Pressespiegel

Die Discounter rüsten auf

Dort wer­den zwar vor­wie­gend nur Teig­lin­ge auf­ge­ba­cken, doch Lidl wirbt agres­siv mit sei­nem Fri­sche­sor­ti­ment (»Wor­an erkennt man gutes Brot?«). Der Trend zur Moder­ni­sie­rung der Dis­coun­ter ist über­all in Mar­zahn-Hel­lers­dorf und auch im Nach­bar­be­zirk Lich­ten­berg zu ver­zeich­nen. Es geht um die Kun­den – und vor allem um den Anteil am heiß umkämpf­ten Geschäft mit den Ver­brau­chern. Denn nach einer Stu­die der Gesell­schaft für Kon­sum­for­schung (GfK) sin­ken die Umsät­ze von Aldi, Lidl und Co. seit Mona­ten, wäh­rend in den klas­si­schen Super­märk­ten das Geschäft läuft. Nun wol­len die Dis­coun­ter ihren Anteil am Kuchen zurück­er­obern – mit mehr Kom­fort und grö­ße­ren Läden.

Bau­vor­an­fra­gen für alle Lidl-Märk­te

Chris­ti­an Gräff (CDU), Mar­zahn-Hel­lers­dorfs Stadt­rat für Wirt­schaft und Stadt­ent­wick­lung, sagt, dass Lidl für alle noch nicht schon erwei­ter­ten Filia­len im Bezirk Bau­vor­an­fra­gen gestellt habe, Aldi für eini­ge Objek­te. Auch in Lich­ten­berg ist laut Stadt­ent­wick­lungs-Stadt­rat Wil­fried Nün­thel (CDU) eine ähn­li­che Ten­denz zu kon­sta­tie­ren, aller­dings »noch etwas zurück­hal­ten­der«.

Umfas­sen­de Moder­ni­sie­rung

In einem Bei­trag für das mana­ger maga­zin vom Juni die­ses Jah­res hat­te Klaus Geh­rig, Chef der Schwarz-Grup­pe, zu der auch der Dis­coun­ter Lidl gehört, u.a. betont: »Wir wol­len mit Lidl in den bestehen­den Märk­ten stär­ker wer­den.« Ein mil­li­ar­den­schwe­res Inves­ti­ti­ons­pro­gramm sehe vor, bestehen­de Filia­len zu ver­grö­ßern und zu moder­ni­sie­ren. Aus der Lidl-Pres­se­stel­le erreich­te LiMA+ auf Anfra­ge fol­gen­de Ant­wort zum Kurs in Deutsch­land: »Die Kun­den­zu­frie­den­heit prägt unser Han­deln. Gemäß die­sem Leit­satz in den Unter­neh­mens­grund­sät­zen ist Lidl dau­er­haft bestrebt, sein gesam­tes Fili­al­port­fo­lio qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, um den Kun­den eine moder­ne Ein­kaufs­stät­te mit opti­ma­len Ein­kaufs­be­din­gun­gen zu prä­sen­tie­ren. Daher haben wir in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bereits meh­re­re Hun­dert unse­rer Filia­len groß­mo­der­ni­siert.« Zu den Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men gehör­ten je nach Stand­ort bei­spiels­wei­se die Errich­tung einer Ein­kaufs­wa­gen­box mit sepa­ra­ten Ein­kaufs­wa­gen für Roll­stuhl­fah­rer, die Ein­rich­tung einer Back­ni­sche mit Vor­be­rei­tungs­raum, ein groß­zü­gi­ger kom­bi­nier­ter Ein- und Aus­gangs­be­reich, der Ein­bau boden­tie­fer Schau­fens­ter, ein neu­er Flie­sen­fuß­bo­den, ein moder­nes LED-Beleuch­tungs­kon­zept, eine neue Decke und der Anstrich der Wän­de. Auch Umbau­maß­nah­men im Außen­be­reich der Filia­le sorg­ten für mehr Attrak­ti­vi­tät. Dazu gehör­ten zum Bei­spiel die Ver­klei­dung der Fas­sa­de mit Alu­co­bond oder die Sanie­rung des Park­plat­zes, so Clau­di­us Güt­her aus der Lidl-Pres­se­stel­le. Anga­ben zu stra­te­gi­schen Aus­rich­tun­gen oder Inves­ti­tio­nen woll­te er nicht machen.

