Pressespiegel

Ein Kiez im Aufbruch

Die Han­sea­ti­sche Immo­bi­li­en Treu­hand GmbH+Co errich­tet auf dem Are­al an der Ecke Alt-Fried­richs­fel­de und Gen­sin­ger Stra­ße 75 Rei­hen­häu­ser inklu­si­ve Stell­plät­zen. Und nur weni­ge hun­dert Meter ent­fernt beginnt im Febru­ar der Bau von drei Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern. Lich­ten­berg wächst, das ist im Gen­sin­ger Vier­tel beson­ders gut zu sehen. Bis­he­ri­ge Brach­flä­chen wer­den bis auf den letz­ten Qua­drat­me­ter genutzt, um neue Woh­nun­gen zu schaf­fen. Doch lang­jäh­ri­ge Anwoh­ner sehen das skep­tisch. Bereits jetzt fehlt es im Kiez an Park­plät­zen und Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten. Sehr deut­lich wur­de das am Diens­tag­abend, 26. Janu­ar, auf einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung, zu der Lich­ten­bergs Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat Wil­fried Nün­t­hel (CDU) ein­ge­la­den hat­te.

Kur­ze Prä­sen­ta­ti­on von NCC

Eigent­lich soll­te an die­sem Abend das Bau­vor­ha­ben des skan­di­na­vi­schen Unter­neh­mens NCC vor­ge­stellt wer­den, das bis Ende 2017 direkt neben dem Senio­ren­pfle­ge­heim der Kurs­a­na-Grup­pe 223 Wohn­ein­hei­ten und 139 Stell­plät­ze errich­tet. Das Inter­es­se an sol­chen Pro­jek­ten ist groß im Vier­tel, das bewies der voll besetz­te Saal im Kurs­a­na-Senio­ren­heim, in dem die Ver­an­stal­tung statt­fand. Die Prä­sen­ta­ti­on von NCC-Pro­jekt­lei­ter Frank Hem­pel dau­er­te gera­de ein­mal 20 Minu­ten: Die Woh­nun­gen in den vier- bis fünf­ge­schos­si­gen Wohn­häu­sern ver­fü­gen über Auf­zü­ge, Fuß­bo­den­hei­zung, Ter­ras­sen, Bal­ko­ne, klei­ne Mie­ter­gär­ten, Lami­nat und Ein­bau­kü­chen. NCC baut, das kom­plet­te Port­fo­lio wie­der­um ist bereits an einen pri­va­ten Inves­tor ver­kauft. Der soll die Woh­nun­gen ver­mie­ten. Jede zwei­te Woh­nung hat drei Zim­mer.

Unmut der Nach­barn

In der dar­auf­fol­gen­den Fra­ge­run­de aber ent­lud sich der Unmut der Nach­barn, von denen eini­ge bereits seit drei Jahr­zehn­ten im Kiez woh­nen und sich bis heu­te eng mit ihm ver­bun­den füh­len. Schon jetzt feh­le es an Park­plät­zen, die durch das Wohn­ge­biet in Fried­richs­fel­de füh­ren­de Gen­sin­ger Stra­ße ver­kom­me immer mehr zur Renn­pis­te. Größ­ter Kri­tik­punkt jedoch sind die feh­len­den Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten. Seit der letz­te Super­markt­be­trei­ber vor drei Jah­ren auf­gab, müs­sen die Kiez­be­woh­ner wei­te Wege für ihre Erle­di­gun­gen in Kauf neh­men. Jener Markt befand sich im Forum Kalin­ka, das inzwi­schen Geschich­te ist. Hoff­nun­gen der Zuhö­rer, dass jetzt wenigs­tens beim Bau­vor­ha­ben von NCC auch Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten geplant sind, erfüll­ten sich nicht. Die Bau­ge­neh­mi­gung ist längst erteilt.

Pro­blem bleibt der Ein­zel­han­del

Ein­zel­han­del ist nicht geplant, sag­te Wil­fried Nün­t­hel. Und schob hin­ter­her: »Ich kann kei­nen Ein­zel­händ­ler zwin­gen, hier­her zu kom­men.« Viel­leicht hät­te man die Nach­barn vor­her in die Pla­nun­gen ein­be­zie­hen sol­len, war dann auch der Tenor der Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung. »Es ist ja nun doch alles zu spät, schließ­lich ist alles in Sack und Tüten«, sag­te ein älte­rer Herr. Ein ande­rer Seni­or bemän­gel­te: »War­um wur­den wir nicht vor­her gefragt?« Von Geheim­nis­krä­me­rei war schnell die Rede und von Plä­nen, die heim­lich im Rat­haus geneh­migt wor­den sei­en. Dem wider­sprach der Stadt­rat vehe­ment. Es sei über unter­schied­li­che Kanä­le über das aktu­el­le Bau­vor­ha­ben infor­miert wor­den, außer­dem waren die Fach­aus­schüs­se und die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung invol­viert. Ein Mit­glied des Wirt­schafts- und Umwelt­aus­schus­ses sprang ihm zur Sei­te und bestä­tig­te das. Der Wahl­kreis­ab­ge­ord­ne­te Ole Kreins (SPD) zeig­te sich jedoch sicher, dass man im Rah­men des neu­en Pro­jek­tes Ein­zel­han­del hät­te ermög­li­chen kön­nen.

Stadt­rat will Bür­ger frü­her ein­be­zie­hen

Am Ende ging jeder mit sei­nem eige­nen Fazit nach Hau­se: Ent­täusch­te, vor allem älte­re Anwoh­ner, die wei­ter­hin lan­ge Wege zum Ein­kau­fen ein­pla­nen müs­sen. Und ein Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat, der sich vor­ge­nom­men hat, betrof­fe­ne Nach­barn von Bau­pro­jek­ten noch enger, vor allen Din­gen aber frü­her in Pla­nun­gen ein­zu­be­zie­hen. Im aktu­el­len Fall ist das zu spät. Die ers­ten Bau­fahr­zeu­ge sind bereits am Start. NCC-Pro­jekt­lei­ter Frank Hem­pel gab schließ­lich am Ran­de der Ver­an­stal­tung im Ein­zel­ge­spräch doch noch einen opti­mis­ti­schen Aus­blick: Wenn durch die Neu­bau­vor­ha­ben mehr Men­schen ins Gen­sin­ger Vier­tel zie­hen, könn­te das die stei­gen­de Nach­fra­ge das Inter­es­se bei dem einen oder ande­ren Ein­zel­händ­ler wecken.

von Mar­cel Gäding

Autor: Marcel Gäding
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/ein-kiez-im-aufbruch/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 27.01.2016

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