Pressespiegel

Ein Orden für die Botschafterin für die Kulturen

Die Hohenschönhausenerin Alina Pätzold organisiert seit 15 Jahren interkulturelle Salonabende und engagiert sich als Kommunalpolitikerin. Jetzt bekam die umtriebige Frau den Bundesverdienstorden. 

Was Ali­na Pät­zold jedoch nicht wuss­te: Kurz zuvor hat­te Lich­ten­bergs Vize-Bür­ger­meis­ter Andre­as Prü­fer stolz ver­kün­det, dass eben die­se Frau den Bun­des­ver­dienst­or­den bekom­men wird. »Ich brauch­te erst ein­mal fünf Minu­ten, um das zu ver­ste­hen.«

Bis heu­te ist nicht klar, wer Ali­na Pät­zold für die höchs­te Aus­zeich­nung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor­ge­schla­gen hat. »Ich habe auch nicht dana­ch gefragt«, sagt die 62-jäh­ri­ge Kul­tur­ma­na­ge­rin. In den Ver­dacht kämen dafür vie­le Men­schen: Ali­na Pät­zold ist in Lich­ten­berg, Hohen­schön­hau­sen, Mar­zahn und Hel­lers­dorf bekannt wie der sprich­wört­li­che bun­te Hund. Wofür sie die Medail­le bekam, ist aber kein Geheim­nis: »Frau Pät­zold hat sich in bei­spiel­haf­ter Wei­se um das Ver­ständ­nis und Mit­ein­an­der ver­schie­de­ner Kul­tu­ren in Deutsch­land ver­dient gemacht«, heißt es unter ande­rem aus dem Bun­des­prä­si­di­al­amt in der off­zi­el­len Begrün­dung. Ver­lie­hen wur­de der gebür­ti­gen Arme­nie­rin der Orden von der tür­kisch­stäm­mi­gen Inte­gra­ti­ons­se­na­to­rin Dilek Kolat (SPD). Gera­de in die­sen Tagen, in denen es um die Fra­ge geht, ob der Tod Hun­der­tau­sen­der Arme­nier wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges Völ­ker­mord war, ein fast sym­bo­li­scher Anlass. Auf dem Erin­ne­rungs­fo­to schau­en bei­de Frau­en zufrie­den und lächelnd in die Kame­ra.

Auf­ein­an­der zuge­hen, mit­ein­an­der ins Gespräch kom­men, von­ein­an­der ler­nen und sich respek­tie­ren: Ali­na Pät­zold ist eine Kul­tur­bot­schaf­te­rin ohne Vor­ur­tei­le. Die­se Bezeich­nung ihr nahe­ste­hen­der Men­schen ist kei­ne ein­falls­lo­se Flos­kel, sie hat sich die­sen Titel red­li­ch ver­dient. Mit ihren stets gut besuch­ten Salon­ver­an­stal­tun­gen gibt sie den Kul­tu­ren der Welt Raum. Ange­fan­gen hat­te alles 1999 mit der Rei­he »Hel­ler Salon« um Kul­tur­fo­rum Hel­lers­dorf, dann ging es mit dem »Hoher Salon« und dem »Carls­horster Salon« wei­ter. Mehr als 225-mal orga­ni­sier­te sie ihre Salons, die vom Grund­ge­dan­ken her immer gleich sind: Musi­ker, Künst­ler und Auto­ren eines bestimm­ten Lan­des neh­men die Gäs­te mit auf eine klei­ne Rei­se, dazu gibt es lan­des­ty­pi­sche Spei­sen. Außer­dem kön­nen aus­ge­stell­te Bil­der und Skulp­tu­ren käuf­li­ch erwor­ben wer­den.

Bis heu­te tra­gen die Ver­an­stal­tun­gen die unver­wech­sel­ba­re Hand­schrift von Ali­na Pät­zold, die stets jeden Gast per­sön­li­ch begrüßt, ihn zu sei­nem Platz beglei­tet und ger­ne mit sei­nen Tisch­nach­barn bekannt macht. Vie­le ihrer Gäs­te gehö­ren inzwi­schen zum Stamm­pu­bli­kum. Etli­che zählt sie zu ihrem Freun­des­kreis. »Wenn die ein­mal nicht kom­men, dann sagen sie vor­her Bescheid«, sagt Ali­na Pät­zold. Aber auch die Künst­ler gehö­ren inzwi­schen zu ihrer gro­ßen Fami­lie. Mal gibt es Sam­ba zu hören, mal mexi­ka­ni­sche Klän­ge, mal das Vibrie­ren afri­ka­ni­scher Trom­meln. Auf­ge­regt sei sie auch heu­te noch, trotz aller Rou­ti­ne. »Ein klei­nes biss­chen Lam­pen­fie­ber gehört ein­fach dazu.« Ali­na Pät­zold sagt, dass es für sie kei­ne Gren­zen gibt im ter­ri­to­ria­len Sin­ne. Sie ver­su­che über die Kul­tur alles zu ver­bin­den: »Mein Publi­kum ist sehr neu­gie­rig und offen für Neu­es.« Vie­le Gäs­te hal­ten ihr von Anfang an die Treue. Kuri­os fin­det sie, dass an den Tischen – mit weni­gen Aus­nah­men – meist Deut­sche Platz neh­men. Sehr oft mischen sich aber auch Bot­schaf­ter oder Bot­schafts­an­ge­hö­ri­ge unter das Publi­kum. »Vie­le mei­ner Gäs­te haben sich sehr für mich über die Aus­zeich­nung gefreut«, sagt sie und zeigt einen klei­nen Sta­pel mit Glück­wunsch­schrei­ben.

