Pressespiegel

Demonstranten pfeifen auf die AfD

Bezirkspolitik: Die erste Sitzung der BVV wurde von Protesten begleitet. 

Vor dem Tagungs­saal hat­te sich ein Spa­lier von Demons­tran­ten gebil­det – dar­un­ter Mit­glie­der des Bünd­nis­ses »Bun­ter Wind für Lich­ten­berg«, aber auch Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Gesi­ne Lötz­sch und die desi­gnier­te Bezirks­bür­ger­meis­te­rin Evrim Som­mer (bei­de Die Lin­ke).

Die Sit­zung der neu­en BVV lief dann wei­test­ge­hend fried­li­ch. Alters­prä­si­dent Man­fred Becker (SPD) ließ es sich den­no­ch nicht neh­men, in sei­ner Eröff­nungs­re­de auch den Ein­zug der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land zu the­ma­ti­sie­ren. Er sprach – deut­li­ch an die AfD-Frak­ti­on gerich­tet, von einem Bezirk Lich­ten­berg, »in dem es kei­nen Platz gibt für Natio­na­lis­mus, Ras­sis­mus und Frem­den­feind­lich­keit« und ern­te­te viel Applaus aller Frak­tio­nen – mit Aus­nah­me der AfD. 

Erwar­tungs­ge­mäß wähl­te die BVV Rai­ner Bos­se (Die Lin­ke) zum alten und neu­en Vor­ste­her der BVV. Es ist für den Kom­mu­nal­po­li­ti­ker das 24. Jahr an der Spit­ze eines Bezirks­par­la­ments. Bos­se erhielt 38 Ja-Stim­men, 13 Nein-Stim­men und drei Ent­hal­tun­gen. Ohne Pro­ble­me wur­den auch die bei­den Bei­sit­zer von CDU und Grü­ne, Pas­cal Ribble und Robert Poh­le, gewählt. Der Kan­di­dat der AfD für den BVV-Vor­stand, Uwe Din­da, fiel im ers­ten Wahl­gang durch. Im zwei­ten erhielt er 13 Ja-Stim­men, 12 Nein-Stim­men und 18 Ent­hal­tun­gen und schaff­te es damit knapp.

Wesent­li­ch span­nen­der aber dürf­te die Sit­zung der BVV am 17. Novem­ber sein. Die Ankün­di­gung der AfD, den Hoch­schul­do­zen­ten Wolf­gang Hebold als Stadt­rat in das Bezirks­amt zu schi­cken, sorg­te par­tei­über­grei­fend für Pro­test. Hin­ter­grund sind angeb­li­ch frem­den­feind­li­che Äuße­run­gen Hebolds. »Ras­sis­ti­sche Sprü­che und Schlag­wor­te aus dem rech­ten Lager gehö­ren nicht in den All­tag der Poli­tik in Lich­ten­berg!«, erklär­te die desi­gnier­te Bezirks­bür­ger­meis­te­rin Evrim Som­mer. »So etwas wer­den wir hier nicht tole­rie­ren!« Camil­la Schuler, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen, sag­te: »Mit der Nomi­nie­rung von Wolf­gang Hebold ent­larvt sich die AfD Lich­ten­berg ein­mal mehr und zeigt wes Geis­tes Kind sie ist und was Lich­ten­berg in den kom­men­den fünf Jah­ren von ihr erwar­ten darf. Het­zen­de Men­schen wie Hebold haben im Rat­haus Lich­ten­berg nicht das Gerings­te zu suchen!« Daher lehn­ten die Grü­nen Hebold ab. Kevin Höni­cke, der Chef des SPD-Frak­ti­on, nennt die Nomi­nie­rung Hebolds eine Pro­vo­ka­ti­on: »Je mehr ich über die­sen Vor­schlag nach­den­ke, desto mehr erhal­te ich den Ein­druck, dass die­se Frak­ti­on gar nicht möch­te, dass der Stadt­rat gewählt wird.« Der Lich­ten­ber­ger SPD-Kreis­vor­sit­zen­de Ole Kreins sagt: »Wenn die AfD kei­nen qua­li­fi­zier­ten Kan­di­da­ten stellt, wird er Spieß­ru­ten lau­fen.«

Der in der Kri­tik ste­hen­de Hebold nutzt sei­ne Inter­net­prä­senz unter­des­sen, um sich zu recht­fer­ti­gen. Medi­en wie der RBB, der Tages­spie­gel, Neu­es Deutsch­land und die Ber­li­ner Zei­tung kom­men dabei gar nicht gut weg. Von den Ermitt­lun­gen gegen ihn habe er aus der Pres­se erfah­ren, schreibt Hebold und weist auf die Unschulds­ver­mu­tung hin: »Ich ste­he nicht mal vor Gericht. Es läuft ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren«, heißt es in sei­nem Blog wei­ter. Rich­tig sei, dass er bestimm­te Begriff­lich­kei­ten benutzt habe. »Ja, ich habe auf mei­nem Blog die Worte Musel­ma­ne und Kopf­tuch­mos­lem gebraucht. Na und? Was am Wort Musel­ma­ne ist frem­den­feind­li­ch oder gar ras­sis­ti­sch? Kann mir das mal jemand erklä­ren. Der Begriff Kopf­tuch­mos­lem ist spöt­telnd gemeint. Und straf­recht­li­ch rele­vant sind die Begrif­fe schon gar nicht.« 

Die BVV-Sit­zung am 17. Novem­ber wird auch in ande­rer Hin­sicht span­nend: Die desi­gnier­te Bezirks­bür­ger­meis­te­rin Evrim Som­mer bestä­tig­te, dass es zwi­schen der Links­par­tei und der SPD sowie zwi­schen der Links­par­tei und den Grü­nen Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen gebe. Details woll­te sie mit Ver­weis auf eine am Tag vor der Bezirks­amts­wahl geplan­te Pres­se­kon­fe­renz nicht ver­ra­ten – auch nicht, wer wel­ches Res­sort besetzt. »Aller­dings sind wir uns auch einig dar­über, dass die AfD nicht das Schul­res­sort ver­ant­wor­ten soll«, sag­te Som­mer

Autor: Marcel Gäding
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2016/11/BZJ_11_2016_Lichtenberg.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal, Sei­te 2 | 10.11.2016

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