Pressespiegel

Bebauungsplan Ostkreuz vor Ziellinie

Einwohnerversammlung mit Forderung nach neuer Schule

»Hil­fe wir plat­zen« und »Eine neue Schu­le für Rum­mels­burg« war auf hoch­ge­hal­te­nen Schil­dern zu lesen. »Der­zeit wer­den hier 420 Schü­le­rin­nen und Schü­ler unter­rich­tet«, sag­te Clau­dia Engel­mann, Vor­sit­zen­de des Bezirks­el­tern­aus­schus­ses Lich­ten­berg. »Im nächs­ten Schul­jahr sol­len es schon 520 sein und eine Pro­gno­se sagt 850 Schü­ler in zwei Jah­ren vor­aus.« Gebraucht wer­de auch drin­gend eine Sport­hal­le.

Der Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung Wil­fried Nün­thel (CDU) sag­te, dass bis Mit­te Mai eine Unter­su­chung lau­fe, ob sich der ehe­ma­li­ge Poli­zei­stand­ort an der Haupt­stra­ße 8 für die Her­rich­tung einer Schu­le eig­ne. Eine schnel­le­re Lösung könn­te sich an der Lück­stra­ße 4–5 neben dem Block­park erge­ben. »Der Bezirk bemüht sich gera­de um die Rück­über­tra­gung der Flä­che vom Lie­gen­schafts­fonds, dann könn­te dort ein Mobi­ler Ergän­zungs­bau für eine Schu­le ent­ste­hen oder eine Turn­hal­le errich­tet wer­den«, so der Stadt­rat. Der zusätz­li­che Woh­nungs­bau am Ost­kreuz bie­te Platz für etwa 700 Ein­woh­ner, dar­un­ter ca. 42 Kin­der im schul­pflich­ti­gen Alter, also sie­ben pro Jahr­gang. Joa­chim Sich­ter, Refe­rats­lei­ter der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt, gab zu beden­ken, »dass ein Grund­schul­stand­ort fuß­läu­fig erreich­bar sein muss«.

Zum Bebau­ungs­plan »Ost­kreuz«

Schon vor 22 Jah­ren wur­de der Bebau­ungs­plan XVII-4 »Ost­kreuz« auf­ge­stellt. Die römi­sche 17 erin­nert noch dar­an, dass Lich­ten­berg vor der Bezirks­fu­si­on 2001 ein­mal der 17. Bezirk Ber­lins war und die »Vier« steht für 4. Bebau­ungs­plan nach der Wen­de 1989. Seit­dem wur­de viel Papier beschrie­ben. Es geht um den Rah­men für die Neu­ge­stal­tung und Bebau­ung der Flä­che zwi­schen der Markt­stra­ße im Nord­os­t­en, der Karls­horster Stra­ße im Osten, dem Rum­mels­bur­ger See im Süd­os­t­en sowie der Kynast­stra­ße und dem Bahn­hof Ost­kreuz im Wes­ten. Die Kynast­stra­ße selbst gehört nicht mehr zum Plan­ge­biet. Noch bis ein­schließ­li­ch 11. März läuft die Betei­li­gung der Öffent­lich­keit und die öffent­li­che Aus­le­gung der Plan­un­ter­la­gen im Stadt­ent­wick­lungs­amt des Bezirks­am­tes Lich­ten­berg, Alt-Fried­richs­fel­de 60, Haus 2, 12. Eta­ge, Raum 2.1210A. (Mo.-Mi. von 8–16 Uhr, Do. von 8–18 Uhr, Fr. von 8–13 Uhr sowie nach tele­fo­ni­scher Ver­ein­ba­rung.) Die Unter­la­gen sind aber auch im Inter­net auf­ruf­bar.

Vie­le Gut­ach­ten

Neben der aus­führ­li­chen Begrün­dung zum B-Plan wur­den Gut­ach­ten zum Boden und zur Gefähr­dung durch Alt­las­ten, zum Arten­schutz, zum Ein­griff in die Natur­land­schaft, zum Ein­zel­han­del, zu Luft­schad­stof­fen, zum Schall und zum Ver­kehr sowie ein Ent­wäs­se­rungs­kon­zept und eine Unter­su­chung der Fau­na erstellt. Georg Klenk von der Bera­tungs­ge­sell­schaft für Stadt­er­neue­rung und Moder­ni­sie­rung mbH erläu­ter­te noch ein­mal Schwer­punk­te des B-Pla­nes. Im nörd­li­chen Bereich der Markt­stra­ße, wo sich ehe­mals ein Stand­ort der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft befand (sie­he Kar­te 1), sei eine Jugend­her­ber­ge schon fast fer­tig­ge­stellt. In der angren­zen­den ehe­ma­li­gen Poli­zei­wa­che könn­te eine Jugend­ein­rich­tung für betreu­tes Woh­nen ent­ste­hen. An der Süd­west­sei­te der Kreu­zung Kynast-/Hauptstraße (Kern­ge­biet MK1, sie­he Kar­te 2) ist ein sie­ben­ge­schos­si­ges Geschäfts­haus für Büro-, Hotel- und Ein­zel­han­dels­nut­zung vor­ge­se­hen. Ent­lang der Haupt­stra­ße fol­gen öst­li­ch die drei Misch­ge­bie­te (MI 1–3) mit sie­ben­ge­schos­si­gen Wohn­häu­sern und wohn­ver­träg­li­chem Gewer­be. Süd­li­ch der Plan­stra­ße 2 schlie­ßen sich noch­mals drei Kom­ple­xe mit Wohn­häu­sern an. Von einem Stadt­platz am Bahn­hof Ost­kreuz soll für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer eine beleuch­te­te Pro­me­na­de zum Rum­mels­bur­ger See füh­ren (gelb schraf­fiert), an des­sen Ufer natur­na­he Grün­flä­chen ange­dacht sind. Direkt am Bahn­hof (Gebiet MI4) sind noch ein­mal acht­ge­schos­si­ge Bau­ten mög­li­ch. Hier hat ein poten­zi­el­ler Investor sein Inter­es­se zur Errich­tung eines Was­ser­hau­ses bekun­det. Und am äußers­ten süd­li­chen Ende bil­det ein eben­falls acht­ge­schos­si­ger Bau den Abschluss des Plan­ge­bie­tes. Dach­be­grü­nun­gen für alle Gebäu­de und die Anpflan­zung von 100 Bäu­men sol­len fest­ge­schrie­ben wer­den.

