kön­ne, erwar­te das Bezirks­amt vom Lage­so, dass die »abend­li­chen Ad-Hoc-Bele­gun­gen mit wei­te­ren Neu­an­kömm­lin­gen nun zu Ende sind« und so Ruhe in den Stand­ort ein­keh­re. Das sei Vor­aus­set­zung, um aus der Not­auf­nah­me­ein­rich­tung eine Gemein­schafts­un­ter­kunft zu ent­wi­ckeln.

Wer sich eben­falls enga­gie­ren möch­te, fin­det eine Über­sicht über aktu­ell benö­tig­te Sach­spen­den und Hilfs­an­ge­bo­te unter nuk.lichtenberg-hilft.de. Wer Geld spen­den will, kann das fol­gen­de Spen­den­kon­to des Deut­schen Roten Kreu­zes nut­zen: IBAN: DE86 1002 0500 0003 2676 06.

Autor: Volkmar Eltzel
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/eine-welle-der-hilfsbereitschaft/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 15.08.2015

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