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Kiezspaziergang: Nünthel und Ribble in der Herzbergstraße

Der Mann hat­te sich gemein­sam mit ande­ren Anwoh­nern aus dem Dreh an der Paul-Zobel-Stra­ße schon im ver­gan­ge­nen Jahr an das Ord­nungs­amt gewandt. Die Bewoh­ner bemän­geln eine schwie­ri­ge Ver­kehrs­la­ge, ins­be­son­de­re mit der Ein­mün­dungs­si­tua­ti­on in die Neben­stra­ßen sind sie unzu­frie­den. Denn dort ist es gestat­tet, halb­sei­tig auf den Geh­we­gen zu par­ken – Stau und unüber­sicht­li­che Situa­tio­nen sind das Ergeb­nis. Im Amt nahm man die Kri­tik ern­st und ver­sprach, sich wegen Ände­run­gen an die Ver­kehrs­len­kung Ber­lin zu wen­den. »Vor elf Mona­ten wur­de uns das mit­ge­teilt«, sagt Mann und weist auf den Brief, den er Nün­thel über­ge­ben hat. »Getan hat sich seit­dem aber nichts.« Wil­fried Nün­thel ist eigent­li­ch nicht zustän­dig für den Fall, er ver­spricht jedoch, das Anlie­gen mit ins Bezirks­amt zu neh­men und noch­mals Druck zu machen. »Das Pro­blem sind lan­ge Reak­ti­ons­zei­ten der Ver­kehrs­len­kung«, sagt er. Die­se betrü­gen im Schnitt 14 Mona­te. Die Behör­de, die dem Senat unter­steht, ist über­las­tet und hat zu wenig Per­so­nal. Er ver­spricht, sich die Situa­ti­on noch­mals gen­au anzu­schau­en, bei einem sei­ner nächs­ten Kiez­spa­zier­gän­ge. »Wir kom­men auch in Ihr Gebiet«, ver­si­chert der bezirk­li­che Spit­zen­kan­di­dat der CDU dem Sport­ler, der gleich zu einem Spiel sei­nes Ten­nis­clubs will.

Platz im August neu gestal­tet
Jetzt geht es aber erst ein­mal durch das Wohn­ge­biet zwi­schen Lands­ber­ger Allee, Wei­ßen­seer Weg und Herz­berg­stra­ße. Nün­thel infor­miert, dass die Arbei­ten für den Platz zwi­schen Wei­ßen­seer Weg und Rewe im August abge­schlos­sen wer­den. Die Art der Gestal­tung sei mit den Anwoh­nern ver­ab­re­det wor­den. »Gro­ßen Wert haben die­se dar­auf gelegt, dass die Bäu­me dort erhal­ten blei­ben«, sagt Nün­thel. Ein zwei­ter Bau­ab­schnitt zwi­schen einem noch nicht sanier­ten Dop­pel­hoch­haus und einem Dis­count-Markt soll fol­gen. Wann, ist aller­dings noch nicht klar. Dazu müs­sen erst noch Mit­tel aus dem Pro­gramm Stadt­um­bau Ost frei­ge­ge­ben wer­den. Klei­ne Anek­do­te am Ran­de: »In dem Hoch­haus wur­de eine Fol­ge der Fern­seh­se­rie ›Soko Wis­mar‹ gedreht«, erzählt der Stadt­rat. Die Film­leu­te woll­ten als Kulis­se (»damit es auch schön trist aus­sieht«) einen Plat­ten­bau in DDR-Anmu­tung und muss­ten dafür ziem­li­ch lan­ge suchen. Denn in Lich­ten­berg und auch im benach­bar­ten Mar­zahn-Hel­lers­dorf sind die meis­ten Häu­ser in den Groß­sied­lun­gen längst moder­ni­siert.

Viet­nam in Lich­ten­berg
An der Vul­kan­stra­ße geht es hin­ein in einen Gewer­be- und Indus­trie­park, in dem klei­ne­re und grö­ße­re Fir­men ansäs­sig sind, dar­un­ter das Unter­neh­men Pan­Trac, das Indus­trie­koh­le her­stellt. Rech­ter Hand befin­det sich das Are­al des Dong Xuan Cen­ters – ein wenig Viet­nam mit­ten in Lich­ten­berg. Ein­st gehör­te die gan­ze, etli­che Hekt­ar gro­ße Flä­che zum Kom­bi­nat Elek­tro­koh­le. Zu sehen sind noch Beton­tür­me von ein­st: »Das sind die Auf­zü­ge und Trep­pen­häu­ser von geplan­ten Fabrik- und Büro­ge­bäu­den«, erläu­tert Nün­thel. Die­se wur­den nach 1989 nicht mehr fer­tig­ge­stellt. Jetzt sei­en die Tür­me von einem öster­rei­chi­schen Unter­neh­men gekauft wor­den, Bau­an­trä­ge zwecks Umnut­zung lie­fen, sagt Nün­thel. Die Fir­ma wol­le dort Mus­ter­holz­häu­ser her­stel­len.