Kan­ni­ba­lis­mus schä­digt Wohn­um­feld

Die Meta­mor­pho­se der Dis­coun­ter, die schon längst nicht mehr wie in den Anfangs­jah­ren Bil­lig­wa­ren aus Kar­tons und Kis­ten ver­kau­fen, dürf­te die Kun­den zunächst freu­en. Den­no­ch wol­len die Bezir­ke nicht jeden Auf­rüs­tungs­plan zum Dis­coun­ter 2.0 geneh­mi­gen. Denn die Kauf­kraft ist eben nur ein­mal zu ver­tei­len. Sprich: Wenn einer auf­rüs­tet, zie­hen ande­re nach. »Dann hät­ten wir plötz­li­ch meh­re­re 10.000 Qua­drat­me­ter Ver­kaufs­flä­che mehr«, sagt Gräff. Das set­ze bestehen­de Ein­rich­tun­gen und vor allem die Zen­tren unter Druck. Die Fol­ge könn­ten schließ­li­ch Inves­ti­ti­ons­rui­nen sein, städ­te­bau­li­ch ein Desas­ter. Die Kun­den kön­nen dann zwar bil­lig bei Lidl, Aldi, Net­to und Co. ein­kau­fen, ihr Wohn­um­feld und damit die Lebens­qua­li­tät aber lei­det, wenn Märk­te durch eine Kan­ni­ba­li­sie­rung der Han­dels­ein­rich­tun­gen ver­kom­men oder gar geschlos­sen wer­den. So ist es bei­spiels­wei­se am Hel­lers­dor­fer Bou­le­vard Kas­ta­ni­en­al­lee zu beob­ach­ten, wo seit mehr als einem Jahr­zehnt geschlos­se­ne Han­dels­ein­rich­tun­gen das Gesicht des Kie­zes nega­tiv prä­gen.

Nicht alle Plä­ne geneh­mi­gungs­fä­hig

Des­halb will man in den Bezir­ken nicht allen Erwei­te­rungs­plä­nen zustim­men. Wur­den in Mar­zahn-Hel­lers­dorf jüngst etwa die geplan­te Erwei­te­rung von Lidl-Filia­len bei­spiels­wei­se in der Have­mann­stra­ße 33, in der Mär­ki­schen Allee 140A und 276 sowie in der Gotha­er Stra­ße 49 geprüft und als pla­nungs­recht­li­ch zuläs­sig erach­tet, will der Bezirk eine Ver­grö­ße­rung des Lidl-Mark­tes an der Mar­zahner Chaus­see 189 von 799 auf 1.499 Qua­drat­me­ter nicht geneh­mi­gen. Denn zusam­men mit dem gegen­über­lie­gen­den Aldi wür­den sich am nicht in ein Wohn­ge­biet inte­grier­ten Stand­ort dann ca. 2.300 Qua­drat­me­ter Ver­kaufs­flä­che bal­len – zum Scha­den des Orts­teilzen­trums Hele­ne-Wei­gel-Platz und den bereits im Orts­teil Fried­richs­fel­de Ost vor­han­de­nen Nah­ver­sor­gungs­an­ge­bo­ten.

»Wir gucken da sehr gen­au hin«, sagt Gräff. Not­falls scheue man auch juris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen nicht. Der Bezirk las­se sich bei der Beur­tei­lung der Aus­bau­plä­ne der Dis­coun­ter und natür­li­ch auch ande­rer Super­märk­te von sei­nem Zen­tren­kon­zept sowie von ein­zel­nen Bebau­ungs­plä­nen lei­ten, zudem wür­den detail­liert die Aus­wir­kun­gen auf die nächs­ten Nah­ver­sor­ger betrach­tet.

Stand­ort­be­zo­ge­ne Ant­wor­ten

Sein Lich­ten­ber­ger Stadt­rats­kol­le­ge Nün­thel sagt, dass die gegen­wär­ti­ge Über­ar­bei­tung des bezirk­li­chen Zen­tren- und Ein­zel­han­dels­kon­zep­tes (ZEK) hel­fen soll, dif­fe­ren­zier­te, mög­lichst stand­ort­be­zo­ge­ne Ant­wor­ten zu fin­den, um sol­che Plä­ne ein­zu­ord­nen. Er bestä­tigt die Ten­denz zur Erwei­te­rung der Dis­count­märk­te auch für Lich­ten­berg. Die­se beschränk­ten sich nicht auf Lidl. Aldi bewe­ge sich auch in die­se Rich­tung, zum Bei­spiel am Stand­ort Sewan­stra­ße nahe des Tier­park­cen­ters. Bis­her lägen mit einer ein­zi­gen Aus­nah­me in Lich­ten­berg noch kei­ne Bau­vor­an­fra­gen von Lidl vor, es habe aller­dings bereits »zahl­rei­che Gesprä­che gege­ben mit dem Ziel, die bezirk­li­che Sicht zu den beab­sich­tig­ten Stand­orter­wei­te­run­gen aus­zu­lo­ten«. Die Aus­nah­me betref­fe den Stand­ort Mal­chow­er Weg/Falkenberger Chau­see, gegen­über einem neu eröff­ne­ten Ede­ka-Markt. Der Antrag wur­de abge­lehnt. Laut Nün­thel soll das über­ar­bei­te­te ZEK im Früh­jahr nächs­ten Jah­res vor­lie­gen. »Der Hin­weis auf die­se Über­ar­bei­tung hat mög­li­cher­wei­se dazu geführt, dass sich Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men im Bezirk Lich­ten­berg noch etwas zurück­hal­ten«, sagt der Stadt­rat.

Autor: Linna Schererz
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/die-discounter-ruesten-auf/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 05.11.2015

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