Pressespiegel

Der mondäne Süden

Der Wahlkreis 6 bietet einen Kontrast zwischen einfachem und gehobenem Wohnen.

Und in der Tat ist es an die­sem Fleck­chen Erde beson­ders schön: Rund um den Rum­mels­bur­ger See ent­stand nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ein kom­plett neu­es Wohn­vier­tel. Die his­to­ri­schen Gemäu­er der eins­ti­gen berüch­tig­ten Haft­an­stalt sind inzwi­schen Hei­mat jun­ger Fami­li­en. Vie­le von ihnen kön­nen direkt auf das Was­ser bli­cken oder auf der Pro­me­na­de schlen­dern, die sich vom Ost­kreuz am Was­ser ent­lang bis nach Rum­mels­burg durch­zieht. Klei­ne Restau­rants, Boots­ver­lei­he und neu­er­dings auch Damp­feran­le­ge­stel­len brin­gen mari­ti­mes Flair in den über Jahr­zehn­te indus­tri­ell gepräg­ten Kiez, der gemein­sam mit Karls­hor­st den Wahl­kreis 6 bil­det. Aller­dings hat die begehr­te Lage sowohl von Rum­mels­burg als auch vom his­to­ri­sch gewach­se­nen Vil­len­vor­ort Karls­hor­st ihren Preis: Dort wohnt nur, wer es sich auch leis­ten kann. Und das hat durch aus Tra­di­ti­on . Vor allem Karls­hor­st galt schon vor dem Zwei­ten Welt­krieg als Dah­lem des Ostens, in dem sich in ers­ter Linie bür­ger­li­che Fami­li­en nie­der­lie­ßen. Bür­ger­li­ch ist es auch heu­te wie­der im Wahl­kreis 6, in dem rund 45.000 Men­schen leben. Den größ­ten Anteil machen die zwi­schen 27- und 45-Jäh­ri­gen aus: jun­ge Fami­li­en aus allen Tei­len Ber­lins und der Bun­des­re­pu­blik, die ihr Glück im Lich­ten­ber­ger Süd­en fan­den. Das bleibt nicht ohne Fol­gen für das Gemein­we­sen. Plät­ze in Kitas und Schu­len sind knapp, eben­so der Wohn­raum. Zwar ent­ste­hen der­zeit in der Gar­ten­stadt Karls­hor­st wei­te­re Rei­hen- und Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser; auch der Carls­gar­ten ent­lang der Trab­renn­bahn bekommt Zuwachs. Doch in der Regel sind die ange­bo­te­nen Quar­tie­re nicht lan­ge auf dem Markt, trotz der Immo­bi­li­en­prei­se. Für eine Zwei­zim­mer-Eigen­tums­woh­nung bezahlt man inzwi­schen schon mal 300.000 Euro. Wer in Karls­hor­st oder Rum­mels­burg wohnt, schot­tet sich nicht ab – son­dern enga­giert sich mit­un­ter, was man spä­tes­tens bei den The­men­aben­den merkt, zu denen der rüh­ri­ge Bür­ger­ver­ein Karls­hor­st oder der Ver­ein »Wir in Rum­mels­burg« ein­la­den. An kei­nem ande­ren Ort Lich­ten­bergs ist die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Kiez der­art stark wie in Karls­hor­st und Rum­mels­burg. Das Inter­es­se ist groß, wenn es dar­um geht, die Orts­tei­le wei­ter zu ent­wi­ckeln. Als über Nacht ein frü­he­res Tele­kom­ge­bäu­de in der Köpe­ni­cker Allee in eine der größ­ten Not­un­ter­künf­te für Flücht­lin­ge ver­wan­delt wur­de, orga­ni­sier­ten sich die Karls­horster in einer bei­spiel­lo­sen Akti­on und pack­ten bei der Ein­rich­tung des Hau­ses kur­zer­hand mit an. Das Enga­ge­ment vie­ler Karls­horster hält bis heu­te an. Gera­de­zu klein­städ­ti­sch ist das Leben in Karls­hor­st, des­sen Zen­trum sich rund um den vor weni­gen Mona­ten sanier­ten Bahn­hof befin­det. Auf der Tres­ko­wal­lee gibt es alle wich­ti­gen Geschäf­te und Dienst­leis­ter, Bio­lä­den und alte Hand­werks­bä­cke­rei­en, uri­ge Knei­pen und Cafés für Eltern und Kin­der. Eine Dau­er­bau­stel­le im wahrs­ten Sin­ne ist und bleibt der Abschnitt am Bahn­hof, der seit Jah­ren ver­brei­tert wer­den soll. Immer­hin wur­de end­li­ch mit dem Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren begon­nen – die Grund­la­ge dafür, dass die Tres­ko­wal­lee unter der Bahn­brü­cke von der­zeit zwei auf künf­tig vier Spu­ren ver­brei­tert wer­den kann. Kein Wun­der, dass die­ses The­ma auch die Poli­tik der ver­gan­ge­nen Jah­re bestimm­te. Vor allem CDU und SPD besetz­ten die­ses stadt­ent­wick­lungs­po­li­ti­sche The­ma – im Gegen­satz zu Harald Wolf (DIE LINKE). Der eins­ti­ge Ber­li­ner Wirt­schafts­se­na­tor hol­te 2011 das Direkt­man­dat für sei­ne Par­tei, fällt aber in der Prä­senz vor Ort nicht nen­nens­wert auf. Wesent­li­ch agi­ler sind da die bür­ger­li­chen Par­tei­en. Span­nend wird der Wahl­kampf in die­sem Jahr: Die SPD schickt Bau­se­na­tor Andre­as Gei­sel, einen beken­nen­den Karls­horster, ins Ren­nen. Die CDU tritt mit Fabi­an Peter an, der sich mit viel Fleiß vor Ort enga­giert und der­zeit als Refe­rent von Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat Wil­fried Nün­thel (CDU) arbei­tet. Stark sind auch die Grü­nen, die in der Ver­gan­gen­heit mit Ide­en für die Wei­ter­ent­wick­lung der Rum­mels­bur­ger Bucht punk­ten konn­ten.

Autor: Marcel Gäding
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/08/Bezirks-Journal_Lichtenberg_August_2016.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal, Sei­te 8 | 11.08.2016

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