Pressespiegel

Die unendliche Geschichte

Es ist kurz nach 16 Uhr, als es an der Kreu­zung Mär­ki­sche Allee und Ahrens­fel­der Chaus­see mal wie­der zum Stau kommt. Im Schne­cken­tem­po schie­ben sich die Autos von Mar­zahn und Hohen­schön­hau­sen Rich­tung Ahrens­fel­de. Das klei­ne Dorf am Ran­de Ber­lins muss durch­que­ren, wer zur Auto­bahn will. Und das bedeu­tet: Geduld haben. Jeden Tag tuckern 21.000 Fahr­zeu­ge durch die zwei­spu­ri­ge Dorf­stra­ße von Ahrens­fel­de – meist in einem Tem­po, das es erlaubt, die Bot­schaf­ten jeder ein­zel­nen Wer­be­ta­fel am Stra­ßen­rand auf sich wir­ken zu las­sen. Gin­ge es nach Chris­ti­an Gräff (CDU), Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat von Mar­zahn und Hel­lers­dorf, wür­de es längst eine vier­spu­ri­ge Orts­um­fah­rung geben. Der Dau­er­stau in Ahrens­fel­de wür­de dann der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Die Dorf­stra­ße von Ahrens­fel­de ist Teil der Bun­des­stra­ße 158. Die­se führt lan­ge durch Mar­zahn über die gut aus­ge­bau­te Mär­ki­sche Allee. Kurz vor dem Orts­ein­gang von Ahrens­fel­de ver­engt sich die Stre­cke auf zwei Fahr­spu­ren – pro Rich­tung eine. Schon nach der Wen­de erkann­ten sowohl Ber­li­ner als auch Bran­den­bur­ger Poli­ti­ker, dass sich etwas tun muss. Und in der Tat wur­de 2002 ein ent­spre­chen­des Raum­ord­nungs­ver­fah­ren abge­schlos­sen, 2011 ein Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Dabei wer­den die ver­schie­de­nen Vari­an­ten einer Orts­um­ge­hung geprüft. Anwoh­ner, Bezir­ke, Kom­mu­n­en und Natur­schutz­ver­bän­de haben die Mög­lich­keit, gegen die Pla­nun­gen zu inter­ve­nie­ren. Dem Ver­neh­men nach könn­te der Ver­kehr über eine fast drei Kilo­me­ter lan­ge Neu­bau­stre­cke hin­ter Ahrens­fel­de Rich­tung Blum­berg zur A10 wei­ter­ge­führt wer­den. Zwi­schen der Mär­ki­schen Allee und dem Orts­ein­gang wür­de es einen Tun­nel geben, um die Anwoh­ner vor Lärm zu schüt­zen. Aller­dings ist die­se Vari­an­te mit Mehr­kos­ten ver­bun­den. Wer die­se trägt, ist bis­lang unklar. Die Gesamt­kos­ten – ein höhe­rer zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag – wer­den antei­lig vom Bund sowie den Län­dern Ber­lin und Bran­den­burg über­nom­men. Dabei trägt Ber­lin bis­lang den kleins­ten Teil, wie die Ant­wort auf eine Anfra­ge im Bran­den­bur­ger Land­tag ergab. Dem­nach betei­lig­te sich die Haupt­stadt an den bis­lang ange­fal­le­nen Pla­nungs­kos­ten von rund 1,78 Mil­lio­nen Euro mit gera­de ein­mal 140.000 Euro. Dabei ist Ber­lin in der Pflicht, einen Bei­trag zu leis­ten, wie die bei­den Ber­li­ner Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rä­te Chris­ti­an Gräff (Mar­zahn-Hel­lers­dorf) und Wil­fried Nün­thel (Lich­ten­berg) sagen. »Es geht immer­hin um eine leis­tungs­fä­hi­ge Anbin­dung Ber­lins an die Auto­bahn«, sagt Chris­ti­an Gräff. »Gut wäre es, wenn