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Rätsel in der »Waschmaschine«

Acht­mal so groß wie das Wei­ße Haus mit sei­nem mäch­ti­gen Prä­si­den­ten, bei Ein­be­zie­hung der dor­ti­gen Neben­ge­bäu­de zumin­dest immer noch sechs­mal grö­ßer. Und dass hier am »Bun­des­bo­gen« vom Ost- zum West­teil der Stadt jetzt nicht die ers­te Frau Deutsch­lands mit ihrem Kabi­nett Land und Leu­te ver­wal­ten, son­dern ein gigan­ti­sches deut­sches Muse­um ste­hen wür­de, wenn nicht des­sen bereits beschlos­se­ner Errich­tung der Mau­er­fall dazwi­schen­ge­kom­men wäre.

Apro­pos »Wasch­ma­schine«: dass die Arbeit im Rie­sen-Kanz­ler­amt, wie böse Zun­ge behaup­ten, nicht vor allem dar­auf hin­aus­lau­fe, die »gan­ze schmut­zi­ge Polit­wä­sche der Welt zu waschen«, stand für uns außer Fra­ge. Inter­es­sant aber war es doch ein­mal mit eige­nen Augen zu schau­en, ob und wie denn die Mäu­se auf den Tischen tan­zen, wenn die Kat­ze nicht im Hau­se ist. Fand unser Besu­ch im Bun­des­kanz­ler­amt doch an einem frü­hen Don­ners­tag­nach­mit­tag statt, als die Haus­her­rin mit ihrem Tross gera­de in Brüs­sel zu wich­ti­gen Gip­fel­ver­hand­lun­gen und damit nicht vor Ort war.

Um es gleich zu sagen: Die Ruhe auf den weit­läu­fi­gen Flu­ren war frap­pie­rend, wo man neben den klei­nen Gäs­te­grup­pen nur weni­ge Sicher­heits­leu­te und die pro­fes­sio­nel­len Besu­cher­be­treu­er traf; selbst in den ellen­lan­gen Gän­gen der Mit­ar­bei­ter­be­rei­che (in den Sei­ten­flü­geln befin­den sich 300 Büros von je 20 Qua­drat­me­ter und 13 Win­ter­gär­ten) kei­ne mit Akten­sta­peln dahin­ei­len­de Beam­te und Beam­tin­nen, wie man sich das in sei­ner Phan­ta­sie so aus­malt. Innen wirkt das Bau­werk mit sei­nen acht Eta­gen (und einer Höhe von 36 Metern, die damit merk­li­ch über der Ber­li­ner Trauf­hö­he von 22 Metern liegt) auf den ers­ten Ein­druck schlicht, um nicht zu sagen: etwas unter­kühlt. Man glaubt sich eher in einem Kunst­pa­last oder einer gro­ßen Gale­rie der Post­mo­der­ne. Aller­dings: Die ver­glas­ten Außen­flä­chen und der glat­te Beton erzeu­gen schnell eine Stim­mung der all­ge­mei­nen Trans­pa­renz.

Man wird gera­de­zu ani­miert, nach tie­fer lie­gen­den Geheim­nis­sen zu fra­gen, von denen es vie­le gibt, wie sich her­aus­stellt, und bekommt zugleich stän­dig neue Ant­wor­ten. Nichts an die­sem Ort der Mäch­ti­gen, scheint die Bot­schaft zu sein, soll dem Besu­cher, wenn er denn vor­ge­las­sen wur­de, ver­bor­gen blei­ben. Etwa die Fern­seh­quiz rei­fe Fra­ge, wel­cher Alt­kanz­ler gleich zwei­mal mit sei­nem gemal­ten Por­trät im Hau­se hängt und wo? Oder war­um das Bild von Ger­hard Schrö­der in der berühm­ten Gale­rie der bis­he­ri­gen Bun­des­kanz­ler als ein­zi­ges nicht signiert ist? Und: Kön­nen die amtie­ren­den Kanz­ler im Amts­ge­bäu­de auch woh­nen? Und was bedeu­ten die offen­bar sechs ver­schie­de­nen »Far­bräu­me« im zen­tra­len Trep­pen­haus?

Um mit den Lösun­gen von hin­ten anzu­fan­gen: Die Far­ben sol­len bestimm­te klas­si­sche Tugen­den sym­bo­li­sie­ren – Blau die Weis­heit, Umbra die Löwen­far­be für Kraft und Stär­ke, Rot die Tap­fer­keit, Ocker-Gold die Gerech­tig­keit und Grün/Weiß die Klug­heit. Die Fra­ge nach der Kanz­ler-Dienst­woh­nung: Als Wohn­räu­me ste­hen 200 Qua­drat­me­ter zur Ver­fü- gung, der größ­te Teil ent­fällt aber auf zwei Reprä­sen­ta­ti­ons­räu­me, so dass tat­säch­li­ch zur Wohn­nut­zung gan­ze 28 Qua­drat­me­ter übrig­blei­ben. Fra­ge Num­mer eins: Kon­rad Ade­nau­er wur­de für die offi­zi­el­le Gale­rie 1963 von Hans Jür­gen Kall­mann gemalt; ein wei­te­res Por­trät des ers­ten Alt­kanz­lers von Oskar Kokosch­ka befin­det sich im Arbeits­zim­mer Ange­la Mer­kels. Und was das von Jörg Immen­dorf gemal­te Schrö­der-Por­trät angeht – ver­su­chen Sie doch ein­mal die Ant­wort nach der feh­len­den Signie­rung selbst her­aus­zu­be­kom­men! Schon allein dafür lohnt sich ein Besu­ch in der »Wasch­ma­schine«.

Herausgeber: Senioren Union Lichtenberg | 29.03.2016

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