Pressespiegel

AfD-Kandidat scheitert an fehlender Mehrheit

Es kam, wie es ange­kün­digt war: Der von der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) auf­ge­stell­te Hoch­schul­do­zent Wolf­gang Hebold wird vor­er­st nicht Bezirks­stadt­rat und damit Mit­glied des Bezirks­am­tes. Die Frak­tio­nen von Lin­ke, SPD, Grü­ne und CDU dem Kan­di­da­ten in der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) ver­wei­ger­ten ihm geschlos­sen die Zustim­mung. Im ers­ten Wahl­gang erhielt Hebold elf Ja-Stim­men, 41 Ver­ord­ne­te stimm­ten gegen ihn. Beim zwei­ten Anlauf gab es zwölf Ja-Stim­men, 40 Nein-Stim­men und eine Ent­hal­tung. Die AfD beließ es dabei, so dass die Wahl im Janu­ar fort­ge­setzt wird. Schon Wochen zuvor hat­ten die ande­ren in der BVV ver­tre­te­nen Par­tei­en ange­kün­digt, dass Hebold auf Grund sei­ner Ver­gan­gen­heit nicht wähl­bar sei. Hin­ter­grund sind Ermitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft gegen den Aka­de­mi­ker, dem vor­ge­wor­fen wird, sich frem­den­feind­li­ch geäu­ßert zu haben. Hebold selbst beteu­ert in sei­nem Blog das Gegen­teil und zieht, wo er nur kann, in ver­bes­se­rungs­wür­di­gem Deut­sch unter ande­rem über die Pres­se her.

Der AfD steht nach der Ber­lin-Wahl, bei der sie für die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) 19,2 Pro­zent der Wäh­ler­stim­men erlang­te, ein Pos­ten im Bezirks­amt zu. Kurz nach­dem bekannt wur­de, dass sie Wolf­gang Hebold für das Amt des Bezirks­stadt­ra­tes nomi­nier­te, über­schlu­gen sich die Mel­dun­gen zu sei­ner Ver­gan­gen­heit. Im Früh­jahr hat­te er unter ande­rem Lehr­auf­trä­ge an Ber­li­ner Hoch­schu­len ver­lo­ren. Gleich­zei­tig lei­te­te die Ber­li­ner Staats­an­walt­schaft nach Anga­ben ihres Spre­chers Mar­tin Steltner ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Hebold ein. Hin­ter­grund sind Ver­öf­fent­li­chun­gen Hebolds, die »den Anfangs­ver­dacht einer Volks­ver­het­zung« begrün­den, wie Steltner auf Nach­fra­ge von Bezirks-Jour­nal und LiMa+ sag­te. »Im Rah­men einer Durch­su­chung wur­den Beweis­mit­tel sicher­ge­stellt, die nun aus­ge­wer­tet wer­den«, sag­te Steltner. Zu Details, wann die Durch­su­chung statt­fand oder wel­che Pas­sa­gen Hebolds den Anlass für das Ermitt­lungs­ver­fah­ren gaben, woll­te sich der Spre­cher nicht äußern. Die Lin­ke äußer­te Zwei­fel an Hebolds Eig­nung und Sach­kun­de, wäh­rend ihm Hen­ning Fah­ren­berg von der SPD-Frak­ti­on »men­schen­ver­ach­ten­de Äuße­run­gen« vor­warf. Hebold ver­such­te, auf zahl­rei­che Fra­gen der Ver­ord­ne­ten ein­zu­ge­hen, wich aber in prä­gnan­ten Punk­ten aus.

Über Nacht stadt­be­kannt

Über­haupt macht Lich­ten­berg seit Wochen Schlag­zei­len. Denn zunächst soll­te die lin­ke Spit­zen­kan­di­da­tin Evrim Som­mer Bezirks­bür­ger­meis­te­rin wer­den. Zwei­mal jedoch ver­fehl­te sie im Novem­ber die erfor­der­li­che Mehr­heit und konn­te nicht auf alle Stim­men von Lin­ke, SPD und Grü­ne zäh­len. Die­se hat­ten ver­ein­bart, Som­mer zur Bezirks­bür­ger­meis­te­rin zu küren. Als die Wahl über die Büh­ne gehen soll­te, mach­te eine Mel­dung vom RBB die Run­de, Som­mer habe ihre Bio­gra­fie geschönt und unbe­rech­tigt aka­de­mi­sche Titel benutzt. Die Bezirks­amts­wahl wur­de dar­auf­hin abge­bro­chen und ver­tagt. Vier Tage nach dem Wahl-Desas­ter zog Som­mer ihre Kan­di­da­tur zurück. Die Lin­ke nomi­nier­te dar­auf­hin Micha­el Grun­st und Kat­rin Fram­ke.

Zu Beginn der Sit­zung hat­te das Bünd­nis »Bun­ter Wind für Lich­ten­berg« vor dem BVV-Saal gegen die AfD pro­tes­tiert. Kur­ze Zeit spä­ter kam es im Ple­num zu einem Zwi­schen­fall, als BVV­Vor­ste­her Rai­ner Bos­se (Die Lin­ke) auf Ver­lan­gen der AfD Zuschau­er auf­for­der­te, ein Pro­test­pla­kat mit der Auf­schrift »Stoppt die geis­ti­ge Brand­stif­tung« zu ent­fer­nen. Die­se wei­ger­ten sich zunächst und hin­der­ten Bos­se dar­an, das Trans­pa­rent abzu­neh­men. Es kam zu einem kur­zen Geran­gel zwi­schen dem Vor­ste­her und den Demons­tran­ten. Poli­zei­be­am­te ver­wie­sen die meist jun­gen Leu­te des Saa­les.

Wäh­rend die AfD zunächst auf einen drit­ten Wahl­gang ver­zich­te­te, hol­te Hebold am Tag nach der Wahl zum ver­ba­len Gegen­schlag aus – und ver­un­glimpf­te SPD, Lin­ke und Grü­ne. »Ein­mal mehr zeig­te sich dort die gesam­te Mann­schaft von Nul­len – egal ob nun aus der Lin­ken, den Sozi­al­de­mo­kra­ten oder den Grü­nen«, schrieb Hebold in sei­nem Blog in Anspie­lung auf die Demo der lin­ken Grup­pe. »Wo hier, also bei die­sem Lokal­par­la­ment, das Pro­blem liegt, hat man gleich zu Anfang gemerkt. Die­se Herr­schaf­ten kön­nen nicht den­ken.« Kurz vor Redak­ti­ons­schluss die­ser Aus­ga­be wur­de bekannt, dass die AfD nicht erneut mit Wolf­gang Hebold ins Ren­nen geht. Nach Infor­ma­tio­nen des Bezirks-Jour­nals soll nun der Beam­te Frank Eli­schew­ski, Mit­glied im AfDKreis­vor­stand, für das Bezirks­amt Lich­ten­berg kan­di­die­ren.

Autor: Marcel Gäding
Verweis: bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2017/01/Bezirks-Journal-Lichtenberg-Januar-2017.pdf

Quelle: Lichtenberger Bezirks-Journal, Sei­te 2 | 12.01.2017

Print Friendly, PDF & Email
Zurück zu allen Beiträgen