Meldung

Unzufriedenheit, Hoffnungslosigkeit und Resignation – ein Besuch der JVA Tegel

Zusätz­li­ch zu der Gele­gen­heit, das All­tags­le­ben im Gefäng­nis haut­nah zu erle­ben, war es für die Jun­ge Uni­on beson­ders wich­tig her­aus­zu­fin­den, wie die poli­ti­sche Situa­ti­on um das The­ma Jus­tiz steht. Schnell wur­de deut­li­ch, wel­che Defi­zi­te in der Anstalt vor­herr­schen und wel­che Aus­wir­kun­gen dies sowohl auf die Insas­sen als auch auf die Ange­stell­ten hat. Der Per­so­nal­rats­vor­sit­zen­de der JVA Tegel, Udo Schwar­ze, der uns kom­pe­tent durch die Anstalt führ­te, beton­te in ers­ter Linie den enor­men Per­so­nal­man­gel. Von die­sem Pro­blem lie­ßen sich wei­test­ge­hend alle wei­te­ren ablei­ten: Sicher­heits­lü­cken, man­geln­de Betreu­ung, Ein­schrän­kung für Gefan­ge­ne usw. Aus all die­sen ent­steht dann ein enor­mes Maß an Frus­tra­ti­on. Doch wenn es in die Dis­kus­si­on unter den Macht­trä­gern in der Poli­tik geht, dann will davon nie­mand etwas wis­sen.

San­dra Ger­städt, stell­ver­tre­ten­de Kreis­vor­sit­zen­de der Jun­gen Uni­on Lich­ten­berg, war ent­setzt über die Situa­ti­on vor Ort. »Wie die Ber­li­ner Jus­tiz­se­na­to­rin Gisela von der Auge (SPD) die Augen vor den Pro­ble­men unse­rer Jus­tiz­voll­zugs­an­stal­ten ver­schlie­ßen kann, ist mir unbe­greif­li­ch. Man hat das Gefühl, alle Straf­tä­ter wer­den kate­go­ri­sch abge­stem­pelt, ein­ge­sperrt und ver­ges­sen. Doch dass nicht jeder Gefan­ge­ne auto­ma­ti­sch ein Schwerst­ver­bre­cher ist und dass Reso­zia­li­sie­rung das Voll­zugs­ziel in die­sem Land ist, wofür gera­de die Poli­tik die Grund­la­gen schaf­fen muss, scheint hier nicht rich­tig ange­kom­men zu sein. Zwölf Voll­zugs­be­am­te als Zustän­di­ge für ein Haus mit 380 Gefan­ge­nen und in der Pres­se wird ver­lau­tet: wir haben kein Per­so­nal­pro­blem. Das ist der Gip­fel der Dreis­tig­keit!«

Herausgeber: Junge Union Lichtenberg | 26.10.2009

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