Dass hin­ter der Orga­ni­sa­ti­on der Salons eine har­te Arbeit steckt, lässt sich die Wahl-Hohen­schön­hau­se­ne­rin und stu­dier­te Sprach­wis­sen­schaft­le­rin nicht anmer­ken. Doch in der Regel begin­nen die Vor­be­rei­tun­gen schon im Herbst des Vor­jah­res. Sie schaut, wel­chen Abend sie wel­chem Land wid­met, erkun­digt sich bei Bot­schaf­ten nach Künst­lern und orga­ni­siert einen Koch oder eine Köchin für die lan­des­ty­pi­schen Spei­sen. Ab und zu springt sie auch selbst ein, wie vor zwei Jah­ren, als die fest gebuch­te geor­gi­sche Köchin kurz­fris­tig ins Kran­ken­haus mus­s­te. »Also stell­te ich mich selbst an dem Ver­an­stal­tungs­tag in die Küche, denn Geor­gi­en ist ja ein Nach­bar­land von Arme­ni­en, vie­le Spei­sen ähneln sich da.« Fast immer hat sie vol­les Haus, sind alle 120 Plät­ze besetzt. »Oft müs­sen wir dann War­te­lis­ten ein­rich­ten«, sagt Ali­na Pät­zold. Springt mal jemand ab, greift sie per­sön­li­ch zum Hörer und infor­miert die »Nach­rü­ck­er«. Neben­bei erle­digt sie auch noch die Pres­se­ar­beit und pflegt Kon­tak­te zu Lokal­jour­na­lis­ten. Viel Arbeit für die agi­le Frau, die zudem noch für die CDU Mit­glied der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung ist. Natür­li­ch wür­de das alles nicht ohne die Men­schen in ihrem Umfeld funk­tio­nie­ren. Gut zehn Frau­en und Män­ner des Kul­tur­rings Ber­lin zäh­len zum Team, das zum Gelin­gen der Salon­aben­de bei­trägt. Mitt­ler­wei­le hat sie sich ein gutes Netz­werk zu den vie­len Bot­schaf­ten in Ber­lin auf­ge­baut, ist dort ein gern gese­he­ner Gast bei Aus­stel­lungs­er­öff­nun­gen oder Emp­fän­gen. Oft kann sie dort auch ihre pro­fun­den Sprach­kennt­nis­se ein­set­zen. Immer­hin spricht Ali­na Pät­zold neben deut­sch auch arme­ni­sch, tür­ki­sch, rus­si­sch und per­si­sch.

Ihren Arbeits­platz hat Ali­na Pät­zold zu Hau­se mit Bli­ck auf die begrün­ten Innen­hö­fe von Neu-Hohen­schön­hau­sen. In einer Fünf­zim­mer-Woh­nung lebt sie gemein­sam mit Ehe­mann Diet­rich, einem frü­he­ren Zei­tungs­kor­re­spon­den­ten, der heu­te als Pres­se­re­fe­rent tätig ist. Ihre Kin­der Mary und Mar­tin sind längst aus­ge­zo­gen. Die Toch­ter arbei­tet in einer gro­ßen Wirt­schafts­kanz­lei. Den Sohn hat es in die hohe Poli­tik ver­schla­gen. Er ist Bun­des­tags­mit­glied. »Mar­tin war es auch, der mich zur Poli­tik gebracht hat«, sagt Ali­na Pät­zold. Bei­de Kin­der erfül­len sie mit gro­ßem Stolz.

Und wie geht es mit der Kul­tur wei­ter? Ali­na Pät­zold über­legt nicht lan­ge. 80 Län­der habe sie in den Salon­ver­an­stal­tun­gen bereits vor­ge­stellt, »min­des­tens 100 sol­len noch dazu kom­men«, sagt sie und schmun­zelt. Dass sie aber ein­mal im über­tra­ge­nen Sin­ne die gan­ze Welt umrun­den wird, glaubt sie nicht. »Das dürf­te dann doch nicht zu schaf­fen sein.«

Autor: Marcel Gäding
Verweis: bezirks-journal.de/2015/05/11/ein-orden-fuer-die-botschafterin-der-kulturen/

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal | 07.05.2015

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