Das Dong Xuan Cen­ter ist die wohl bekann­tes­te Gewer­be­nut­zung im Gebiet. »Dort kann zwar jeder­mann ein­kau­fen oder Essen gehen, es ist aber vor allem ein Asia-Groß­han­del«, sagt der Bau­stadt­rat. Die Kun­den kämen sogar aus Däne­mark und Tsche­chien. Nun will sich das Cen­ter ver­grö­ßern: Im stark ver­fal­le­nen frü­he­ren Elek­tro­koh­le-Kul­tur­haus soll ein Mes­se- und Aus­stel­lungs­zen­trum ent­ste­hen. Die Bau­ge­neh­mi­gung ist erteilt. Bereits gear­bei­tet wird an einem Back­stein­ge­bäu­de, nur weni­ge Meter vom Kul­tur­haus an der Herz­berg­stra­ße ent­fernt. Dort wer­den der­zeit die Klink­er­fas­sa­den saniert. Das Gebäu­de soll als Pen­si­on Dong Xuan die­nen, ein Gäs­te­haus für Kun­den und Besu­cher von Ber­lins größ­ter Asia­town wer­den.

Kein Woh­nen im Gewer­be­ge­biet
Wenn­gleich dort dann Men­schen über­nach­ten dür­fen – gene­rell ist das Gewer­be­ge­biet nicht zum Woh­nen gedacht. Das sei immer wie­der ein Streit­punkt mit ver­schie­de­nen Inves­to­ren, erklärt Nün­thel. Zwar gibt es ein­zel­ne bewohn­te Häu­ser zwi­schen den Fabri­ken und Gewer­be­ge­bäu­den, doch deren Nut­zung ist his­to­ri­sch bedingt. »Sie haben Bestands­schutz.« Neue Woh­nun­gen zu errich­ten, ist unzu­läs­sig. Aus­ge­lau­fen ist auch der Bestands­schutz für die Gebäu­de an der Herz­berg­stra­ße, in denen sich frü­her Werks­woh­nun­gen von Elek­tro­koh­le befan­den. »Die letz­ten Bewoh­ner waren in den 1990er-Jah­ren Flücht­lin­ge aus dem Bal­kan­krieg«, sagt Nün­thel. Seit­dem ste­hen die Häu­ser, die sich über drei Höfe erstre­cken, leer. Ein Investor möch­te sie wie­der zum Woh­nen her­rich­ten, der Bezirk lehnt das wegen zu erwar­ten­der Kon­flik­te mit den benach­bar­ten Gewer­be­be­trie­ben ab.

Zahl­rei­che Künst­ler und Ange­hö­ri­ge der Krea­tiv­wirt­schaft haben sich in den letz­ten Jah­ren rund um die Herz­berg­stra­ße ange­sie­delt. Bei­spiels­wei­se in der alten Mar­ga­ri­ne­fa­brik an der Herz­berg­stra­ße 55, die nun das Kunst­haus HB 55 mit rund 150 Krea­ti­ven ist, oder in Hau­brocks Fahr­ge­mein­schaft (ehe­ma­li­ger Fuhr­park des Minis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit der DDR, der jetzt eine Kunst­samm­lung beher­bergt). Vie­le Krea­ti­ve bekla­gen aller­dings, dass im Gebiet nach gel­ten­dem Recht weder Ver­gnü­gungs­stät­ten oder Par­ty­lo­ca­ti­ons zuläs­sig sind, Aus­stel­lungs­flä­chen feh­len. Bis­her hat der Bezirk bestimm­te Ver­an­stal­tun­gen dort zwar geneh­migt: »Aber das waren immer Aus­nah­me­re­ge­lun­gen«, sagt der Stadt­rat.

Neu­es Gebiets­ma­nage­ment
Um die Ent­wick­lung des Gewer­be­ge­bie­tes Herz­berg­stra­ße, in dem der­zeit etwa 850 Betrie­be mit rund 8.400 Beschäf­tig­ten ansäs­sig sind, küm­mert sich seit kur­zem ein Gebiets­ma­nage­ment unter Feder­füh­rung der bezirk­li­chen Wirt­schafts­för­de­rung, erläu­tert Wil­fried Nün­thel. Bun­des­weit wur­de es als eines von neun Modell­ge­bie­ten aus­ge­wählt. Ziel ist es, den Gewer­be­stand­ort zu sichern und die dort ansäs­si­gen Betrie­be zu stär­ken. »Das Gebiets­ma­nage­ment wird auch ein Mitt­ler zwi­schen den unter­schied­li­chen Inter­es­sen der ver­schie­de­nen Mie­ter und Eigen­tü­mer sein«, sagt der Stadt­rat.

Herausgeber: CDU Lichtenberg | 07.05.2016

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