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Kiezspaziergang: Durch den Weitlingkiez mit Nünthel und Schaefer

In dem Ron­dell am Bahn­hof Lich­ten­berg gibt es seit Anfang März zehn ver­schließ­ba­re Ein­zel­bo­xen für Fahr­rä­der, die stun­den- und tage­wei­se gemie­tet wer­den kön­nen. Und weil es hoch­mo­der­ne Auf­be­wah­rungs­mög­lich­kei­ten sind, erfolgt die Reser­vie­rung aus­schließ­li­ch online über eine Smart­pho­ne-App. Das Sys­tem, das sich Veloe­a­sy nennt, hat sich ein Ber­li­ner Star­tup erdacht – und bei Wil­fried Nün­thel Unter­stüt­zung gefun­den. Denn gera­de an Bahn­hö­fen machen sich Lang­fin­ger an Fahr­rä­dern zu schaf­fen, auch in Lich­ten­berg. Mit den abschließ­ba­ren Fahr­rad­bo­xen (eine zwei­te steht am Bahn­hof Karls­hor­st) sol­len Mög­lich­kei­ten für eine siche­re Auf­be­wah­rung der Räder geschaf­fen wer­den. »Nach Aus­kunft des Unter­neh­mens gab es bereits mehr als 250 Anmel­dun­gen dafür«, sagt Nün­thel. Noch ist das Gan­ze ein Pilot­pro­jekt. Wenn es sich bewäh­re, sei die Auf­stel­lung wei­te­rer Boxen auf öffent­li­chem Stra­ßen­land denk­bar. Eine Flä­che dafür ist bereits reser­viert – etwa 200 Meter ent­fernt, am ande­ren Aus­gang des U-Bahn­hofs Lich­ten­berg.

Bis 2009 Sanie­rungs­ge­biet
Die moder­ne grü­ne Box ist gewis­ser­ma­ßen sym­pto­ma­ti­sch für die Wand­lung des Kie­zes, der sei­nen Namen nach der Haupt­stra­ße hat, die am Bahn­hof Lich­ten­berg vor­bei­führt. Namens­pa­te war der Schul­meis­ter Johann Lud­wig Weit­ling, der von 1782 bis 1792 in Lich­ten­berg tätig war. Die meis­ten Wohn­häu­ser sind ansehn­li­ch her­ge­rich­tet (bis 2009 war der Kiez 15 Jah­re lang wegen mas­si­ver bau­li­cher Schä­den Sanie­rungs­ge­biet), das Vier­tel gehört inzwi­schen zu den gefrag­ten Lagen im Bezirk. Beson­ders jun­ge Leu­te zieht es ver­mehrt dort­hin, der Woh­nungs­leer­stand ist fast Null, die Mie­ten hal­ten sich noch in sozi­al ver­träg­li­chem Rah­men. »Wir müs­sen den­no­ch auf­pas­sen, dass kei­ne Ver­drän­gung Alt­ein­ge­ses­se­ner statt­fin­det«, sagt Nün­thel. Noch gebe es dies­be­züg­li­ch kei­ne Anzei­chen, wohl aber Gefähr­dungs­po­ten­zi­al. Er erin­nert dar­an, dass Ende 2013 Mie­ter in GSW-Häu­sern an der Meta-, Frie­da- und Mar­ga­re­ten­stra­ße, die jetzt der Deut­sche Woh­nen gehö­ren, eine Sanie­rungs­an­kün­di­gung mit exor­bi­tan­ten Miet­stei­ge­run­gen in ihren Brief­käs­ten fan­den. Bis zu 5,45 Euro mehr je Qua­drat­me­ter soll­ten sie nach Abschluss der Arbei­ten zah­len. Die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung schritt ein, das Bezirks­amt beschloss die Anwen­dung einer bereits 2012 auf­ge­stell­ten Umstruk­tu­rie­rungs­sat­zung, wenn das Unter­neh­men die geplan­ten Miet­stei­ge­run­gen nicht begrenzt. »Bis­her ist nichts mehr pas­siert«, sagt Olaf Ruhl, einer der Betrof­fe­nen, der sich wie vie­le Mie­ter gericht­li­ch gegen die ange­kün­dig­ten Miet­stei­ge­run­gen wehrt. Wie Wil­fried Nün­thel hat er nichts dage­gen, dass die Häu­ser, in denen die Woh­nun­gen noch Ofen­hei­zung haben, auf heu­te übli­chen Stan­dard gebracht wer­den sol­len – Luxus­mo­der­ni­sie­rung und eine zu gro­ße Belas­tung der Bewoh­ner sol­len dabei aber aus­ge­schlos­sen wer­den.