Ein Kom­pro­miss für alle

»Der vor­lie­gen­de Bebau­ungs­plan ist auf dem neu­es­ten wis­sen­schaft­li­ch-tech­ni­schen Stand und stellt gesun­de Wohn- und Arbeits­be­din­gun­gen sicher«, sag­te Diet­mar Nös­ke, Grup­pen­lei­ter für Lich­ten­berg Süd im Stadt­ent­wick­lungs­amt. Er beglei­tet das Ver­fah­ren bereits seit 15 Jah­ren und sieht jetzt end­li­ch die Mög­lich­keit, den Bebau­ungs­plan zur Fest­set­zung zu brin­gen. Der Plan las­se künf­ti­gen Bau­her­ren genü­gend Spiel­räu­me und berück­sich­ti­ge weit­ge­hend alle Belan­ge. Ja, durch die Plan­stra­ßen gelan­ge teil­wei­se Lärm ins Gebiet. Sie sei­en jedoch für die mehr­sei­ti­ge Erschlie­ßung unum­gäng­li­ch, so der Stadt­pla­ner. U-för­mi­ge Bau­ten und Schall­schutz­fens­ter an den Rand­häu­sern zur Stra­ße hin wür­den die Geräusch­ku­lis­se auf ein ver­träg­li­ches Maß min­dern. Tobi­as Trom­mer, Akti­vist einer Initia­ti­ve rund um das Ost­kreuz, ver­trat die Mei­nung, dass Vor­schlä­ge von Bür­gern zu wenig in das Ver­fah­ren ein­ge­flos­sen sei­en. Er erin­ner­te an Anre­gun­gen für einen durch­gän­gig geschlos­se­nen Bau ohne Stra­ßen und einen 25 Meter-Abstand zum Ufer. Lan­des­ei­ge­ne Flä­chen soll­ten nicht ver­kauft wer­den.

Boden­aus­tau­sch wegen Alt­las­ten

Wolf­ram Sie­wert von der Pla­nungs­grup­pe Cas­sens + Sie­wert erör­ter­te auf Nach­fra­ge, dass auf bestimm­ten Teil­flä­chen für »sen­si­ble Nut­zung« auf­grund der Schad­stoff­be­las­tung ein Boden­aus­tau­sch von 40 Zen­ti­me­tern bis zu einem Meter Tie­fe not­wen­dig sei. Im Gut­ach­ten der Alt­las­ten­be­wer­tung heißt es dazu: »Ins­be­son­de­re in den geplan­ten öffent­li­chen Grün­flä­chen mit Spiel­platz besteht ein erwei­ter­ter Erkun­dungs­be­darf, da im Ober­bo­den als auch in tie­fe­ren Boden­schich­ten Schad­stoff­ge­hal­te ermit­telt wur­den, die die Prüf­wer­te für Kin­der­spie­len und Woh­nen über­schrei­ten. Zur Gefah­ren­ab­wehr wird ein groß­flä­chi­ger Boden­aus­tau­sch im Rah­men der Grün­flä­chen­her­stel­lung mit abschlie­ßen­der Über­prü­fung der Flä­che gem. BBo­dSchV vor­ge­schla­gen.«

2017 Bau­be­ginn mög­li­ch

»Grün- und Ver­kehrs­flä­chen blei­ben bzw. wer­den Eigen­tum des Bezirks«, sag­te der Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung Wil­fried Nün­thel (CDU). Auch Jugend- und Kul­tur­ein­rich­tun­gen las­se der Plan zu. Vor­aus­set­zung sei, dass es auch ent­spre­chen­de Anbie­ter gebe. Wenn der B-Plan noch in die­sem Jahr fest­ge­setzt wür­de, so der Stadt­rat, dann wäre 2017 ein Bau­be­ginn mög­li­ch. Nach der Betei­li­gung der Öffent­lich­keit wird es auf­grund der ein­ge­ar­bei­te­ten Ände­run­gen zunächst jedoch noch eine drit­te Betei­li­gung der Behör­den und sons­ti­gen Trä­ger öffent­li­cher Belan­ge geben.

Autor: Volkmar Eltzel
Verweis: www.lichtenbergmarzahnplus.de/bebauungsplan-ostkreuz-vor-ziellinie/

Quelle: LichtenbergMarzahnPlus | 24.02.2016

Print Friendly, PDF & Email
Zurück zu allen Beiträgen