sich Ber­lin mit dem The­ma befasst«, sagt Wil­fried Nün­thel. Die Wohn­ge­bie­te in Ahrens­fel­de und in Hohen­schön­hau­sen lit­ten der­zeit beson­ders unter der hohen Ver­kehrs­be­las­tung. »Ruhi­ge Sei­ten­stra­ßen wie die Marie-Eli­sa­be­th-von-Hum­boldt-Stra­ße wer­den als Schleich­weg genutzt«, berich­tet Wil­fried Nün­thel. Auch die Gewer­be­stand­or­te in bei­den Bezir­ken, die zum Wirt­schafts­ge­biet Ber­lin-East­side gehör­ten, sei­en im Nach­teil. Lkw, die bei­spiels­wei­se zum neu­en Clean­Tech Busi­ness-Park Ber­lin-Mar­zahn wol­len, müs­sen sich eben­falls durch Ahrens­fel­de quä­len. Chris­ti­an Gräff erwar­tet vom Land Ber­lin, dass es sich zur Orts­um­fah­rung bekennt und auch finan­zi­ell betei­ligt. »Der Nut­zen, den Ber­lin hat, ist grö­ßer als der Vor­teil, den Bran­den­burg haben könn­te.« Auf Nach­fra­ge heißt es von der zustän­di­gen Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung, dass das Abwä­gungs­ver­fah­ren der öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­ge noch nicht abge­schlos­sen ist. »Die Ein­wen­dun­gen und erfor­der­li­chen Erör­te­run­gen ste­hen noch aus«, sagt Spre­cher Derk Ehlert. Grund dafür sei­en Dif­fe­ren­zen zwi­schen dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur, dem Bun­des­rech­nungs­hof sowie Län­dern Ber­lin und Bran­den­burg. Streit­punkt ist der Tun­nel, des­sen Not­wen­dig­keit zumin­dest vom Bun­des­rech­nungs­hof ange­zwei­felt wird. »Der Rech­nungs­prü­fungs­aus­schuss des Bun­des­ta­ges hat des­halb das BMVI auf­ge­for­dert, auf den Tun­nel zu ver­zich­ten und eine eben­er­di­ge Lösung mit Lärm­schutz­wän­den zu pla­nen, sowie den Bedarf an Lärm­schutz unter Ver­wen­dung der Wer­te der Ver­kehrs­pro­gno­se neu zu berech­nen«, erklärt Ehlert. Die­ses Hin und Her dau­ert den Betei­lig­ten vor Ort jedoch zu lan­ge. Ein in die­sem Som­mer unter­zeich­ne­ter Pro­test­brief – die soge­nann­te Ber­lin-Bran­den­bur­ger Erklä- rung – blieb bis­lang ohne nen­nens­wer­tes Echo. Dar­in for­dern sowohl die Bezir­ke Mar­zahn-Hel­lers­dorf und Lich­ten­berg als auch die Gemein­den Ahrens­fel­de-Blum­berg, die IHKs in Ber­lin und Ost­bran­den­burg, die Fach­ge­mein­schaft Bau und der Bun­des­in­dus­trieb­ver­band Ber­lin-Bran­den­burg, schnellst­mög­li­ch mit dem Bau der Umge­hungs­stra­ße zu begin­nen. Vor allem der anhal­ten­de Zuzug in die Regi­on und die stei­gen­de Zahl der Unter­neh­men in Ber­li­nE­ast­side erfor­der­ten eine »leis­tungs­fä­hi­ge Infra­struk­tur­an­bin­dung«. Chris­ti­an Gräff prescht hier sogar ganz kon­kret vor: »Ziel muss es sein, dass wir 2018 mit dem Bau der Orts­um­fah­rung begin­nen kön­nen.«

Autor: Marcel Gäding
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2015/11/BZJ_11_2015_Lichtenberg.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal | 12.11.2015

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