Rewe moder­ni­siert und erwei­tert
Bereits 57 Jah­re lang lebt Lothar Gor­ges im Weit­ling­kiez, gleich nach der Hoch­zeit sei er mit sei­ner Frau damals her­ge­zo­gen, erzählt der 85-Jäh­ri­ge dem Stadt­rat. Er bedau­e­re, dass es nicht mehr so vie­le schö­ne Geschäf­te wie frü­her in der Weit­ling­s­tra­ße gebe. Zahl­rei­che alt­ein­ge­ses­se­ne Gewer­be­trei­ben­de hät­ten auf­ge­ge­ben. Mar­tin Schae­fer, der im Wahl­kreis als CDU-Direkt­kan­di­dat für das Abge­ord­ne­ten­haus antritt, ver­weist auf ande­re, die dort noch immer ihre Waren anbie­ten wie ein gut sor­tier­ter Lam­pen­la­den oder ein Spi­ri­tuo­sen­ge­schäft, das es schon mehr als 100 Jah­re gibt. Zudem haben auch neue Geschäf­te eröff­net wie eine Buch­hand­lung an der Mar­ga­re­ten­stra­ße, die sich auf Kri­mi­nal­li­te­ra­tur spe­zia­li­siert hat. Wil­fried Nün­thel beteu­ert, an einem Gerücht, das im Kiez die Run­de gemacht hat­te, sei nichts dran: »Rewe macht nicht zu, son­dern schließt nur zwei Mona­te wegen Reno­vie­rungs- und Erwei­te­rungs­ar­bei­ten.« Ob aller­dings die Spar­kas­sen­fi­lia­le im Kom­plex blei­be, ste­he noch nicht fest: »Wir hof­fen das.« Denn Bank­fi­lia­len und Geld­au­to­ma­ten fehl­ten im Vier­tel.

Kei­ne Hoch­burg der Rech­ten mehr
Lan­ge Zeit war der Weit­ling­kiez durch Neo­na­zis ver­ru­fen. Inzwi­schen ist die Sze­ne dort weit­ge­hend ver­schwun­den – vor allem, weil sich ihr vie­le Initia­ti­ven im Kiez ent­schie­den ent­ge­gen­stell­ten, demo­kra­ti­sche Par­tei­en und Pro­jek­te dabei gut zusam­men­wirk­ten. Spä­tes­tens seit der Räu­mung der Lück­stra­ße 58 im Jahr 2014, einem berüch­tig­ten Treff der Rechts­ex­tre­mis­ten, sei das Vier­tel kei­ne Hoch­burg der Rech­ten mehr, sagt Mar­tin Schae­fer. Wohn­ten ein­st 30 bis 40 Neo­na­zis im Kiez, sei­en es jetzt noch drei bekann­te NPD-Mit­glie­der. Übrig geblie­ben ist die bei Rech­ten belieb­te Knei­pe Stur­gis, die sich selbst als »deut­sche Kiezkneipe«bezeichnet. »Aber da hat es auch deut­li­che Gefähr­der-Anspra­chen der Poli­zei gege­ben«, sagt Schae­fer, »so dass wei­test­ge­hend Ruhe ein­ge­kehrt ist.«

