Pressespiegel

Der Bezirk wächst ohne Ende

Politik: Mehr Einwohner und mehr Unternehmen: Nie war Lichtenberg so beliebt wie derzeit. Doch der »Boom« stellt die Verwaltung vor Herausforderungen.

Bezirks­bür­ger­meis­te­rin Bir­git Mon­tei­ro (SPD) ver­mied es auf der Jah­res­pres­se­kon­fe­renz des Bezirks­am­tes, vom Boom­be­zirk zu spre­chen – anders als ihr Vor­gän­ger Andre­as Gei­sel, der es damit in die bun­des­wei­te Pres­se schaff­te. Dass Lich­ten­berg aber wei­ter ste­tig wächst, zei­gen die Zah­len, die Lich­ten­bergs Rat­haus-Che­fin prä­sen­tier­te. Leb­ten 2014 noch 268.000 Men­schen dort, waren es 2015 bereits 275.000. Aktu­el­le Pro­gno­sen gehen davon aus, dass die Zahl der Lich­ten­ber­ger bis zum Jahr 2030 auf 294.000 steigt.

Sel­ten war Lich­ten­berg so beliebt wie der­zeit – was auch die Eck­da­ten aus dem Wirt­schafts­be­reich zei­gen, der Mon­tei­ro unter­stellt ist. Ende 2015 waren in Lich­ten­berg 20.237 Betrie­be regis­triert – 448 mehr als 2014 und 1.600 mehr als 2012. Unter den neu ange­sie­del­ten Fir­men fin­den sich nam­haf­te Fir­men wie das Mei­nungs­in­sti­tut For­sa, DHL oder der Zalan­do-Able­ger Zuumeo. »Wich­tig ist, dass sich die posi­ti­ve Ent­wick­lung auch auf die Arbeits­markt­zah­len nie­der­schlägt«, sag­te Bir­git Mon­tei­ro. So lie­ge die Arbeits­lo­sen­quo­te der­zeit bei 9,6 Pro­zent (2011 noch bei 14 Pro­zent). »Wir rech­nen stark damit, dass wir im Jah­res­ver­lauf unter neun Pro­zent kom­men.«

Um die stei­gen­de Nach­fra­ge nach Woh­nun­gen zu befrie­di­gen, wird an allen Ecken im Bezirk gebaut. Ver­gan­ge­nes Jahr geneh­mig­te das Bezirks­amt den Bau von 2.305 Wohn­ein­hei­ten, sagt Stadt­ent­wick­lungs­stadt­rat Wil­fried Nün­thel. Aktu­ell gebe es Bebau­ungs­plä­ne für wei­te­re 8.200 Woh­nun­gen – dar­un­ter 2.000 auf dem Gelän­de der frü­he­ren Gärt­ne­rei »Wei­ße Tau­be« an der Lands­ber­ger Allee gegen­über von Ikea. Ob die Woh­nun­gen bezahl­bar sein wer­den, ist unklar – denn vie­le Inves­to­ren sind gar nicht Mit­glied im bezirk­li­chen Bünd­nis für Woh­nen, das sich auf mode­ra­te Mie­ten ver­stän­digt hat. Wer der­zeit nach einer güns­ti­gen Woh­nung in Lich­ten­berg sucht, wird nur sel­ten fün­dig. Bei aller Freu­de über den wach­sen­den Bezirk: Der nicht enden wol­len­de Zuzug stellt die Ver­wal­tung für Her­aus­for­de­run­gen, ins­be­son­de­re, was den Bedarf an sozia­ler Infra­struk­tur betrifft, wie Jugend­stadt­rä­tin Dr. San­dra Ober­mey­er (par­tei­los, für DIE LINKE) erklärt. »Wir sind als Bezirk in der Ver­ant­wor­tung, zusätz­li­che Plät­ze zu schaf­fen.«, sag­te sie in Hin­bli­ck auf die Kin­der­ta­ges­stät­ten. Aktu­ell ver­fü­ge der Bezirk über 13.500 Kita­plät­ze; bis 2017 erwar­te man jedoch 17.000 Kin­der im »kita­fä­hi­gen« Alter. Seit 2010 sei die Zahl der Betreu­ungs­plät­ze um ein Drit­tel gestie­gen. »Da Lich­ten­berg wei­ter wächst und die Zahl der Kin­der im Vor­schul­al­ter beson­ders, muss die­ses Tem­po bei­be­hal­ten wer­den.«

Schul­stadt­rä­tin Kerstin Beu­rich (SPD) sagt, dass allein in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren 2.100 neue Grund­schul­plät­ze geschaf­fen wur­den. Ange­sichts stei­gen­der Flücht­lings­zah­len braucht es jedoch für Kin­der aus Flücht­lings­fa­mi­li­en wei­te­re Kapa­zi­tä­ten. So habe die Senats­bil­dungs­ver­wal­tung bis 2020 sie­ben neue Grund­schu­len zuge­si­chert. Aller­dings wer­de sich nicht ver­hin­dern las­sen, dass Flücht­lings­kin­der auch vor Ort in ihren Unter­künf­ten beschult wer­den. Wach­sen­des Lich­ten­berg bedeu­tet auch, dass der Platz im Bezirk knapp wird – etwa für das Par­ken. Weil sich die Situa­ti­on im Wohn­ge­biet Frank­fur­ter Allee-Süd und der Vik­to­ria­stadt beson­ders zuspitzt, soll ein Gut­ach­ten nun klä- ren, ob das Par­ken dort kos­ten­pflich­tig wird. Gera­de wur­de die Aus­schrei­bung gestar­tet. »Wir gehen davon aus, dass uns die Ergeb­nis­se noch vor den Wahlen im Herbst vor­lie­gen wer­den«, sag­te Dr. Andre­as Prü­fer (DIE LINKE), Bezirks­stadt­rat für Bür­ger­diens­te, Ord­nungs­an­ge­le­gen­hei­ten und Immo­bi­li­en. Wie berich­tet, nut­zen vor allem Auto­fah­rer aus dem Nach­bar­be­zirk Fried­richs­hain-Kreuz­berg die kos­ten­lo­sen Park­plät­ze in Lich­ten­berg – weil sie in ihrem Kiez seit ver­gan­ge­nem Jahr dafür bezah­len müs­sen.

Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/03/BZJ_03_2016_Lichtenberg.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal | 10.03.2016

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