Pressespiegel

Ein Kiez wird zum Museum

Vor dem unschein­ba­ren Plat­ten­bau ist nicht viel los an die­sem Mon­tag­vor­mit­tag. In den leuch­tend gelb gefärb­ten Sträu­chern ver­gnü­gen sich die Amseln und fül­len sich den Schlund mit roten Bee­ren, wäh­rend unten vor der Tür ein Paket­wa­gen hält. Aus der Fer­ne hört man das Rau­schen der Stra­ße Am Tier­park. Eine älte­re Dame schaut kurz aus dem Fens­ter, bevor sie dann wie­der die Gar­di­nen zuzieht. Was ver­mut­li­ch noch nicht bis zu ihr in die sieb­te Eta­ge vor­ge­drun­gen ist: Sie lebt, wie die vie­len Tau­send ande­ren Men­schen auch, in einem Frei­licht­mu­se­um. Denn das Wohn­haus an der Schwarz­meer­stra­ße 23–25 ist eine von 15 Sta­tio­nen der »Info­rou­te Plat­te & Co.«. »Stadt­weit gibt es kaum einen bes­se­ren Ort, wo sich Inter­es­sier­te die Viel­falt der DDR-Plat­ten­bau­ty­pen mit der zuge­hö­ri­gen Frei­flä­chen­pla­nung in nur einem Spa­zier­gang erschlie­ßen kön­nen«, sagt Lich­ten­bergs Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat Wil­fried Nün­thel. 15 Info­ta­fel-Stand­or­te wur­den für die »Info­rou­te Plat­te & Co.« in Fried­richs­fel­de-Süd instal­liert. Dort erhal­ten Inter­es­sier­te Infor­ma­tio­nen dar­über, wie der kom­ple­xe Woh­nungs­bau zu DDR-Zei­ten ent­stand, um wel­che Plat­ten­bau­ty­pen es sich im Ein­zel­nen han­delt und auch, dass die 1926 errich­te­te Spla­ne­mann-Sied­lung die ers­te Plat­ten­bau­sied­lung Deutsch­lands war. Auch der Zeit nach 1990 wer­den Info­ta­feln gewid­met. Dort sind Hin­ter­grün­de zu den umfang­rei­chen Sanie­rungs­maß­nah­men nach der Wen­de zu erfah­ren. Nun ist frag­li­ch, ob die Frei­luft­aus­stel­lung »Plat­ten­bau-Tou­ris­ten« anzieht, wie es das Bezirks­amt etwas voll­mun­dig ankün­digt. Für Archi­tek­ten, Stadt­pla­ner und Stu­die­ren­de dürf­ten die Info­ta­feln aber zumin­dest eine ers­te Ori­en­tie­rung bie­ten, sind sie doch prall gefüllt mit bau­li­chen und sta­tist­schen Details zu den Plat­ten­bau­ty­pen, die sol­che Namen wie QP64, WBS 70 oder P2/11 ver­passt bekom­men haben. Bei jenem Plat­ten­bau an der Schwarz­meer­stra­ße 23–25 han­delt es sich bei­spiels­wei­se um ein soge­nann­tes MGH Mit­tel­gang­haus, des­sen Pla­nung auf das Jahr 1963 zurück­geht. Bäder und Küchen wur­den bereits fer­tig in das Gebäu­de ein­ge­baut. Drin­nen ent­stan­den meist klei­ne Woh­nun­gen. Die meis­ten der 15 dar­ge­stell­ten Pro­jek­te wur­den in den 1960er-Jah­ren in Fried­richs­fel­de-Süd im dama­li­gen Hans­Loch-Vier­tel errich­tet. Von den Bewoh­nern von ein­st woh­nen heu­te noch etli­che dort. Die Wohn­kon­zep­te rei­chen vom klei­nen, fami­liä­ren Vier­ge­schos­ser bis zum soge­nann­ten Punkt­hoch­haus – bei­de zu fin­den an der Volkrad­stra­ße. Wegen der kom­pak­ten Grö­ße vie­ler Woh­nun­gen gibt es in Fried­richs­fel­de­Süd inzwi­schen kaum noch Leer­stand. »Das Vier­tel ist vor allem bei jun­gen Fami­li­en beliebt«, sagt Nün­thel. Die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand: Die U-Bahn ist fuß­läu­fig erreich­bar, die Gegend ist gut mit Stra­ßen­bah­nen und Bus­sen erschlos­sen. Und mit­ten­drin gibt es vie­le Grün­an­la­gen und Spiel­plät­ze.

Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2015/11/BZJ_11_2015_Lichtenberg.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal | 12.11.2015

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