Selbst etwas tun
Ein Zei­chen dafür ist wohl auch das im ver­gan­ge­nen Jahr eröff­ne­te »Eis­Kaf­fee« an der Mar­ga­re­ten­stra­ße 27. Gönül Glo­wins­ki und ihr Lebens­part­ner haben bei­de migran­ti­sche Wur­zeln und füh­len sich wohl im Kiez, in dem sie auch woh­nen. »Es lebt sich gut hier«, sagt die Inha­be­rin. Sie hat­te den Fly­er für den Kiez­spa­zier­gang mit den CDU-Kan­di­da­ten in ihrem Brief­kas­ten gefun­den. Und weil sie wäh­rend der Geschäfts­zeit kei­ne Mög­lich­keit zur Teil­nah­me am Spa­zier­gang hat, bat sie dar­um, wäh­rend des Rund­gangs doch auch ein­mal bei ihr vor­bei­zu­schau­en. Sie berich­tet, dass sie Pro­ble­me hat­te mit der Auf­stel­lung von Tischen und Stüh­len im Frei­en. Der Geh­weg vor dem Haus ist dafür zu schmal. Doch nun sei ihr etwa 20 Meter von ihrem Café ent­fernt eine Flä­che an der Ecke zur Weit­ling­s­tra­ße geneh­migt wor­den, vor einem Fahr­rad­la­den, aller­dings nur für ein Jahr. »Die­se Geneh­mi­gun­gen gel­ten immer zeit­li­ch begrenzt, die Anträ­ge müs­sen regel­mä­ßig erneu­ert wer­den«, erläu­tert ihr Wil­fried Nün­thel. Sicht­li­ch freut er sich, als die jun­ge Frau erklärt, sie wol­le auch selbst etwas für den Kiez tun: »Ich möch­te in Lich­ten­berg aktiv wer­den und mich dabei nicht nur auf das eige­ne Geschäft kon­zen­trie­ren.« Einen Anfang hat sie schon gemacht, indem sie nach Laden­schluss Gewer­be­trei­ben­de in ihr Café zum Stamm­tisch ein­ge­la­den hat.

Der Weit­ling­kiez:
Die etwa in Nord-Süd-Rich­tung ver­lau­fen­de Weit­ling­s­tra­ße ist das Zen­trum die­ses Wohn­ge­bie­tes. Im Weit­ling­kiez fin­den sich ruhi­ge Wohn­stra­ßen und zahl­rei­che denk­mal­ge­schütz­te Wohn­blö­cke. Auf dem Müns­ter­land­platz fin­det all­jähr­li­ch ein inter­kul­tu­rel­les »Wir im Kiez«) statt, das zeigt, wie bunt das Quar­tier ist.

Im Forum Weit­ling­kiez, einer offe­nen Platt­form, gibt es jeden zwei­ten Monat Infor­ma­tio­nen zum Vier­tel und über den Bezirk. Dort tref­fen sich Gewer­be­trei­ben­de, Anwoh­ner, Initia­ti­ven und Orga­ni­sa­tio­nen. Geplant wer­den auch gemein­sa­me Aktio­nen. Gegrün­det wur­de es 2006, um das bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment noch wei­ter zu stär­ken und das Wohn­um­feld zu ver­bes­sern.

Am Müns­ter­land­platz, direkt neben der neu­apos­to­li­schen Kir­che, befin­det sich einer von zwei Kiez­gär­ten des Gebie­tes, betrie­ben von der AWO. Der zwei­te befin­det sich an der Hein­rich­stra­ße (Hein­rich-Treff, Betrei­ber ist die Evan­ge­li­sch Frei­kirch­li­chen Gemein­de). Bei­de kön­nen durch die Öffent­lich­keit genutzt wer­den, der Kiez­gar­ten Müns­ter­land­stra­ße 46 wird auch ver­mie­tet.

Herausgeber: CDU Lichtenberg | 29.04.2016

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