Meldung

Rede im Deutschen Bundestag zum Thema Kinderarmut

»Sehr geehr­te Frau Prä­si­den­tin, sehr geehr­te Damen und Her­ren. Die Kin­der­ar­mut ist ein wich­ti­ges The­ma. Des­we­gen ist es gut und rich­tig, dass heu­te in der Aktu­el­len Stun­de auf Ver­lan­gen der Lin­ken auch die Ber­tels­mann-Stu­die dis­ku­tiert wird. Sie wer­den wenig über­rascht sein, dass ich im Ver­lauf mei­ner Rede zu ande­ren Schluss­fol­ge­run­gen kom­men wer­de als Sie, die Sie bis­her dar­ge­stellt haben, wie Kin­der­ar­mut bekämpft wer­den soll. Aber das, was in der sozia­len Markt­wirt­schaft klar ist, ist dass es das Ver­spre­chen gibt, dass jedes Kind, das sich anstrengt, die glei­chen Chan­cen haben muss, aus sich etwas zu machen.

Bei uns sol­len Zukunfts­chan­cen für alle gel­ten, unab­hän­gig von der Her­kunft. Dafür haben wir uns in der sozia­len Markt­wirt­schaft immer ein­ge­setzt. Chan­cen­ge­rech­tig­keit und Chan­cen­gleich­heit bedeu­tet aber nicht – da unter­schei­den wir uns ganz deut­li­ch -, dass es Ergeb­nis­gleich­heit gibt. Das heißt, wir wer­den nie Ergeb­nis­gleich­heit her­stel­len kön­nen, son­dern nur Chan­cen­ge­rech­tig­keit und Chan­cen­gleich­heit. Der Grund von Kin­der­ar­mut ist laut der Ber­tels­mann-Stu­die immer noch, dass die Eltern die­ser Kin­der kei­ne Arbeit haben oder eine Arbeit, bei der sie schlecht bezahlt wer­den. Des­we­gen müs­sen wir bei den Ursa­chen für die Ent­ste­hung von Kin­der­ar­mut anset­zen.

Die Stu­die der Ber­tels­mann Stif­tung zeigt, dass deutsch­land­weit 17 Pro­zent der Kin­der von Kin­der­ar­mut betrof­fen sind. Es gibt enor­me regio­na­le Unter­schie­de. Es gibt Regio­nen mit knapp 2 Pro­zent Kin­der­ar­mut, also einen ver­meint­li­ch guten Wert, und es gibt Regio­nen wie Bre­mer­ha­ven an der Spit­ze mit bis zu 40 Pro­zent. Da müs­sen wir anset­zen. Wir müs­sen schau­en, dass der Arbeits­markt wei­ter gestärkt wird und dass sich die Bedin­gun­gen so ver­bes­sern, dass Men­schen in Arbeit kom­men.

Dafür hat gera­de die­se Bun­des­re­gie­rung in den ers­ten Mona­ten sehr viel getan. Wir wol­len mit dem Min­dest­lohn die Bin­nen­kon­junk­tur stär­ken, und wir set­zen Pro­gram­me zur Bekämp­fung der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit auf, um die Vor­aus­set­zun­gen dafür zu schaf­fen, dass mehr Men­schen in Arbeit kom­men. Wir haben heu­te mit 43 Mil­lio­nen Erwerbs­tä­ti­gen eine Rekord­be­schäf­ti­gung. Die sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung, die ha auch nach Ihrer Defi­ni­ti­on eine gute Form der Arbeit ist, ist deut­li­ch gestie­gen. Das, was wir in den letz­te Jah­ren gemacht haben, um Kin­der­ar­mut und die Armut an gesell­schaft­li­cher Teil­ha­be abzu­bau­en, ist, dass wir in vier Berei­chen die Teil­ha­be­mög­lich­kei­ten von Kin­dern gestärkt haben:

Ers­tens. Es wur­de schon ange­spro­chen: Wir haben die Mög­lich­kei­ten der früh­kind­li­chen Bil­dung, der Kun­den­be­treu­ung aus­ge­baut. Heu­te besu­chen 96 Pro­zent der vier­jäh­ri­gen Kin­der eine Kin­der­ta­ges­stät­te. Zwei­tens. Wir haben im Bereich der Schwer­punkt­ki­tas Regio­nen, die beson­ders stark von sozia­len Pro­ble­men betrof­fen sind, in den Jah­ren 2011 bis 2014 mit 400 Mil­lio­nen Euro unter­stützt. Drit­tens. Wir haben den Aus­bau der Ganz­tags­schu­len mit einem gro­ßen Pro­gramm geför­dert. 8200 Ganz­tags­schu­len wur­den mit über vier Mil­li­ar­den Euro unter­stützt. Vier­tens. Wir haben die Leis­tun­gen des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ke­tes ein­ge­führt, die die Inte­gra­ti­on und Teil­ha­be von Kin­dern ermög­li­chen sol­len, die von Kin­der­ar­mut betrof­fen sind.

Das sind vier Punk­te, mit denen wir ver­su­chen, Teil­ha­be­mög­lich­kei­ten zu erhö­hen. Ich bin auch fest davon über­zeugt, dass es uns gera­de in der sozia­len Markt­wirt­schaft –  die gekenn­zeich­net ist durch eine Tarif­part­ner­schaft und durch Unter­neh­men, die sich enga­gie­ren – gelin­gen muss, die­se Kin­der zu för­dern.

Hier kom­me ich auf ein Ber­li­ner Pro­jekt der Deut­sche Bank zu spre­chen, von dem ich weiß, dass sich drei enga­gier­te Mana­ger, Her­bert Schaub, Chris­ti­an von Dri­gals­ki und Vol­ker Wiec­zo­rek, um benach­tei­lig­te Jugend­li­che küm­mern und ver­su­chen, ihnen eine Per­spek­ti­ve auf­zu­zei­gen, wie man mit Enga­ge­ment und Leis­tung aus die­sem Loch her­aus­kom­men kann und eine gute Zukunft hat. Wir wer­den uns in der sozia­len Markt­wirt­schaft wei­ter dafür ein­set­zen.

Vie­len Dank!«

Herausgeber: Dr. Martin Pätzold | 19.03.2015

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